
Empfang der RuhrKunstMuseen: Die Buntstift-Debatte und ein Großprojekt auf Halde
- Serie: Ökonomie
Mülheims Bürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld gibt in ihrer Begrüßungsrede beim Empfang der RuhrKunstMuseen in der Alten Post die Richtung des Projekts und der Gesprächsrunde am Abend vor. „Es gilt für uns jetzt die Marke RuhrKunstMuseen dauerhaft auf dem kulturtouristischen Markt zu etablieren und damit die Anziehungskraft der Region insgesamt und der beteiligten Städte und Gemeinden zu steigern.“
Die Zusammenarbeit der 20 Kunstmuseen im Revier hat auch nach dem Ende des Kulturhauptstadtjahres weiter Bestand. Eine Anschlussfinanzierung durch Fördergelder des Landes NRW für die RKM und die Ruhr Tourismus GmbH (RTG) ist bis 2013 gesichert.
Schließlich geht es um die viel zitierte und oft bemühte Nachhaltigkeit, in deren Sinne Nicolaus Schaffhausen, Direktor des Witte de With-Museums in Rotterdam, sogleich ein mahnendes Beispiel aus dem Nachbarland mitgebracht hat. „Vier Jahre danach war das Kulturhauptstadtjahr (2001) in Rotterdam vollkommen aus dem Bewusstsein der Bevölkerung verschwunden.“ Nur gut, dass es im Pott immer noch ein paar Milliönchen zu investieren gibt. Doch von wem und wofür?
Lieber in Strukturentwicklung als in Projekte investieren
Als Geschäftsführer der RUHR.2010 denkt Oliver Scheytt (links) da automatisch aus der Metropolenperspektive: „Deshalb plädiere ich dafür, die 4,8 Millionen nicht in Projekte zu denken, das passiert nämlich leider im Moment, sondern in Strukturentwicklung.“ Scheytt wirbt für gemeinsame Fortbildungen, den Einkauf von Stiften (Selbsterkenntnis: „Das ist jetzt ein lächerliches Beispiel“), die Entwicklung gemeinsamer Programme und vor allem für die RTG, denn diese repräsentiere schließlich mit ihren 25 Mitarbeitern anders als die einzelnen Städte mit ihren jeweils hundert für Tourismus zuständigen Beschäftigten eine ganze Region.
Bochums Kulturdezernent Michael Townsend reagiert auf diese Rechnung skeptisch und gibt mit wohl gewählten Worten Contra: „Meine Lebenserfahrung sagt mir ehrlich gesagt etwas anderes. Wer jeweils eine zentralistische Vergabestruktur erlebt hat, der weiß, dass man besser nebenan in den REWE-Laden geht und dort seine Buntstifte kauft.“
Exzellenzmarketing der Region
In einem anderen Punkt sind sich Metropolist und Lokalist immerhin einig. Townsend: „Durch ein Exzellenzmarketing der Region wird viel erreicht. Man muss wirklich auch die viel beschimpften Leuchttürme in der Region, im Theater- und im Kunstbereich, im Musikbereich, international kommunizieren.“
Diesbezüglich haben Genosse Scheytt und seine RTG auch schon eine neue Idee in der Planung. Vor der Extraschicht am 9. Juli sollen die Halden der Region in einem Gemeinschaftsprojekt vereint werden. „Wir brauchen immer so ein größeres Ereignis, um uns wieder im Gespräch zu halten. Das ersetzt aber keinesfalls dieses permanente Produzieren und Machen und Tun der Kultureinrichtungen.“
Menschen aus anderen Regionen ins Ruhrgebiet holen
Apropos Kultureinrichtungen: Künstler Jochen Gerz hadert (vor dem Hintergrund seines 2-3 Straßen-Projekts auch nicht anders zu erwarten) mal wieder damit, dass Kunst & Kreativität stets im Kontext von derlei klassischen Räumlichkeiten gedacht würden. Seines Erachtens müsse die Bevölkerung mehr eingebunden und vor allem Menschen aus anderen Regionen ins Ruhrgebiet geholt werden:
„Wir suchen neue Eliten und die müssen quer durch die Gesellschaft durchgehen. Vitalität in der Gesellschaft ist einfach sehr stark bei den Zugereisten, unter denen, die sich bewegen, bei den nomadischen. Und die ist weniger stark bei denen, die Stadthalter sind von unserem Erbe. Wenn wir nicht die neuen Leute vollkommen neu motivieren, einbinden, beauftragen, dann ist diese Stadt ziemlich alt und am Ableben.“
Klingt jetzt nicht ganz so optimistisch, wenngleich sich abschließend festhalten lässt, dass zumindest in Mülheim an diesem Abend einige junge und noch frische Kunsthistoriker gesichtet werden, die zwar das mitunter zähe einstündige Gerede auf der Bühne zum Gähnen bringt, aber im Anschluss Weißwein satt und das üppige und wirklich leckere Buffet milde stimmen lässt. So ist und bleibt alles mal wieder Geschmackssache.
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