
Essen Schützenbahn: Art meets Art
Jan Schoch ist der Creative Director von 80 Metern Essener Backsteinmauer
- Serie: CREATIVE QUARTERS RUHR
Zusammen mit seinem Kollegen Tim Schild teilt sich Jan Schoch seit einigen Wochen ein Atelier in der Schützenbahn 21. Für ihn bietet das Pilotprojekt in Essen Nord nicht nur günstigen Freiraum, sondern dient auch als Kommandozentrale eines speziellen Projektes: die Gestaltung der Mauer an der Gladbacher Straße in Essen.

Und wen sollte man fragen, wenn nicht Jan und Tim von Farbwandel?
Die beiden erkannten mit ihrem Start-Up Farbwandel ein dringendes Problem der Innenstädte:
Wenn die heruntergekommenen Essener Fassaden nach etwas schreien, dann ist es Verschönerung. Wo immer die harsche Sparpolitik der 50er Jahre architektonisch zugeschlagen hat, herrschen heute vor allem triste Grautöne.
Die beiden Jungs haben nach langer Graffitikarriere beschlossen, diesem traurigen Missstand ein Schnippchen zu schlagen.
Vor allem neu, vor allem bunt
Die Beiden arbeiten für die Stadt Essen und all diejenigen Firmen, die zwar günstigen Arbeitsraum mieten wollen, aber die grau-in-grauen Außenwände nicht mehr sehen können. Sie gestalten U-Bahnhöfe und Fassaden mit Malereien und Firmenlogos, vor allem neu, vor allem bunt.
Ihr eigenes Logo zeigt ein Chamäleon und Jan hat nur einen Wunsch, wo er gerne einmal mit Farbeimer und Pinsel Hand anlegen möchte: "Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre es ein richtig altes Giebelwerk neu gestalten zu dürfen!"
Gemeinsam wird gekritzelt, entworfen und schließlich der Tristesse zu Leibe gerückt. Wie zum Beispiel für die Stiftung Zollverein (siehe Titelbild).
Ziel: Gladbacher Straße
Neben dem Geschäftlichen, der Musik und dem kleinen Sohn beschäftigt Jan im Moment ein neues Projekt: die 80 Meter lange Mauer an der Gladbacher Straße in Essen.
Nach einigen langwierigen Telefonaten hat er der Stadt die Erlaubnis abgeschwatzt, die Wand nach eigenem Gusto zu gestalten.
Am Freitag, 11.5. traf er sich zum ersten Mal mit seinen Mitstreitern, schließlich soll die Mauer kein Jahrzehnte dauerndes Lebensprojekt sein, sondern ein Gemeinschaftswerk.
Zusammen wollen die zehn Maler, Graffitikünstler und Designer ein Zeichen setzen: ein kreatives Sich-Auflehnen gegen die Düsternis des städtischen Alltags.
Genau das ist auch das Hauptthema der Entwürfe. Spiralen aus Menschen und Städten; Gebäude, die sich in einander verlieren.
So schwer es ist, sich auf die Frage nach Putz oder Art der Farbe zu einigen, umso schwieriger wird es, sich zu zehnt darauf zu verständigen, wie man 80 Meter Wand stilistisch passend zusammen gestaltet.
Schon jetzt ist allen klar, dass die Mauer fair nach Art und Platzbedarf der jeweiligen Idee aufgeteilt wird, so dass sich am Ende neun bis zehn einzelne Bilder ineinander verschränkt haben werden.
"Wir wollen hier etwas dazu beitragen, damit dieses ewige Gemecker aufhört. Hier gibt es so viel zu sehen und trotzdem ziehen die Leute weg und weg und weg. Ich glaube, so eine Stadt muss sich auch ein bisschen selbst verschönern", sagt Javan van Zandt, einer der Beteiligten.
Eine Flut von Bildern
Der Name "Art meets Art" wird in Zukunft die Autofahrer und Fußgänger Richtung Essener Universität begleiten, durch eine Flut von Bildern, Skizzen, Gesichtern und Typos, die sich auf 80 Metern Freiraum tummeln.
Au revoir tristesse!
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