
Fortschritt gestalten: das erste Forum d’Avignon Ruhr
22 Länder vereint: 175 geladene Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Kunst
„Wirtschaft versus Kultur? Solches Denken in Schubladen war eine schlechte Angewohnheit des Neunzehnten Jahrhunderts“. (Bodo Hombach, Moderator des Initiativkreises Ruhr)
Im Rahmen des Forum d’Avignon Ruhr 2012 - der europaweit einmaligen Dialog- und
Aktionsplattform in deutsch-französischer Partnerschaft zum Thema Kultur & Wirtschaft - kamen am 9.März im SANAA-Gebäude auf dem Welterbe Zollverein Essen hochkarätige Vertreter aus Politik, Wirtschaft sowie Kreative und Künstler erstmalig zusammen, um mögliche Allianzen von Kreativität und Wirtschaft zu erörtern.

Die pluralistische Zusammenstellung der drei Foren war Garant für einen angeregten Diskurs - nicht an den Schnitt- sondern an den Reibungsstellen wurden Denkanstöße gegeben, neue Prozesse in Gang gesetzt und die Notwendigkeit von strategischen Partnerschaften für Kultur und Wirtschaft in einer digital vernetzten Gesellschaft verdeutlicht. „Kreativschaffende sind keine Bettler!“ eröffnete Nicolas Seydoux, Präsident des Forum d‘Avignon, plakativ die Diskussionen und erfuhr inhaltliche Unterstützung durch Günter Winands, Ministerialdirigent beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien: „Ohne diese Wertschätzung für das kreative Schaffen laufen wir Gefahr, langfristig tausende Arbeitsplätze in der Kultur- und Kreativwirtschaft zu verlieren! Es ist wichtig, dass wir - und nicht nur die Politik - viel stärker diese Zusammenhänge aufklären und wichtige Vermittlungsarbeit leisten." Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin des Landes NRW, verwies darauf, was aus Kultur und kreativer Arbeit entstehen kann und welchen Stellenwert sie ihr einräumt: "Kultur ist die Hefe im Teig und nicht nur die Sahne auf dem Kuchen". Der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel forderte Finanzmittel für den "Zukunftsmarkt, in dem schon jetzt 1 Million Menschen tätig sind. Deutschland ist wirtschaftspolitischer Riese und kulturpolitischer Zwerg - Berlin muss deutlich mehr Finanzmittel zur Verfügung stellen, sonst entleeren wir unsere Städte und Gemeinden und sonst entleeren wir unsere Gesellschaft kulturell."


Bei den spürbar spannenden, heterogenen Diskussionen, in denen Reibungshitze deutlich wurde,
gab es immer einen Konsens: die Forderung nach Wertschätzung der Kultur, deren notwendige
Finanzierung und ihrer ökonomischen Bedeutung sowie die Wichtigkeit dieser Debatte, der Weg
dorthin wurde jedoch aus verschiedenen Blickwinkeln beschrieben. Häufig wurden Zukunftsorientiertheit und Experimentierfreudigkeit gefordert, so beispielsweise von Heiner Goebbels, Intendant der Ruhrtriennale, mit dem deutlichen Statement: „Wir müssen einen drohenden Cut als Chance nutzen: Nicht mit dem Ziel, die größten und schwerfälligsten Tanker zu retten. Sondern um andere, zeitgenössische Produktionsweisen modellhaft zu schaffen. Produktionsweisen, die keiner institutionellen Schwerkraft unterliegen, sondern sich als Labor der Zukunft eignen“. Die Teilnehmer bemerkten wiederholt, dass auch das Format „Forum d‘Avignon Ruhr“ genau diese Eigenschaften in sich trägt.

Leistung kann man wirklich ein positives Ergebnis erzielen.“Dieter Gorny freute sich über den gelungenen Einstieg in die (zukünftige) Kooperation zwischen Forum d’Avignon und Forum d’Avignon Ruhr und sprach in einem Resümee am Ende der Veranstaltung von der hohen Bedeutung des Think Tanks: “Debattenorte wie das Forum d‘Avignon Ruhr haben gerade für die europäische Entwicklung eine große Bedeutung, besonders wenn sie soviel Inspiration, Phantasie, Kreativität und Gegensätzlichkeit frei setzen. Wenn die Impulse dieser Debatte von hier ausgehen, kann uns nichts besseres passieren.“ Das Forum d'Avignon Ruhr ist eine Kooperation zwischen dem aus der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 hervorgegangenen european centre for creative economy (ecce) und dem Forum d'Avignon. Die Ausstellung von Hermann Vaske „Why Are You Creative?“ bot den künstlerischen Rahmen zur Veranstaltung.
Fotos: Forum d'Avignon Ruhr (Ruhr.2010)/Manfred Vollmer
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