
"Ein Jahrhundertereignis" – Freiraum-Ende in der ex-Kirche
- Serie: Kunst
Bevor einem der Kaffee kalt im Halse stecken bleibt – nein, die Gruppe "Freiraum2010" ist noch nicht obdachlos. Am vergangenen Sonntag verabschiedete sich die Freiraum-Gruppe von der ersten Ausstellung "Freiraum zeigt : zeigt Freiraum" mit Performance und Musik. "Da unsere Verweildauer hier verlängert wurde, machen wir noch eine Ausstellung", so Freiraum-Aktivist P. Krüper.
Noch mehr Freiraum-suchende Kunstschaffende
Obgleich bei der ersten Ausstellung bereits 52 Kunstschaffende die ehemalige Lukas-Kirche verschönerten (Galerie hier), stehen bereits zahlreiche weitere in den Startlöchern, um die ex-Kirche umzugestalten. So ist unter anderem geplant, Wände zu übermalen, die Böden zu gestalten und neue Möglichkeiten für Theater- und Musikauftritte einzurichten.
Vernetzung zu anderen Initiativen ausweiten
"Wir werden uns zudem bemühen, Aktivisten und Kunstschaffende aus anderen Städten hierher zu holen. Am Telefon und per Mail läuft die Vernetzung schon sehr gut, nur gemeinsame Treffen sind bisher selten." So J. Hendricksen, Sprecher der Freiraum-Gruppe. Auch in der neuen Ausstellung, die am 16.April eröffnet werden soll, wird es samstags Konzerte und Performances geben. Dazu kommen sollen Diskussionsrunden, Vorträge und Filmvorführungen.
Die erste Ausstellung war ein voller Erfolg
"Für Essen war dies ein Jahrhundertereignis". So euphorisch äußerte sich ein Gast am letzten Öffnungstag und gibt damit in – zugegeben leicht euphemistischer Weise – die Stimmung wieder, die die Ausstellungsmacher miterleben durften. "Wir hatten bei der Vernissage über 500 Leute hier und an jedem Öffnungstag mindestens 50, an den Samstagen hat`s richtig gekracht", berichtet A. Schöne, selbst DJ beim Team "UmSturzWagen", das bei der Finissage mit Punk und HipHop für Stimmung sorgte. "Mit insgesamt über 1000 Besuchern hätten wir nicht gerechnet."
Neben den zahlreichen Besuchern aus dem weit gefassten Netzwerk der Freiräumer besuchten auch viele Anwohner aus Essen-Holsterhausen die Ausstellung. Im Vorhinein war intern darüber spekuliert worden, ob insbesondere diejenigen, die die Kirche noch als religiösen Ort in Erinnerung haben, negativ auf die Ausstellung reagieren würden, was aber nicht der Fall war. Im Gegenteil begrüßten Junge und Alte die Ausstellung. "Ein wunderbares Gefühl" sei es, zu sehen, dass die Kirche nochmal zum Leben erweckt wurde, so eine Anwohnerin.
Neben den zahlreichen Besuchern aus dem weit gefassten Netzwerk der Freiräumer besuchten auch viele Anwohner aus Essen-Holsterhausen die Ausstellung. Im Vorhinein war intern darüber spekuliert worden, ob insbesondere diejenigen, die die Kirche noch als religiösen Ort in Erinnerung haben, negativ auf die Ausstellung reagieren würden, was aber nicht der Fall war. Im Gegenteil begrüßten Junge und Alte die Ausstellung. "Ein wunderbares Gefühl" sei es, zu sehen, dass die Kirche nochmal zum Leben erweckt wurde, so eine Anwohnerin.
Ort des Ausdrucks, der Begegnung und Verknüpfung
"Dass es so etwas sonst in Essen nicht gibt, ist einfach scheiße!" T. Klaus rückt sich den bemalten Stuhl im Foyer der ex-Kirche zurecht. Schon seit 10 Jahren begleitet der mittlerweile 52-jährige Künstler einige der Freiraum-Aktivisten. "Dieser Ort hier – das sind fünf Orte, die Essen fehlen. Ein angemessener Ausstellungsraum für nicht kommerzielle Kunst, ein Arbeitsraum für Freiraum-Denker, ein Ort zum Tanzen, zum Kaffee-Trinken, ein freier Raum." Klaus redet sich in Rage: "Die Stadt soll alles an Leerstand rausrücken, was sie hat, sonst würde ich euch dringend empfehlen, diese Stadt zu verlassen. Wo es keine Wertschätzung gibt, sollte man nicht seine Energie verschwenden. " Das Publikum hat genügend Wertschätzung geäußert, ob die Stadt jedoch ihre verfehlte Leerstandspolitik ändert, bleibt abzuwarten.
Hoffnung auf Freiräume: kaum
"Vielleicht kommt ja auch nochmal ein Privateigentümer und ermöglicht uns, weiter zu machen. Wir wollen uns überhaupt nicht als Kampftruppe aufstellen. Viele kommen zu uns mit dem Slogan ,Freiräume müssen erkämpft werden'. Sie scheinen Recht zu haben, aber mein Verstand kann das nicht anerkennen. Es macht doch keinerlei Sinn, dass wir Räume bespielen und verschönern wollen und können, es aber obskure Mechanismen gibt, die dies unmöglich machen. Sehen Sie sich die alte Volkshochschule in Essen an der Hollestraße an. Ein interessantes Gebäude, es wird geräumt und steht leer, und jetzt ist es so heruntergekommen, dass niemand mehr einen Fuß hinein setzen will. Solche Gebäude gibt es viele. Da muss sich was in den Köpfen bewegen – wir arbeiten für die Gesellschaft, sie muss nur akzeptieren, dass wir selbst über die Welt nachgedacht haben und andere Prinzipien geltend machen wollen. Es gibt auch alternative Modelle, Gesellschaft zu denken, die nach 1920 entstanden sind." Sagt J. Hendricksen und starrt durch die Buntglasfenster gegen die nächste Wand – die mit Graffiti gestaltete Wand des Wichern-Hauses.
Ein kleines Video aus der ex-Kirche von U. Stahl
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Di, 29.03.2011
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