Während die Welt auf ihre Besetzung wartet und sich Menschen mit Macken, aber ohne politisches Bewusstsein der Stadtverschönerung annehmen, versinkt im Ruhrgebiet insbesondere eine Stadt im Rhein: Duisburg. Während dort soeben erst erfolgreich eine ehrenamtliche Kulturwoche vereitelt wurde, geben sich die Freiraum-Aktivisten in Essen karitativ, auch wenn selbst da Zweifel bleiben...
Teil 2 eines Versuchs, anders über gesellschaftliche Not zu reden und mit polemischem Zug und philosophischem Bezug. Zunächst einmal schalten wir nach Duisburg...

MachtBasis - Straßenkunst in Essen (cc) J.Hendricksen
Von der Liebe träumen würden im Ruhrgebiet gern viele, doch dann sehen sie den Duisburger Bürgermeister Sauerland, der den fast leblosen Körper der Stadt weiter mit seiner fehlenden Eingeständnis belastet. Hier ein Textvorschlag: "Es tut mir wirklich Leid. Das mit der Loveparade war einfach eine Schnapsidee – und ich bedauere auch jetzt nicht die richtigen Worte zu finden, aber was hier in Duisburg stattfindet verdient einfach meinen Rücktritt." (Am 12.2. wird über diesen von den Duisburgern abgestimmt.) Ich selbst erinnere mich, wie ich in der Loveparade-Nacht in Duisburg versuchte, Worte zu finden und damit endete, die ganze Welt zu verfluchen. Duisburg hätte aus der Katastrophe jedoch lernen können, dass top-down Kultur-Events viel Schaden anrichten können und mensch besser von unten aufbaut als Kartenhäuser auf heißer Luft zu errichten. Ganz im Gegenteil ist die Entwicklung in Duisburg in die andere Richtung gegangen und statt Kulturförderung erlebt die Stadt ohne professionelles, freies Theater, ohne Geld und mittlerweile auch ohne soziokulturelles Zentrum eine wütende Protestbewegung. Nach der Duisburger Hausbesetzung ist das Thema zumindest mal öffentlich und vielleicht nimmt sich die Kulturverwaltung ja dort mal endlich Zeit, den Trend "Wegen eines überhaupt nicht regional verorteten, kommerziellen Massenevents müssen wir eurer kleines Kunstcafé in Ruhrort schließen" umzukehren.
Live nach Essen

Obskur diese Kunst - Straßenkunst in Essen (cc) J. Hendricksen
In Essen hingegen wurde dies durchaus versucht. Am Ende einer für die Akteure teils sehr aufreibenden Auseinandersetzung um ein Haus für die Gruppe "Freiraum2010" steht nun ein Atelierhaus an der Schützenbahn. Aus den Kreisen der Gruppe ist zu hören, dass sie sich durchaus freuen, ganz altruistisch, ein Atelierhaus für andere KünstlerInnen geschaffen zu haben und hoffen, dass das dort eingesetzte Geld nicht aus ähnlichen Projekten dorthin geflossen ist und vielleicht gar die bereits bestehende dezentrale Atelierförderung durch das neue Haus in Frage gestellt wird. Für Freiraum ist es "an der Zeit, sich aufzulösen und ganz von vorne anzufangen", und ich füge hinzu: Mensch kann von Staat, also Stadt, nicht erwarten, dass sie irgendetwas tendenziell Unordentliches auch noch fördert. Wie viel soziale Unordnung der Einzelne aushält ist wohl von Monade zu Monade (Leibniz) verschieden – zumindest hilft eine gewisse Offenheit im Geist, um zu merken, dass es vielleicht mittlerweile Menschen gibt, die sich selbst organisieren wollen und deshalb nicht gleich unorganisiert sind. (Die Vortäuschung von Organisiert-Sein und Professionalität verschlingt übrigens Unsummen in beinahe allen vordringlich finanziell sanktionierten Organisationen.) Auch hier ein Textvorschlag: "Wir von der Stadt _____ wollen selbstorganisierte, sozial ausgerichtete Initiativen in unserer Stadt fördern. Helfen sie uns!" Dazu ein Foto mit ein paar Honoratioren dahinter und siehe da, schon stellt einer eine Immobilie zur Verfügung – zumindest für eine Kulturwoche, oder?
Hier geht es zu Teil 1 und einer eher globalen Betrachtung.
Teaserbild: Protestcouch (cc) Projektgruppe Symbolischer Tod