Mike Linde, Thomas Sander, Pascal Kamp © Mike Linde

Filmkunst aus dem Pott

Mit dem Projekt Pottart setzt Filmemacher Mike Linde Künstler in Szene

Er will sich frei machen von dem Bergbau-Image des Ruhrgebiets. Die Industriekultur im Ruhrgebiet reizt den Essener Filmemacher Mike Linde nicht: „Das Ruhrgebiet vereint abseits der Zechenkultur so viele verschiedene Kulturen. Warum die nicht zeigen?“, fragt der 23-Jährige rhetorisch. Mit dem Filmprojekt Pottart will er weg vom anrüchigen Image des Potts und hin zu einer positiven Wahrnehmung. Dafür vereint er Künstler unterschiedlicher Genres in einem Musikclip und sucht aufstrebende Talente.

Dass Mike Linde Filme drehen kann, hat er zuletzt im Februar 2012 bewiesen: Mit seinen Kompagnons Carlo Feick, Jonas Kaltenkirchen und Timo Josefowicz hat er den Publikumspreis des 99Fire-Films-Awards der Berlinale-Filmfestspiele in Berlin für den Kurzfilm „Stay Serious“ gewonnen. Das vorgegebene Thema lautete „Put a smile on your face“. In 99 Stunden hat ein 25-köpfiges Team die Idee zum 99-sekündigem Film entwickelt, die Logistik geplant, den Filmdreh durchgeführt, den Film geschnitten und in letzter Minute auf den Wettbewerbsserver hochgeladen. Das waren die Bedingungen: 99 Sekunden Film in 99 Stunden zu erschaffen. Über eine Abstimmung im Internet erhielten die Essener anschließend mehr als 4.000 Stimmen für ihren Beitrag. Auf einer Gala in Berlin wurde ihnen der Preis über 999 Euro verliehen. „Das war für uns eine tolle Erfahrung, bedeutet für uns aber, dass wir uns nun weiter entwickeln müssen“, sagt Mike Linde.

Stay Serious from Mike Linde on Vimeo.



„Filmemachen ist meine Leidenschaft.“
Mike Linde arbeitet neben seinem Deutsch- und Englisch-Studium seit anderthalb Jahren selbständig als Filmemacher. In dem Netzwerk Linde Film realisiert er mit seinen Partnern Pascal Kamp und Thomas Sander sowie anderen Freiberuflern Werbe- und Imagefilme, virale Videos, Musikclips, Videomitschnitte und Bewegtbilder jeglicher Art. „Mich hat das Filmemachen schon immer gereizt. Das ist meine Leidenschaft. Deshalb habe ich auch ein Praktikum bei einer Filmproduktionsfirma gemacht. Aber dort habe ich erkannt: Die eine Hälfte des Stoffs kannte ich schon. Die andere gefiel mir nicht“, erklärt Mike Linde. „Außerdem möchte ich mich auch nicht an einer Filmhochschule in ein Schema pressen lassen.“ Mike Linde hat seinen eigenen, autodidaktischen Weg gewählt. Nach der Universität will er selbständig bleiben.

Seinen Plan B und C hat er auch schon in der Tasche: Entweder als Texter oder Lehrer arbeiten. Seit Traum aber ist, Filmregie zu führen. „Aber dazu muss ich noch viel lernen und viel leisten. Wenn ich das Handwerk beherrsche, dann ist das viel wert.“

Pottart – eine Art episches Musikvideo
Mike Lindes neuestes Projekt liegt ihm besonders am Herzen: Pottart, das er gemeinsam mit Pascal Kamp und Thomas Sander realisiert. Eine Art episches Musikvideo soll es werden, so die Filmemacher. Dazu soll ein Lied produziert werden, das verschiedene Musiker auf einer Abraumhalde präsentieren. Flankierend dazu werden Skater, Tänzer, Biker und Akrobaten die Musiker mit ihren Choreographien unterstützen. „In einem großen, geordneten Chaos fliegen die Künstler durch die Luft. Die Künstler werden dabei in Szene gesetzt – nicht das Ruhrgebiet. Denn der Clip wird keine Hymne auf das Ruhrgebiet. Wir wollen den Künstlern eine Stimme verleihen. Jeder hat die Möglichkeit, das zu zeigen, was er kann“, erklärt Mike Linde.
Für Pottart sind Mike Linde, Pascal Kamp und Thomas Sander noch auf der Suche nach Akrobaten aus dem Ruhrgebiet: Traceure, Jongleure, Feuerspucker oder Skater. Den Dirt-Bike Profi Marc Rüsing konnte das Team schon für seinen Clip gewinnen.
„Das Ruhrgebiet hat derbe was drauf“, sagt Mike Linde. „Das zeigen wir mit Pottart.“

Fr, 30.03.2012 0

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04.12.2009

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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