Seit weit über 50 Jahren gibt es mit der FIDENA ein Festival im Ruhrgebiet, das seine feste Burg in Bochum hat, ein Festival, das einem Genre verpflichtet ist, das doch immer noch mit Klischees leben muss, die aus jeweiligen Kinderzeiten stammen.

Fidena Eröffnung (c) dman
In diesem Jahr weitet man bis zum 20. Mai die Zone der Illusionen aus. Man eröffnet und spielt auch in Essen, spielt in Herne und Bochum und dennoch soll es an Intimität nicht mangeln, denn die meisten der Produktionen brauchen eben diese Nähe zum Publikum, den kleinen Raum für die großen Geschichten. Aber die Eröffnung fand auf dem roten Teppich statt, der in das Riesenkino Lichtburg führt. Kleine und große Figuren werden vorgefahren, entsteigen den Karossen wie große Stars der Leinwand, wandeln mit ihren Spielern und Animateuren über das Rot, werden von Kameraleuten umringt und vom Publikum beklatscht. Eine grandiose Idee!
Fantasie

White Woman (c) dman
Es geht um Figuren, nicht um die der Schauspieler oder Tänzer,
Familie (c) dman
nein, um totes Material, das zum Leben erweckt wird. Sei es aus Gummi, aus Latex, Pappe, Holz oder Metall – das Leben, das von großartigen Figurenkünstlern vorgegaukelt wird, ist oft tiefsinniger und grausiger als das wirkliche Leben und somit bleibt oft das Bild in Erinnerung, das den Menschen aus Fleisch und Blut an sich und das Weh und Ach erinnert.
Zur Eröffnung schreiten Giraffen Stück für Stück näher, schielen in Handtaschen, lassen sich streicheln und staksen mit ihren Stelzenbeinen durch die wartende Menge. Magali Chouinard, die „White Woman“ aus Kanada verbreitet Eiseskälte. Maria entsteigt der Limousine mit ihrem Kind, an der Seite des Heiligen Vaters, der zu den Journalisten spricht. Eine schmuddelige Frau aus dem Kiez wird zurückgedrängt. Ein Widder schreitet bedrohlich den Teppich ab, gefolgt von einem kleinen Eisenmann. Alles Figuren, alles Masken, alles gespielt, eine Galerie des Staunens, das in den Vorstellungen viele Erwachsene zu Kindern werden lässt. Das Staunen, die Umwandlung von Fabeln, die Fantasie haben viele bereits verschüttet. Das Fidena-Festival bietet die Möglichkeit, all das wieder auszugraben.
Nichts zu sehen

Andrang um Annette Dabs (c) dman
Annette Dabs, die Festivalleiterin, die in ihrer Eröffnungsrede auf die „Kulturinfarkt“ Diskussion einging und der Kultur ein weiteres Plädoyer hielt, hat als Eröffnungsvorstellung eine Produktion präsentiert, die alles andere ist als massentauglich. Scheinbar. Nichts, sagte sie, werde man sehen. Fast nichts. Die Künstlerin Ivana Müller aus Kroatien kreierte eine Performance, die weltweit für Respekt sorgt: „While we were holding it together“ zeigt fünf Menschen auf der Bühne, die über 60 Minuten unentwegt in einer Haltung verharren und Texte absondern, ein „Tableau vivant“. Es geht um die Kraft der Vorstellung und um Manipulation. Es war ein Akzente setzender Auftakt, der vor großem Publikum stattfinden musste.

Vorfahrt des Starkrokodils bei der Eröffnung (c) dman