Festival: Theater der Welt
- Serie: Theater Wagen
Stühle stapeln sich in der Essener Söllingstraße und ein Schrank, an dem eine Leiter lehnt. Sperrmüll vermutlich. Nicht ganz: In Urbandrifting des österreichischen Künstlers Willi Dorner schieben Menschen ihre Körper durch die Leitersprossen, umarmen Stuhlbeine. Auf den Dächern der umliegenden Häuser erscheinen Tänzer, schmiegen sich an Hausecken, quetschen sich in Baulücken, klammern sich an Fahnenmasten und werden Teil der Stadt.
Willi Dorner ist einer von knapp 400 Künstlern im Theater der Welt vom 30. Juni bis 17. Juli in Mülheim und Essen. Das Festival Theater der Welt präsentiert in seiner 12. Ausgabe ein internationales spartenübergreifendes Programm mit rund 30 Produktionen, die sich an den Schnittstellen von Theater, Tanz, Oper, Musik, bildende Kunst und Performance bewegen. Bespielt werden neben klassischen Theaterräumen, wie das Schauspiel Essen, auch das Parkhaus Grugabad oder die Villa Rauen in Mülheim. Einige Gruppen erarbeiten ihre Produktionen für Theater der Welt vor Ort in Mülheim und Essen, fast die Hälfte der Arbeiten sind Uraufführungen. Insgesamt werden zehn Welt-, sechs Europa- und neun Deutschlandpremieren zu sehen sein.
Vorreiter der deutschen Festivalgeschichte
Theater der Welt ist seit seiner ersten Ausgabe im Jahr 1981 in Köln ein Vorreiter der deutschen Festivalgeschichte: Alle zwei bis drei Jahre wird es von einer anderen deutschen Stadt ausgerichtet – ein reisendes Festival.Seit seiner ersten Ausgabe hat sich Theater der Welt zum bedeutendsten internationalen Festival für darstellende Künste in Deutschland entwickelt. Es hat zahlreichen mittlerweile renommierten Künstlern zum Durchbruch in Europa verholfen und immer wieder den Horizont der deutschen Theaterlandschaft erweitert.
Vorgeschmack: Das Nötige und das Überflüssige
Am 12. März gaben Frie Leysen, Ivan Nagel und Jürgen Flimm im Mülheimer Theater an der Ruhr vor 50 Gästen einen Vorgeschmack auf das Festival. Die drei Festivalmacher kamen dort an einen Tisch zusammen: Frie Leysen, die Programmdirektorin von Theater der Welt, Ivan Nagel, der Gründungsintendant von Theater der Welt in Köln von 1981 und Jürgen Flimm, Intendant und künstlerischer Leiter der Salzburger Festspiele. Sie diskutierten über das Nötige und das Überflüssige, das Theater der Welt, ließen seine Geschichte Revue passieren und gaben einen Ausblick auf die 12. Ausgabe. „Das Festival tut den Städten und den Stadttheatern gut“, hielt Frie Leysen fest, „denn die haben immer die Neigung, zu erstarren. Ein anderer Blick wirkt befruchtend.“Jürgen Flimm ergänzte: „Ein Festival ist eine Sonntagsveranstaltung. Ein Stadttheater hat einfach einen anderen Auftrag, eine andere Reflexionsfläche. Man darf beide Institutionen aber nicht gegeneinander ausspielen. Sie konkurrieren nicht miteinander.“ Und Ivan Nagel äußerte mit dem Festival den Wunsch nach Neuem. Seiner Ansicht nach habe das Theater an Forderung verloren. Mit Programmdirektorin Frie Leysen aber gebe es einen positiven Ausblick waren sich alle sicher.
Künstler aus allen Teilen der Welt werden in Mülheim und Essen erwartet: aus Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika und Ozeanien, die vor unterschiedlichste Hintergründen leben in Megacities, in Schwellenländern, in Naturparadiesen und Krisenregionen. Sie arbeiten allein oder im Kollektiv, als Regisseure, Choreographen, Darsteller, Tänzer oder Musiker. Einige sind bekannte Größen, andere treten zum ersten Mal in Europa auf.
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