„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und leer und es war finster.“ Dann brauchte er sieben Tage, um alles zu vollenden: „So wurden Himmel und Erde vollendet mit allem, was darauf lebt. Und Gott vollendete sein Werk am siebten Tag und ruhte aus. Gott segnete den siebten Tag und machte ihn heilig, weil er selbst am siebten Tag ruhte.“
Die Extraschicht macht alles an einem Tag, schafft Wasser und Feuer und Licht und Geräusch, Geschmack und Getier, lässt alles in Faultürmen und Hochöfen, in Erdlöchern und Halden, in Bussen und Bahnen miteinander feiern.

Faultuerme in Dortmund (c) dman
Wie jedes Jahr, lädt auch 2012 die Extraschicht zur Extraschicht, dieses Mal mit noch mehr und viel mehr. Man kann sich an der kompletten Emscher entlang riechen oder sich von Theatern an der Nase herumführen lassen. Die Familien inspizieren ihre Rucksäcke, sehen zu, dass sich die Thermosflaschen in gebrauchsfähigem Zustand befinden und hängen die Sitzfolien in den Wind, damit alles für den großen Tagesausflug bereit ist. Zum zwölften Mal sucht sich der hiesige, ortskundige Freund ehemaliger Industrien seine diesjährige Route aus, lässt sich der auswärtige Besucher in den Rausch fallen und verbringt mehr Zeit in Bussen und Straßenbahnen als je zuvor in seinem Leben.
Heimatkunde
„Letztes Jahr waren wir in der Henrichshütte und am Schiffshebewerk. Dieses Mal nehmen wir die 
Extratanz zur Extraschicht 2011 (c) dman
Shuttle-Schiffe im Duisburger Innenhafen.“ Gelebte Heimatkunde im kollektiven Identitätsstrudel. Man nimmt mit, was man mitnehmen kann. Wir werfen dort einen Blick rein und hier beißen wir in eine Bratwurst. Weiter, weiter, der Tag hat nur 24 Stunden. Und nicht vergessen: Irgendwo auf einer Wiese muss der mitgebrachte Kartoffelsalat zum Picknick ausgerollt werden. Alles, was man verpasst hat, kann man ja am folgenden Tag in einer 30-minütigen Zusammenfassung im WDR sehen. „Wir im Revier“ – man glaubt ja nicht, was es hier alles gibt! Ist an manchen Orten ein wenig überfüllt, aber man kann nicht alles haben und dass ich meinen linken Schuh irgendwo auf dem Weg von Dortmund nach Essen verloren habe, tut dem Abenteuer Extraschicht keinen Abbruch. Heimat – wenn Du rufst, werde ich kommen und Dich erkunden!
Ausweitung der Kampfzone
Alles fing damit an, dass man die Stätten der ehemaligen Industrie kompakt präsentieren wollte. Gute Idee und sicher – wenn es denn jemand in die Hand nehmen würde – weltweit vermarktbar. „So viel 
Extrabus (c) dman
Programm in einer Nacht!“ Da kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Feuerwerke allüberall, Illuminationen und Animationen, Gaukler und Jongleure, Dichter und Festspiele. Die Ruhrgebietswelt ist ein Überraschungs-Ei. 2010 fand die Nacht der Industriekultur im Metropolenwahn auch im Fußballstadion statt. Warum nicht – hat auch mit harter Arbeit zu tun. Der Signal-Iduna Park öffnete seine Pforten auch für Fußballbanausen, wo sonst nur die Kulturbanausen hingehen. Auch dieses Jahr gibt es wieder neue Spielorte. So wird die Universität zu Bochum dazu stoßen, die leider nicht den Exzellenz-Status in der deutschen Unilandschaft erhalten hat. Dafür gibt es eine Lichtkunstinstallation, flüchtig wie ein Gedanke, vergänglich wie eine Idee. Und natürlich die Emscher, die seit ein paar Jahren zu einem Weltmeer aufgepuscht wird.
Ich werde mich zur Kläranlage Dortmund-Deusen aufmachen, wo natürlich eine multimediale Großprojektion stattfindet. Die RaumZeitPiraten und Shiny Toys werfen Bilder auf die 40 Meter hohen Faultürme! Dann werde ich mich nach Oberhausen durchschlagen zur begehbaren Brückenskulptur „Slinky Springs to Fame“. Das Ensemble des Oberhausener Theaters singt dazu Seemannslieder und zeigt das Stück „Der kleine Wassermann“. Anschließend werfe ich mich in die Kläranlage und lasse mich interdisziplinär durch schleudern.