Ausstellungsleiterin Dr. Simone Timmerhaus. © Sandra Anni Lang

„Emscherkunst.2010 hat den Menschen ein Gefühl von Heimat vermittelt“

Ausstellungsleiterin Dr. Simone Timmerhaus lässt die Emscherkunst 2010 im Interview Revue passieren

Mehr als 200.000 Besucher haben im Sommer 2010 die Kunstausstellung Emscherkunst besucht – das größte Kunstprojekt im öffentlichen Raum während der Kulturhauptstadt Europas. An 100 Ausstellungstagen konnten 20 Werke unterschiedlichster Art von 40 Künstlern besichtigt werden – in acht Ausstellungsräumen auf der Emscherinsel in Schleusen, ehemaligen Industrieanlagen oder urbanen Brachflächen.


Die Ausstellung begleitet im nördlichen Ruhrgebiet bis 2020 den Umbau der Emscher hin zu einem natürlichen Flusslauf. Erstmalig begleitet Kunst in dieser Form dauerhaft ein großes Infrastruktur-Projekt.
International renommierte Künstler wie Rita McBride, Jeppe Hein oder Tadashi Kawamata haben sich ebenso wie Studenten der Kunstakademie Münster intensiv mit den Standorten und der Region auseinander gesetzt.

 

Was zeichnet die Emscherkunst aus?
Die Emscherkunst ist keine Ausstellung im engeren Sinne, sondern eine Zukunftswerkstatt, die sich mit der Zukunft der Region auseinandersetzt und die den Strukturwandel und den Emscherumbau künstlerisch begleitet. Dabei präsentieren wir ein breites Spektrum an Kunst quer Beet – Installationen, Skulpturen, Filminstallationen, Fotoarbeiten, Umnutzungen.
 

Welche herausragenden Kunstwerke wurden ausgestellt?
Jedes Werk hatte seinen ganz eigenen Charme. Es war die Vielfalt, die die Emscherkunst ausgemacht hat. Doch das prominenteste und bekannteste Bauwerk ist sicher die Brückenskulptur von Tobias Rehberger Slinky springs to fame, eine einmalige Brückenkonstruktion als Fußgänger- und Fahrradbrücke am Schloss Oberhausen, die über den Rhein-Herne-Kanal führt. Erwähnenswert sind auch Tadashi Kawamatas Aussichtsturm Walkway and Tower in Castrop-Rauxel und die so genannte Käsestange reemrenreh (kaum Gesang) und Leben von Bogomir Ecker und Bülent Kullukcu im Herner Meer.

Wie haben die Menschen auf die Emscherkunst reagiert?
Insgesamt war es sehr spannend und faszinierend zu sehen, wie die Emscherkunst von den Menschen angenommen wurde. Viele Besucher waren ehrlich überrascht: Sie hätten nicht vermutet, dass es hier so viel Neues zu entdecken gibt.
In dieser Hinsicht, war die überdachte Brücke Warten auf den Fluss der Künstlergruppe Observatorium aus Rotterdam sicher ein Highlight. Besucher konnten nämlich in der öffentlichen Skulptur übernachten und wurden dadurch selbst Teil des Kunstwerks. Sie haben sich im Kunstwerk richtig wohl gefühlt. Jede Nacht war ausgebucht. Neben internationalen Gästen besuchten auch die Anwohner die Emscherkunst, die sie sehr gern für einen Kurzurlaub nutzten.

Welches Resümee ziehen Sie aus der vergangenen Emscherkunst?
Für uns bei der Emschergenossenschaft war die Emscherkunst etwas Neues, ein Experiment. Aber wir wussten, wir wollten etwas schaffen, das sehr nah an den Menschen der Region ist. Daher sollten auch die Kunstwerke keine Hochkultur abbilden. Überraschend war dann trotzdem, wie gut die Emscherkunst angekommen ist, ja sogar den Menschen ein Gefühl von Heimat vermittelt hat.

Observatorium "Warten auf den Fluss". © Billie Erlenkamp/Emscherkunst.2010
Observatorium "Warten auf den Fluss". © Billie Erlenkamp/Emscherkunst.2010
Wie nachhaltig wirkt die Emscherkunst heute?
Wir haben den Menschen einen anderen Blick auf die Landschaft eröffnet. Wir haben den Umbau des Emschersystems transparenter gemacht. Wir haben Orte und Ausflugsziele geschaffen: So ist zum Beispiel aus dem Projekt Theater der Pflanzen von Piet Oudolf und GROSS.MAX auf dem Gelände der ehemaligen Kläranlage Bottrop Bernepark ein Bürgerpark entstanden, der nicht nur für Kulturveranstaltungen genutzt wird. Zusätzlich ist im Maschinenhaus ein Restaurant und in umfunktionierten, standardisierten Kanalrohren ein Parkhotel entstanden. Sicher eine der ausgefallensten Übernachtungsmöglichkeiten in der Region.
Die Emscherkunst ist bei den Menschen angekommen und hat sie begeistert. Wir haben erkannt, dass die Menschen Durst nach neuen Erfahrungen in Kunst und Kultur haben. Deshalb machen wir 2013 weiter.

Do, 31.05.2012 0

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04.12.2009

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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