Ertüchtigung kleiner Stationen

Tagebuch ab 1. Juli 2010

Keine Halbzeitpause zur Halbzeit, sondern „weiter machen“, „weiter nach vorne spielen“, wie Olli Kahn sagen würde. Hangingaround findet statt und Asli Sivindim ist da und eines der „lässigsten Kulturhauptstadtprojekte“. Bei 28 Grad Außentemperatur unter Scheinwerfern spricht auch der Dortmunder Kulturdezernent Jörg Stüdemann und sagt, dass Rolf Dennemann nicht darüber nachdächte, der neue Superdezernent des RVR zu werden. Richtig. Er steht nur für den Posten eines milden, aber entrückten Königs zur Verfügung.

Rock am Ding

Heute liegt „unsere Halle“ allen zu Füßen, die sich dorthin bewegen. Yoyo Röhm und seine Band kommen eigens aus Berlin mit den wunderbaren Vokalisten Martin Dean und Nadine Purrmann. „Knife in my head“ heißt der Song, der in vier Variationen gespielt wird: Hardrock, Dub-Reggae, Pop, Electric. Es kommt überschaubar viel Publikum. Der Sound ist fetz, die Post geht ab. Leider gibt es diese Musik nicht auf Tonträgern. Es ist also eine Premiere und diese auch noch flüchtig. Mein Gott! Wer diesen Abend alles verpasst! Hunderttausende hätten ihr Entzücken daran. Aber sie wissen es nicht. Es gibt Publikum, dieses weiß aber nicht, dass es genau dies ist. Ihr da draußen, Ihr habt etwas verpasst, was Euch zumindest eine Erinnerung eingebrannt hätte.

Großes Gebläse

Dann wird geblasen – eine ungeheure Blaserei um das Thema „Wer nur den lieben langen Tag“, geleitet von Richard Ortmann, der schon auf dem Phoenix-West Gelände geblasen hat, als dort noch gearbeitet wurde…eh hart und so richtig gearbeitet wurde, also schmutzig und laut. Und so ist diese kontrollierte Improvisation. Sensationell und spielbar für Stunden, bis das Gelände sich in seinen ursprünglichen Zustand post-prä-industriell zurückverwandeln täte. Einmarsch des Publikums in die Halle. Dort ein Jugend-Posaunenchor in kirchlichem Ton, sich widmend demselben Liedgut.

Mundgeblasen

Es gibt in Dortmund das Hansmann-Haus, eine Art Treffpunkt für Senioren aller Art. Dort erwuchs das Mundharmonika-Orchester unter Gerhard Smarra. Diese Truppe älterer Damen und Herren sind immer wieder an Performances von artscenico beteiligt, ob auf dem Friedhof, im Zoo oder auf sonstigem abwegigem Gelände. Heute spielen sie in der Halle der Erleuchtung und sorgen für Rührung und Respekt.

Neustart

Alle wollen immer neustarten, auch mein Rechner, Angela und die Boys, Wulffman und überhaupt sind die Anfänge heute keine wirklichen Anfänge, eher Vorpremieren oder Pre-Shows, bevor es richtig los geht. Halbzeit um für Ruhr.2010 – zweiter Teil geht los, für mich auch ein Neustart. Es kehrt ein wenig Ruhe ein zwischen den Projekten. Ich kann wieder Reisetätigkeiten aufnehmen.

Still-Demenz und Ertüchtigung

Hab was Neues gelernt: „Während der Schwangerschaft und nach der Geburt des Kindes leiden viele Mütter unter Einschränkungen des Gedächtnisses sowie verminderter Konzentrationsfähigkeit. Das Phänomen der verstärkten Vergesslichkeit bei Müttern ist bislang nur wenig erforscht.“ Am Abend reden wir beim Griechen über Stilldemenz. Das erklärt so einiges. Eine weitere sprachliche Herausforderung bietet die Deutsche Bahn. Das „Sonderprogramm Personenbahnhöfe“ – so steht es auf diesen großen Bauplakaten, in diesem Fall on Bad Münstereifel – sorgt für „Ertüchtigung kleiner Stationen“. Das kann man als Thema in einer sich zusehend langweilenden Gesellschaft gut einbringen. Das spritzt.

Hot town – summer in the city.

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Fr, 02.07.2010 0

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03.03.2010

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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