Der Louvre und das Guggenheim-Museum werden bald Nachbarn! Aber die beiden treffen
weder in Paris noch in New York aufeinander, sondern in der erst seit den 70er Jahren in der
Neuzeit angekommenen Stadt Abu Dhabi.

Die Glaspyramide als Markenzeichen des Louvre (c) K_Dafalias
Dass Erdölreserven endlich sind, ist nicht neu. Dass Tourismus ein attraktiver Wirtschaftszweig ist, auch nicht. Um letzteren zu fördern, besinnt man sich in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, auf Kultur und Kunst. Während man sich andernorts, beispielsweise in vielen deutschen Städten, in einem solchen Fall auf die eigene Geschichte und, sofern noch vorhandenen, den eigenen alten Stadtkern konzentriert, um für Touristen attraktiv zu werden, geht man im Emirat Abu Dhabi ganz andere Wege – man importiert.

Das Guggenheim Museum in New York (c) eschipul Flickr
Die neuen Filialen der Museen werden sich im zukünftigen Kulturbezirk der Stadt befinden, auf der extra zu diesem Zweck vergrößerten und befestigten Insel Saadiyat. Während der Louvre vorerst nur für eine Laufzeit von 30 Jahren seinen Namen und einen wechselnden Teil seiner Kunstwerke verleiht, wird die Guggenheim Foundation, die schon länger mit einem Franchise-Konzept arbeitet, sich langfristig an dem neuen Standort engagieren. Doch nicht nur das importierte Innenleben und die geliehenen Namen sollen die kulturinteressierte Masse nach Abu Dhabi ziehen, auch die Bauten an sich versprechen architektonische Kunstwerke zu werden. Des Weiteren sollen dort nebst einem Campus der New York University auch ein „Performing Arts Centre“, ein Nationalmuseum und ein Ausstellungspavillon für moderne Kunst entstehen; auch diese jeweils von namhaften Architekten entworfen.

Modell der Insel Saadiyat (c) lucadex Flickr
Um diesen neuen Touristenmagneten auch in vollem Umfang nutzbar zu machen, wird um den Kulturbezirk die entsprechende Infrastruktur aufgebaut: Neben Luxus-Hotels, Restaurants und ausreichenden Einkaufsmöglichkeiten wird auch ein 9 km langer Sandstrand sowie ein Yachthafen mit mehr als 1000 Liegeplätzen geschaffen. Außerdem wird Saadiyat durch eine 10-spurige Autobahn sowohl mit dem Flughafen als auch mit dem Stadtzentrum von Abu Dhabi verbunden sein.
Es bleibt abzuwarten, ob die in die kulturelle Weiterentwicklung gesetzten Erwartungen erfüllt werden können. Das Ziel der nationalen Tourismusentwicklungsgesellschaft Abu Dhabis, ihre Stadt zu "einem Reiseziel zu machen, das so attraktiv sein soll, dass es jeder Kunst- und Kulturinteressierte in Zukunft zumindest einmal im Jahr, wenn nicht gar häufiger, aufsuchen wird", ist sehr hoch gesteckt. Es mag ja sein, dass Abu Dhabi Kunst und Kultur aus Weltstädten wie New York und Paris beherbergt, aber ob das reicht, mit ihnen auf Augenhöhe zu kommen, steht noch in den Sternen.
Autorin: Leonie Hintz