Es bewegt sich was

Von Daniel Bickermann. Zypern ist ein Land der Verwirrungen. Die drittgrößte Insel des Mittelmeers gehört geographisch gesehen zu Asien, politisch jedoch zu Europa. Und die andauernde Teilung zwischen türkischem und griechischem Teil ist inzwischen so komplex, dass niemand sie zu lösen vermag: Ein griechisch-nationaler Putsch mitsamt ethnischen Säuberungen gegen die türkische Minderheit der Insel löste wiederum eine türkische Teilinvasion aus, die das Land seitdem in einem stabilen Patt hält. Selbst die Europäische Union macht einen Bogen um das Thema: Man nahm das gesamte Land auf, de facto trat der Norden aber nie in die EU ein. Erschwerend kommen die zwei Nationalsprachen Griechisch und Türkisch hinzu, wobei Englisch immerhin als Verkehrssprache sehr verbreitet ist. Kurz: Das Land mit seiner knapp einen Million Einwohner kommt einfach nicht zur Ruhe. Und das sind nicht gerade gute Voraussetzungen für eine blühende Filmindustrie.

Kurze Filmtradition

Zudem ist Zypern kein traditionelles Filmland: Der erste rein zyprisch produzierte Film wird auf das Jahr 1962 datiert, seitdem folgt ein Langspielfilm nur etwa alle drei oder vier Jahre. Kulturausgaben werden eher in archäologische Museen, ins Theater und andere touristisch wertschöpfende Projekte umgeleitet. Ein Filmfördergesetz mit staatlichen Subventionen zumindest im Sinne von Steuerabschreibungen, wie es in den meisten europäischen Staaten inzwischen eines gibt, existiert auf Zypern nicht. Wie so viele kleinere Filmländer versucht auch Zypern statt dessen, an der Filmindustrie vor allem in Form von Koproduktionen und als landschaftlich möglichst reizvolle Location für ausländische Big-Budget-Produktionen zu verdienen: Solche Location Shoots bieten zwar keine Dividenden, aber doch wenigstens einige Divisen und einen erhöhten Tourismusfaktor. Zypern kann in dieser Hinsicht vor allem auf Otto Premingers EXODUS verweisen, der mit Paul Newman in der Hauptrolle größtenteils in der zyprischen Stadt Famagusta gedreht wurde.

Ein Zyprer bei den Oscars

Die eigene Filmwirtschaft, auch das ist nicht ungewöhnlich für ein Land dieser Bevölkerungsgröße, spezialisierte sich jahrzehntelang hauptsächlich auf Dokumentationen, die von den örtlichen Fernsehsendern finanziert und produziert wurden. Zyprische Spielfilmer aus beiden Landesteilen, wie Michael Papas, Derviş Zaim oder Aliki Danezi-Knutsen, sind früh ins Ausland gegangen, um ihre Werke zu finanzieren. Der bedeutendste unter ihnen ist natürlich immer noch der in Limassol geborene Michael Cacoyannis, der nach einer turbulenten Radio- und Bühnenkarriere erst mit Theateradaptionen wie ELEKTRA, IPHIGENIE (mit Katherine Hepburn und Vanessa Redgrave) oder DER KIRSCHGARTEN (mit Charlotte Rampling) Preise in Cannes gewann, dann den bedeutenden Dokumentarfilm ATTILA 74 über die türkische Invasion drehte und schließlich für den legendären ALEXIS SORBAS auch zu den Oscars durfte.

Griechische Kopien, zyprische Festivals

Jahrzehntelang schon gibt es für zyprische Filmemacher mangels nationaler Verleihe keine Möglichkeit, die eigenen Filme zu vermarkten, da in den Kinos ausschließlich Filmkopien aus dem griechischen Festland nachgespielt werden. Zudem gelten die Zyprer selbst bei den eigenen Filmchronisten als eher konservatives und nicht gerade cineastisch eingestelltes Volk. Seit einigen Jahren aber erwacht dank der Ausbildung kleinerer Filmclubs und dank der digitalen Revolution auch in Zypern der Geist einer neuen Filmemachergeneration. Zwei Filmfestivals, beide in Nikosia und beide noch keine zehn Jahre alt, haben sich ausgebildet: die Zyprischen Filmtage im Frühling sowie das Internationale Zyprische Filmfestival im Herbst, die beide jeweils ein gutes Dutzend Filme sowie zahlreiche heimische Kurzfilme im Programm haben. Neben diesen beiden etablieren sich gerade auch ein zweijährig stattfindendes Kurz- und Dokumentarfilmfestival sowie ein Kinderfilmfestival. Es tut sich also was in Zypern.

Ein eigenes Filmstudio

2008 wurden dann sogar Pläne für ein eigenes Filmstudio auf der Insel beschlossen. Bisher war das Mediterranean Film Studio im benachbarten Malta die nächste Anlaufstelle für Filmproduktionen, die neben den zyprischen Berg-, Meer- und Stadtschauplätzen auch auf eigene Bauten zurückgreifen wollten. Doch bevor sich auf der sonnigen Mittelmeerinsel große Filmträume verwirklichen werden, muss das wirtschaftlich sehr eng mit Griechenland verknüpfte Land wohl erst mal glimpflich aus der Wirtschaftskrise herauskommen.

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Mi, 21.07.2010 0

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29.01.2010

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