
Ein Renovierungsprojekt in Istanbul: Tarlabaşı Renovation Project
Wird das Renovierungsprojekt das lokale soziale Gefüge auslöschen?
Das Tarlabaşı-Viertel im Stadtteil Beyoğlu mit seinen historischen Gebäuden und einzigartigen Beispielen der Architektur des 18. und 19. Jahrhunderts ist ein Beispiel für die schwierige Lage, in der sich der Stadtteil Beyoğlu befindet.
Während man einerseits am heruntergekommen Zustand der einst einzigartigen und wunderschönen Gebäude die schweren Zeiten sehen kann, gibt es in Tarlabaşı dennoch quirliges und farbenfrohes Leben. Obwohl das Viertel nicht das allerschönste ist und es Gerüchte über eine hohe Kriminalitätsrate gibt, ist es die Heimat einer einzigartigen sozialen Struktur, mit den verschiedenartigsten Anwohnern: Roma, eingewanderten Arbeitern aus Anatolien, Asylsuchende, alte Ladenbesitzer, fromme Muslime, Randgruppen der Gesellschaft wie Transvestiten – sie alle leben hier.
Das Tarlabaşı Renovation Project
2007 beschloss die Verwaltung von Beyoğlu eine Renovierung von Tarlabaşı – die ersten Schritte dazu wurden bereits 2005 unternommen. Dieses Jahr ist die Projektplanung abgeschlossen worden und die erste Abriss-/Bauphase im Gange.
65% der Eigentümer haben sich mit den Investoren geeinigt, und 278 Gebäude innerhalb von 20.000m² werden im Rahmen des 5-Millionen-Dollar-Projektes restauriert. Die meisten Eigentümer werden Wohnungen oder Ladenlokale im neuen Tarlabaşı bekommen und erhalten finanzielle Unterstützung von der Investorengruppe für die Miete ihrer Ausweichunterkünfte und Umzugskosten; einige mussten allerdings ihre Immobilien verkaufen und sich von ihrer ehemaligen nachbarschaftlichem Umgebung verabschieden. Der Plan sieht vor, die Fassaden der Gebäude zu erhalten, allerdings sollen kleinere historische Gebäude, die maximal 100 m² groß sind, zu Blöcken von fünf bis zehn Häusern zusammengefasst werden.
Die Äußerungen der Stadtverwaltung über die Motive hinter diesem Renovierungsprojekt scheinen oberflächlich gesehen sehr vernünftig zu sein, es gibt allerdings einige Brüche. Man behauptet, dass das Renovierungsprojekt die Gegend sicherer, gesünder, und lebenswerter machen und ihr einen zeitgemäßen und modernen Anstrich geben wird, dass dadurch die sozialökonomischen Probleme größtenteils gelöst werden, da Gefahrenquellen minimiert werden und neue Arbeitsplätze, auch für qualifiziertere Berufe, entstehen werden.
Die letzten Tage der bald ehemaligen Anwohner
Das Renovierungsprojekt sieht den Bau von Einkaufsmeilen, Wohnungen und Boutique-Hotels im Viertel vor, was zu größeren kommerziellen Aktivitäten, speziell des Tourismus- oder Dienstleistungsgewerbes führen wird. Aber auch wenn die gegenwärtige Infrastruktur in Tarlabaşı in einem ungesunden und gefährlichen Zustand ist, und die verlassenen Häuser und heruntergekommenen Straßen definitiv eine Renovierung benötigen, gibt es dennoch ein Gefühl der Unsicherheit und vielleicht eine Angst davor, wie sich dieser Renovierungs- und Gentrifizierungsprozess auswirken wird.
Während dieser Prozess die Umgebung für die Bedürfnisse und Standards einer bestimmten Mehrheit – oder vielleicht Minderheit – und bestimmt für die Bedürfnisse und Standards des Kapitalismus, renovieren wird, ist immer noch nicht klar, wo und wie die derzeitige Anwohnerschaft des Viertels in Zukunft angesiedelt werden wird. Das Projekt mag Tarlabaşı wieder in das städtische Leben mit all seinen kulturellen und ökonomischen Aktivitäten integrieren, aber es besteht die Gefahr, dass es seine kulturelle Vielfältigkeit verliert und dass seine bald ehemaligen Bewohner weiter in Randgruppen gedrängt werden.

Beyoğlu Municipality Tarlabaşı Project
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