
Der EarPort von Kunsu Shim und Gerhard Stäbler - Ein Hafen für ganz verschiedene Ohren
Kunsu Shim und Gerhard Stäbler haben vor etwa zehn Jahren den EarPort ins Leben gerufen. Ihr Veranstaltungsort mit Laborcharakter führt unterschiedliche Kunstdisziplinen und Publikumsschichten inmitten einer Duisburger Industriekulisse zusammen.
Landschaftsgestaltung mit Relikten der Industrie
Der »Garten der Erinnerungen« des israelischen Bildhauers Dani Karavan zählt zu den erstaunlichsten Parkanlagen im Revier. Am Duisburger Innenhafen, wo mit Norman Fosters Eurogate und der Aufstockung der Küppersmühle geklotzt wird, hat Karavan mit sparsamen Mitteln ein geheimnisvolles Ambiente geschaffen, hat mehr abgetragen als hinzugefügt. Wo sich einst Lagerhallen und Verwaltungsgebäude befanden, zeichnete er die Grundrisse abgetragener Gebäude nach, ließ Treppenhäuser abgebrochener Häuser als Skulpturen stehen und gestaltete die Landschaft mit Bauschutt. In einem verschonten, unscheinbaren Gebäude in dieser künstlichen Landschaft, in dem sich früher ein Getränkehandel befand, betreiben nicht nur Dirk Krämer und Klaus Maas ihre Galerie. Dort leben und arbeiten auch die Komponisten Kunsu Shim und Gerhard Stäbler.
Musik im Industrieraum
Ihr Domizil, das sie regelmäßig für Veranstaltungen öffnen, haben sie EarPort genannt. Kunsu Shim hört die nahe Autobahn als Meeresrauschen und erzählt von der Wucht einer Gasexplosion, die ihn als akustisches Ereignis beeindruckt hat. Das verwundert, wenn man seine minimalistische Musik kennt, die oft so leise und von so langen Pausen durchlöchert ist, daß sie die Rundfunkanstalten vor Probleme stellt. Gerhard Stäbler vergleicht den »Garten der Erinnerungen« mit einer antiken Ausgrabungsstätte und zitiert Italo Calvino, der von den unsichtbaren Teilen der Städte spricht. Stäbler hat schon mit »Musik im Industrieraum« gearbeitet, als noch keiner der heutigen Besucher der Ruhrtriennale sich träumen hätte lassen, Hochkultur in Maschinenhallen zu erleben, als dort noch gearbeitet wurde.
Ein beliebtes Konzertlabor
Das Erdgeschoss des EarPort, in dem die Veranstaltungen stattfinden, fasst 30 bis 40 Besucher. Das erlaubt Gerhard Stäbler und Kunsu Shim spontan und ohne Umwege über andere Institutionen Konzerte zu programmieren. Der EarPort ist ein Labor. Stäbler sagt: »Hier können wir ganz spontan das ausprobieren und machen, was wir für unsere alltägliche Arbeit auch als Komponisten für wichtig finden. Es gibt ganz enge Beziehungen zu den Menschen, die hierher kommen, zum Publikum. Es gibt immer Diskussionen, es gibt immer Auseinandersetzungen. Und was hier ganz besonders toll ist, ist, dass wir die Besucher einbeziehen können. Die Publikumsstruktur ist sehr, sehr heterogen – sowohl, was das Alter angeht, als auch die Voraussetzungen. Bildungsbürgertum gibt’s hier sehr wenig. Aber wir hatten von Anfang an aus der unmittelbaren Umgebung viele Interessenten.«
Brücken zwischen Künsten
Zur Gründung des EarPort hieß es programmatisch, dieser Ort solle der Zusammenführung der Künste dienen. Das ist nicht nur folgerichtig vor dem Hintergrund des Selbstverständnisses des Komponisten Stäbler, der sich nicht nur an bildender Kunst, Theater und Sprache abarbeitet, sondern sogar mit Gerüchen arbeitet und der ebenso wie Kunsu Shim als Performer in Erscheinung tritt. Das ist auch eine Programmatik, die auf das Duisburger Umfeld reagiert – eine Stadt, deren prominenteste kulturelle Institution das Wilhelm Lehmbruck Museum, das »internationale Zentrum Skulptur« ist. So treten Stäbler und Shim, wenn sie nicht gerade in Asien unterrichten oder zu Konzerten in den USA weilen, häufig im Kontext von Ausstellungen im Lehmbruck-Museum auf und schlagen so Brücken zwischen den Künsten. Dann wird der »Garten der Erinnerungen« schon mal zur Bühne, dann regt die Architektur des Innenhafens die Phantasie an.
10 Jahre EarPort im Kulturhauptstadtjahr
Am Sonntag feiert der Hafen für die Ohren sein zehnjähriges Bestehen – natürlich mit einem die Grenzen zwischen den Künsten überschreitenden Programm. Angekündigt sind Musik und Performances mit Bernd Bleffert, Aya und Kozue Hara, Sergio Antonino, Avi Kaiser, Kunsu Shim und Gerhard Stäbler. Zwischen den Performances wollen die Hausherren ein Gespräch über Kunst und Kultur im Jahr der Kulturhauptstadt anregen.
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