Evangelisch 2010-Augsburger Friedensfest in Essen-Koordinator Willi Overbeck im Interview
- Serie: Kunst
Was verbindet die beiden Städte Augsburg und Essen?
Augsburg hat sich genau wie Essen um den Kulturhauptstadttitel beworben.
Beide Städte haben sehr viel Arbeit in die Bewerbung gesteckt. Auch wenn Essen letzten Endes überzeugt hat, ist so eine Verbindung entstanden.
Wie kam es zu der bestehenden Kooperation?
Vor einigen Monaten rief eine Augsburger Kulturbeauftragte im evangelischen Kulturbüro in Essen an. Die Region wolle das alljährliche Friedensfest ins Ruhrgebiet tragen. Als Geschenk an Ruhr.2010. Also entschieden wir uns alle gemeinsam für eine Parallelveranstaltung in Altenessen. Dieser Stadtteil hat viel Erfahrung mit interreligiöser Arbeit und kann daher die zentralen Themen des Friedensfestes aufgreifen.
Das Friedensfestival ist ein Partnerprojekt von Ruhr.2010. Welche Vorteile gewinnt unsere Metropole durch die Zusammenarbeit?
Die Stadt Augsburg schenkt uns in Form dieses Festes ein ganz besonderes Musikensemble das aus vielen international bekannten Jazzmusikern besteht.
Wird eine „ Brücke“ zwischen der Friedensstadt und der Ruhrmetropole entstehen können?
Seit dem 2. Weltkrieg feiern die evangelische und die katholisch Kirche in Augsburg dieses Fest. Seid nun etwa 7 Jahren nehmen auch die andern Religionen wie der Islam, das Judentum oder der Buddhismus daran teil. Dieser Impuls wird nun in die Kulturhaustadt entsendet. So wird nicht nur eine Brücke zwischen den Städten entstehen sondern auch zwischen den verschiedenen Konfessionen innerhalb unserer Region.
Im Zuge der Love Parade in Duisburg ist das Projekt Ruhr.2010 ein wenig in den Schatten gerückt. Werden seitdem den Augsburger Frieden feiern können?
In der Tat wirft das schreckliche Ereignis in Duisburg einen Schatten auf das Ruhrgebiet. Das Leben geht weiter, dennoch habe ich mir vorgenommen beim Friedenfest einen Moment der Stille zu suchen um den vielen Opfern dieses Unglücks zu gedenken. Trotz dieser Vorfälle müssen wir immer noch in der Lage sein den Auftrag von einem friedlichen Miteinander zu leben, was wir eigentlich immer getan haben.
Was macht die Alte Kirche in Altenessen zum idealen Veranstaltungsort?
Die Kirche und ihre Gemeinde sind mit interreligiösen Gottesdiensten vertraut und daher ein idealer Ort für dieses Kulturevent.
Welche Impulse des Augsburger Festes werden in den hier stattfindenden Gottesdienst einfließen?
Ein Augsburger Pfarrer wird den Gottesdienst mitgestalten, doch den eigentlichen Impuls setzt eine andere Person. Helmut Hartmann, Preisträger des Augsburger Friedenspreises wird über die Geschichte seiner Stadt reden und über interreligiösen Dialog sprechen. Damit wird er die wesentlichen Themen des Festivals in den Gottesdienst einbringen.
Hat die Gesellschaft im Ruhrgebiet den Sinn von interreligiösem Zusammenleben verstanden?
Eigentlich ja, viele Menschen bemühen sich um die Integration von Migranten und damit um eine gemeinsame und friedliche Zukunft. Ob Kulturdezernent, Politiker oder Lehrer jeder trägt einen Teil dazu bei und versucht die Gesellschaft in die richtige Richtung zu lenken. Grade der Kirchenkreis trägt einen großen Teil dazu bei
Was wünschen sie sich für die Zukunft Augsburgs und die der Kulturhauptstadt?
Da Augsburg und Essen trotz ihres Größenunterschiedes ähnliche soziale Probleme haben, wünsche ich beiden Städten ein friedvolles Vorangehen und den gesellschaftlichen Ausbau bestehender Toleranz.
Interview führte:
Weena Schwamborn
Foto: Volker Mendorf
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