
F19 in Essen-Rüttenscheid - Kultur und Begegnung
- Serie: Kunst
So mannigfaltig wie möglich. So soll das Programm des 2010 eröffneten F19 arts+events sein. F19 steht für die Essener Friederikenstraße 19. Hier bieten Harald Korff und Peter Keup unter dem Stichwort „arts + events“ regelmäßig Veranstaltungen und Begegnungen an – ob in Ausstellungen, bei Filmabenden, Kammerkonzerten, Tanz, Performances, in Tango-Workshops oder Gesprächskreisen.
Hier wollen der Kommunikationsfachmann und Tanzlehrer eine Verbindung herstellen – zur Nachbarschaft, zu kulturinteressierten und offenen Menschen in Stadt und Region. „Wir wollen einen offenen kulturellen Ort zur Verfügung stellen und eine ganze Bandbreite von Angeboten machen. Und das in einem kleinen persönlichen Rahmen“, sagt Harald Korff. „Vor allem der persönliche Kontakt zu unseren Besuchern ist uns wichtig.“
Die Idee zum F19 entstand aus der eigenen längjährigen Erfahrung mit und in der Kulturszene des Ruhrgebiets. „Wir nehmen selbst ganz viel wahr, was uns hier an Kultur geboten wird. Deshalb wollten wir etwas zurückgeben, auch selbst etwas tun, einen nachhaltigen Ort für aktive Kulturhauptstädter schaffen, in dem unterschiedlichen Künsten ein Forum bereitet wird. Diese Kombination gab und gibt es im Essener Stadtteil Rüttenscheid und im Umkreis nämlich so nicht. Deshalb stellten wir uns die Frage: Was können und wollen wir eigentlich?“

Harald Korff hat als Berater, Supervisor DGSv und Coach nicht nur Erfahrung im Kulturmarketing, sondern auch darin, Menschen zusammen zu bringen und zu beraten. Im F19 befindet sich auch seine Supervisions- und Coachingpraxis, in der er Beratungen, Trainings und Workshops durchführt sowie in Einzel- und Gruppensitzungen regelmäßig mit Menschen arbeitet. Seinen Hauptberuf übt er allerdings als Lehrer für Wirtschaft und Gesellschaftslehre an einem am Rheinisch-Westfälischen-Berufskolleg für Hören und Kommunikation aus. „Ich wollte immer beide Teile weiterführen: Beratung und Kommunikation zugleich – und das verbunden mit Kunst und Kultur im weitesten Sinne.“
Zwischen Sonnenuntergang und Nachtdunkel – die Blaue Stunde
Das tut er jetzt auch zum Beispiel mit seinem Kompagnon Peter Keup an jedem zweiten Freitag. Zur Blauen Stunde. Dann laden sie Menschen ein, um über Kunst und Kultur zu sprechen – ähnlich eines philosophischen Salons. Ein Kulturplausch in Lounge-Atmosphäre mit Tango-Musik. Den Impuls geben Harald Korff und Peter Keup. Was die Menschen daraus machen, bleibt ihnen überlassen. „Einige nehmen den Impuls auf, andere führen die Gespräche woanders hin und kommen auf andere Ideen. Aber alles, was die Menschen für wesentlich und wichtig erachten, kann thematisiert werden“, erklärt Harald Korff. „Alles zwischen Himmel und Erde. Die Blaue Stunde soll ein offener Austausch sein, ein Dialog im Rahmen von Kultur und Wahrnehmung der Welt.“
Ein persönliches Stück deutscher Geschichte
Neben der Blauen Stunde bietet das F19 auch Filmabende an. 22 Gäste finden für eine Präsentation Platz in den Räumlichkeiten. Gezeigt wird zum Beispiel ein ganz persönliches Stück deutscher Geschichte über Peter Keup. In der 45-minütigen Dokumentation 10 Monate – ich wollte weg der Filmemacherin und Schauspielerin Klara Höfels erzählt der Tanzlehrer die Geschichte seiner missglückten Flucht aus der DDR und seinen Aufenthalt im Stasi-Gefängnis in Dresden. 1982 wurde er von der BRD freigekauft.
Der nächste Aufführungstermin des Dokumentarfilms in Anwesenheit der Filmmacherin und mit anschließender Diskussion findet am 8. November 2011 um 20 Uhr statt. Zudem wird die mit nigerianischen Wurzeln in London geborene Künstlerin Enoh Lienemann ihr Ausstellungsprojekt 2012 im F19 zum Thema Flucht und Wanderungsbewegungen zwischen den Welten vorstellen. Am Tag des Mauerfalls am 9. November 2011 wird der Dokumentarfilm über Peter Keup in Begleitung von Dr. Frank Hoffmann (Ruhr-Universität Bochum) auch in der VHS Dinslaken gezeigt.
„Wir wollen 20 Jahre nach dem Mauerfall Diskussionen darüber anregen, dass die Maueröffnung für mich und viele andere im ersten Moment gar kein Freudenereignis war“, so Peter Keup, „sondern in mir ein Gefühl einer Katastrophe aufkam. Plötzlich soll man mit diesen Menschen, die diese Verbrechen begangen haben, wieder in einem gemeinsamen Land zusammen leben. Als ich frei gekauft wurde, war ich sicher von diesen Menschen getrennt und plötzlich sollten sie wieder meine Mitbürger sein.“
Über seine Geschichte berichtet Peter in Schulen und anderen Einrichtungen als Zeitzeuge im Rahmen der Zeitzeugenbörse der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und des gemeinsamen Zeitzeugenprogramms der Bundesstiftung Aufarbeitung mit der Gemeinschaft ehemaliger Politischer Häftlinge VOS und der Ruhr-Universität Bochum.
„Unser Angebot ist wie ein Mosaik.“
Gemäß der Philosophie des F19, sich nicht auf ein Genre, einen Bereich, festlegen zu wollen, bieten Harald Korff und Peter Keup freitags auch Tango Argentino-Workshops an, während im Hintergrund eine Ausstellung präsentiert wird. Oder sie laden auch schon mal zur Morgenmeditation mit einem buddhistischen Mönch ein. Harald Korff: „Unser Angebot ist wie ein Mosaik. Ein Farbtupfer in der Kulturlandschaft.“
Die nächste Blaue Stunde findet am Freitag, 12. August 2011 von 21.30 bis 22.30 Uhr statt und im September 2011 die nächste Ausstellung mit der Künstlerin Nati Johnen im Rahmen der Kunstspur Essen.Offene Ateliers, bei der Künstler ihre Ateliers im gesamten Essener Stadtgebiet öffnen. Für den Dezember bereitet das F19 eine Comic-Ausstellung des Cartoonisten Dirk Pietrzak vor. Weitere Informationen und aktuelle Hinweise finden sich auf: www.F19essen.de.
Im F19 präsentiert sich ein breites Potpourri an kultureller Lebendigkeit, scheinbar wild zusammen gewürfelt, für unterschiedlichste Vorlieben und Interessen. Aber vielleicht finden genau deshalb Besucher im F19 neue Impulse und Anregungen, um ihren Horizont zu erweitern.
Fotos: Sandra Anni Lang
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