Kochkunst aus den Niederlanden - Eine Festmahl-Performance mit Andre Amaro

Ein atmosphärischer Bericht der Koch-Performance „Boulevard of Broken Dreams“ in der Jahrhunderthalle im Rahmen des Melez-Festival, mit Perfomance-Koch Andre Amaro aus den Niederlanden.

Die Einladung


Dank der inflationären Wirkung von Kochshows, den Lafers, Lichters und Co., freut man sich eigentlich nicht mehr so besonders, wenn man eine Einladung wie diese bekommt:

Einladender: „Kommst du mit. Ich habe da zwei Karten für ein Kochevent?“
Ich: „Was für denn für ein Event?“ (Inneres Ich: „Och nö … nicht schon wieder so einen inszenierten Kochkurs auf Leinwand, bei dem man im Publikum sitzt, das gleiche auch zu Hause vor dem Fernseher hätte haben können, nur dass einem dort die Gerüche nicht das Wasser im Munde zusammen laufen lassen.)
Einladender: „So wie ich das verstanden habe, sitzt man an ein lange Tafel und bekommt Essen serviert. Drumherum soll es dann noch ein wenig Show geben“.
Ich: „Das klingt doch ganz nett.“ (Inneres Ich: „Ja, das ist ja unglaublich. Ein mehr als ausgefallenes Konzept, an dem ich teil haben darf“).

Die Stimmung


Beim Betreten der Jahrhunderthalle tritt zunächst leichte Irritation auf: gedämpftes Licht, wobei sehr langsam die Lichtstimmungen wechseln. Ein mehr als robuster Tisch von einer Tiefe von gut 2 Metern und einer Länge von 120 Metern. Auf der Hälfte eine leicht erhöhte, offene, einfache, fast improvisiert wirkende Küche. Menschen sitzen schon auf Bierbänken, Menschen in schrammeliger Kochkleidung laufen aber auch über Tische, eben wie auf einer Straße. Auf dieser wird flaniert und getanzt. Es wir gegessen und getrunken und immer wieder tauchen Performancekünstler auf und unterhalten das Publikum.

Essen und Trinken


Wir setzen uns und lassen die Szenerie auf uns wirken. Nach und nach werden Teller und Messer gereicht. Man kann Getränke in Dosen oder Wein in Plastikgläsern bestellen. Dann werden Brot und Schälchen mit Olivenöl gebracht. Der Kopf dieses Konzeptes, Performance-Koch Andre Amaro, lässt es sich nicht nehmen, persönlich die Tafel abzuschreiten und aus großer Höhe ein wenig grobes Meersalz in das Öl zu streuen.

Nach und nach kommen immer die einzelnen Gänge auf Platten: grob geschnittener Käsen, Wurst, Weintrauben und Tomatenrelisch, eine kräftige Rinderbrühe mit Minzblatt (im stilechten Plastikglas). Kichererbsensalat, Pasta mit Schafskäsen, Koriander und Balsamicoreduktion - alles ganz einfach, alles ganz grob, alles in der Tradition der mediterranen Küche und Anmutung.

Resümee


Ich trinke einen Schluck Dosenbier und schaue mich um: überall Menschen, die sich amüsiert unterhalten, Sympathie ausstrahlen, die Situation genießen, mit fremden Menschen an einem Tisch zu sitzen und diese kennen zu lernen. Erinnern tun diese Bilder an Szenen aus 50er Jahre-Filmen, wo die amerikanische Filmindustrie mediterranes Leben auf Zelluloid idealisiert oder aber an neuere Produktionen wie Chocolate mit Johnny Depp. Nur mit dem Unterschied, dass man hier einen Anlass erschaffen hat und die Atmosphäre echt ist und diese live miterleben darf. Was soll ich sagen …

(Inneres Ich: „unglaublich … und bin ich satt.“)


Ähnliche Beiträge


Externe Links

So, 07.11.2010 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Über den Autor

15.12.2009

Letzte Kommentare des Autors

vor 3 Jahre 8 Wochen
Memphis to Austin, SXSW
vor 3 Jahre 8 Wochen
vor 3 Jahre 11 Wochen

Stadt

Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

Branche

Aktuelle Tweets

LABKULTUR
[CULTURE] PLAN? @KuPoGe's Sievers prepares 7th cultural-political Federal Congress 13+14.06.2013 http://t.co/d28NAkEyDF #LABKULTUR
LABKULTUR
[KULTUR] HAUPTSTADT @KosiceECOC2013 ein gutes Viertel Jahr ist rum Was bisher geschah: http://t.co/bEwS6e7pxt #LABKULTUR
LABKULTUR
thanks guys! RT @ECBNetwork: RT @sabienschrijft: finished day with new blog for #LABKULTUR. Have you read this one? http://t.co/K5zT0mIFF0
LABKULTUR
[SERVICE] companies should drop #CRM for Vendor Relationship Management @dsearls @PICNICfestival #VRM http://t.co/2c0MjuJKHw #LABKULTUR