Breger und die Beatplantation (c) Beatplantation

"Ein Gruselverein neben dem Nächsten."

Breger (Beatplantation) im Gespräch - Teil 6: System, Subjektivität, Occupy & linker Terror

Breger ist einer der Köpfe der Beatplantation, der erfolgreichsten alternativen Partyreihe des Ruhrgebiets. Er ist zudem international gefragter DJ und Techno-Produzent.

Im sechsten, längsten und letzten Teil unseres Geprächs (hier geht es zum ersten, hier zum zweiten, hier zum dritten, hier zum vierten, hier zum fünften Teil) reden wir, unter anderem, über den Subjektbegriff, die Verhältnisse, Occupy, Friedrich Schiller und Verschwörungstheorien.

J. Hendricksen: Du hast gerade von den Perspektiven der aktuellen, programmatisch eher unscharfen Protestbewegungen gesprochen. Du siehst in der apolitischen Gegenbewegung also ein Potential?

Breger: Unbedingt. Du siehst es doch bei den ACTA Protesten. In Polen und Tschechien sind die Gesetze bereits ausgesetzt. Und wenn du dir die Videos von den Demonstranten, von den beteiligten Leuten anguckst, siehst du: Normaler geht es nicht. Das sind einfach Menschen zwischen 20 und 30. Anders kann man die nicht charakterisieren. Viele Studenten natürlich, aber nicht nur. Das sind einfach Menschen, die etwas nicht einsehen. Das ist witzig und das führt zu Erfolgen. Wenn man dasselbe Thema mit einer linken, organisations-bezogenen Perspektive angeht, dann kommen 1200 Leute statt 20000.
 
Ich gebe dir in deiner Analyse durchaus Recht, dass ein parteipolitisch oder kader-orientierter Zusammenschluss fast nie zu fröhlicheren Menschen oder Glück geführt hat. Andererseits denke ich, dass wir nicht nur apolitische Menschen brauchen, die ihre Bedürfnisse artikulieren, sondern auch politisch Handelnde, die aus dem selben Geist heraus agieren. 
 

Cops beim Euromayday 2011 (c) Beatplantation
Cops beim Euromayday 2011 (c) Beatplantation

Ich finde das sind die Hacker. Die bilden die Speerspitze der anonymen Masse. Wenn wir eine starke soziale Bewegung haben, dann wird es auch noch mehr Hacker geben, die die Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit mit ein paar kleinen Banktransfers umsetzen. Diese Hacker sind mir auf jeden Fall hundertmal sympathischer als jede politische Partei. Ich kann die politischen Parteien nicht mehr sehen. Das war bereits zu Antifa-Zeiten derart unerträglich, wenn dann auf einmal z.B. die Grünen vor der Demo mit ihrer wehenden Fahne stehen. Wir mobilisieren hier seit Monaten gegen den Nazi-Aufmarsch und kaum sind die Pressefotografen da, schon steht ihr in der ersten Reihe. Und wenn die Cops gleich kommen und die Knüppel raus holen, dann seid ihr ganz schnell wieder weg. Klar wird man auch mal unterstützt. Damals von DKP und PDS. Ein Gruselverein neben dem Nächsten.
 
Ich versuche es dann noch einmal zusammen zu fassen: Es scheint doch so zu sein, dass eine Abwendung von politischen Parteien und zum Teil auch von ausdifferenzierten politischen Haltungen dazu führt, dass die Menschen aus einer ganz einfachen Haltung anfangen Politik zu machen.
 
Ja. Einfach zu sagen: Das ist doch unpraktisch. Da hat mich unser Freund Nils Andersch auch sehr beeinflusst. Er meinte vor Jahren mit voller Vehemenz zu mir, dass es falsch sei zu glauben alles sei so kompliziert. Alles lässt sich herunter brechen. Es ist doch nicht kompliziert. Es gibt Sprachgemeinschaften, die haben Nationen gebildet und auf der Basis geht es weiter. Es wird einem immer so verkauft, als bräuchte man den Masterplan, um mitreden zu können. Dieses Bewusstsein ist entstanden und nun wird es Zeit, dass es verschwindet. Dieses Expertentum gründet doch geistig noch in der Monarchie und davon profitieren die Mächtigen heute immer noch.
 
Aber profitieren die Mächtigen nicht auch von Verschwörungstheoretikern, Esoterikern...
 
Der verschwörte Mensch (c) Beatplantation
Der verschwörte Mensch (c) Beatplantation
Nein. Die Mächtigen profitieren von Verschwörungen und anschließend indem sie diejenigen, die das thematisieren Verschwörungstheoretiker nennen. Natürlich gibt es sehr viele Verschwörungstheoretiker, die gerade in Richtung Antisemitismus tendieren. Das ist sehr gefährlich und in dieser Hinsicht ist auch die Occupy-Bewegung manchmal sehr zweifelhaft, weil sie sich nicht stark genug abgrenzt von solchen Elementen. Man darf über die Kritik der Verschwörungstheoretiker jedoch nicht vergessen, dass es viele Verschwörungen gab, gibt und geben wird. Allein die Geheimabsprache zwischen der Berliner Stadtregierung und den dortigen Wasserwerken. Das kann man zu Recht Verschwörung nennen. Man operiert konspirativ und bootet die Öffentlichkeit bewusst aus. 
 
Ich glaube wichtig ist es in erster Linie einen kulturell autonomen Bereich aufzubauen. Dann wird man nämlich von selbst politisch, wenn von außen versucht wird diesen Bereich zu beschneiden. Aus dieser Haltung heraus gehen die Leute auf die Straße gegen Internetsperren. Dafür braucht man kein politisches Programm. Dass man im Internet anonym bleiben will, hat nichts mit links sein oder rechts sein zu tun. Aus dieser simplen Verwunderung über die Politik entsteht ein ernst zu nehmendes politisches Potential.
 
Ich denke oft, es läuft sowieso alles auf ein simples ,Hä?' hinaus. Der neue Slogan: „Ohne ,Hä?` läuft gar nichts!“
Noch einmal zum Thema Verschwörungen. Du hast das am Thema Berliner Wasserwerke sehr schön deutlich gemacht. Das Problem besteht doch darin, dass die Leute die Verschwörung zu oft im Allergrößten suchen, anstatt die konspirative Dauerpraxis im Alltag, vor der Haustür zu betrachten.
 
Verschwörungstheorie und Entertainment gehen halt Hand in Hand. Das macht natürlich viel mehr Spaß über die Amis und den Mond nachzudenken. Man sollte aber auch da manchmal lieber ganz simpel bleiben. Einfach mal selber nachforschen, mittlerweile ist so vieles zugänglich.
Als erstes muss man die Mainstream-Presse überflüssig machen. Die muss abgeschaltet werden. Es gibt genug andere Kanäle, wir werden schon nicht verblöden. Es gibt genug Netzwerke, die da einspringen würden. Ich kann dieses ,Fähnchen in den Wind hängen' der etablierten Medien nicht ertragen. Da herrscht gezielte Falsch- und Desinformation. Allein wenn man sieht, wie die Medien Proteste in anderen Ländern darstellen. Da werden auch Autos angezündet und es wird gegen Polizisten gekämpft. Doch machen die selben Akteure das hier, mit den selben Parolen, dann heißen die nicht Revolutionäre, sondern Randalierer und Chaoten. Dass Politiker und Polizisten so etwas sagen ist ja klar, aber die Medien zwingt doch niemand zum mitmachen
 
Das ist immer die Frage: Wann wird der Randalierer zum Revolutionär?
 
Das müssen einfach viele machen. Für mich ist das nicht die zentrale Frage. Für mich geht es darum, dass man konsequent für seine Werte eintritt. Das man in alltäglichen Gesprächen nicht aus Bequemlichkeit Rassismus durchgehen lässt. So etwas ansprechen heißt Dinge zu verändern. Ich hab früher unterschätzt, wie wichtig es ist einfach etwas zu sagen und nicht darauf zu warten bis man endlich ein links-aufgeklärte Masse hat, die Umstürze wagen kann. Ich finde es einfach unpraktisch in diesen alten, klassischen Mustern zu denken. Das bringt es leider gar nicht mehr.
 
Kritiker könnten an dieser Stelle behaupten, dass man durch das Fehlen eines organisatorischen, solidarischen Zusammenhangs für die bereits bestens organisierten Eliten noch einfacher wird.
 

Beatplantation beim Euromayday 2011, DO (c) Beatplantation
Beatplantation beim Euromayday 2011, DO (c) Beatplantation

Für mich sind die Begriffe heute andere. Für mich ist auch die Organisation Beatplantation politisch bzw. politisch gefärbt. Es gibt bei uns Spielregeln, die auch Gründe haben, die diskutiert werden. Wir haben verschiedene basisdemokratische Modelle ausprobiert. Wenn ich sage, man sollte sich vordringlich darum kümmern eine eigene Ökonomie zu entwickeln, heißt das ja nicht, dass man nicht trotzdem im Bilde sein sollte, was auf der Welt passiert. Man muss informiert bleiben und sich streiten mit Vertretern anderer Auffassungen. Um das mal weniger politisch, sondern mehr auf Kultur bezogen zu formulieren: Wenn man gute Veranstaltungen unterstützt, dann werden die schlechten Veranstaltungen verschwinden. Das ist besser, als die anderen schlecht zu machen und gegen sie anzugehen oder gar sie von innen heraus zu verändern. Da ist es besser den dritten Weg zu gehen und z.B. eine Theaterlandschaft aufzubauen, die eben nicht elitär und versnobt ist, statt die Bestehende den ganzen Tag reformieren zu wollen.
 
Ich habe neulich einen zynischen Satz gelesen, der besagte, dass man die bornierte Vorgängergeneration nicht inhaltlich ablösen könne, sondern nur biologisch. Man solle warten bis deren Vertreter tot sind. Mir stellt sich die Frage, ob die lose Multitude im Falle, dass die alten Eliten wegbrechen bereit und organisatorisch fähig sind die Verantwortung zu übernehmen. Die technische und organisatorische Komplexität gesellschaftlicher Prozesse wird sich nicht verändern.
 
Und das ist genau der Grund, warum Alternativwelten aufgebaut werden müssen. 
Das Problem ist jedoch, dass die Gewinner des kapitalistischen Systems...
 
...auch weiterhin die Gewinner bleiben wollen.
 
Breger (c) Sten Eichhorn www.steneichhorn.de
Breger (c) Sten Eichhorn www.steneichhorn.de
Bzw. auch nicht dumm sind. Denen stehen massive Ressourcen zur Verfügung, die sie nicht nur dafür nutzen eine Yacht-Tour zu machen, sondern auch für den Machterhalt einsetzen, die alles Mögliche untersuchen, sich vorbereiten, Krisenszenarien durchspielen. Das sind ja keine Dorfkönige, die sich an ihrem Thron festklammern. Das sind sehr bewegliche Akteure, die in Bezug auf ihre Selbsterhaltung clever agieren. Das sind die Leute die sagen: Mit Leuten, die noch keine Milliarde gemacht haben rede ich gar nicht.
 
Oder mein Lieblingszitat von Hans-Olaf Henkel: „Ich persönlich kenne keinen Armen.“ Da liegt man auf seiner Yacht und denkt: „Alle reden von Wirtschaftskrise, bei mir sieht es doch rosig aus.“ Es gibt halt einige Gewinner und die soziale Desintegration ist soweit fortgeschritten, dass Solidarität kaum noch herstellbar ist.
 
Es gibt auch immer wieder Leute, die sagen, dass Menschen wie wir das nach wie vor total unterschätzen, was für einen Blick die reichen Eliten wirklich haben. Die sagen, dass die kleinen, linken Idealisten sich die Situation immer noch schön reden, indem sie sagen: Ja, das ist einer mit einem Familienerbe, der konnte gut organisieren und irgendwie ist er ein guter Mensch. Dass das leider oft nicht so ist, ist dann halt auch ein Schock. Die Welt in der High-Society Kreise international leben widert einen dann doch sofort an. Diese Welt ist so ungerecht und unterdrückerisch, dass kann man sich kaum vorstellen.
 
Mit welcher Selbstverständlichkeit in diesen Kreisen damit gelebt wird, dass es Menschen gibt, die einem einfach nur zu Diensten sind und sonst keine Funktion haben. Das ist schon erstaunlich. Die dort herrschende Unverfrorenheit. Man hat einen totalen Hass gegen die Masse und gegen die Gesellschaft und sieht sich aber gleichzeitig in der Rolle, dass ohne reiche Eliten sowieso alles zu Grunde gehen würde.
 
Wenn es keine Reichen gäbe, gäbe es auch keine Schule, sagte neulich sinngemäß die Charity-Lady Ute Ohoven.
 
Diese Leute haben nicht verstanden, dass alle Rechte, auch die sie genießen bitter erkämpft worden sind. Es wurde nie etwas genehmigt, alle Rechte wurden erstritten. Es ist schon gemein, dass von den Kämpfen der Arbeiter um soziale Rechte und um Persönlichkeitsrechte nun die Mächtigen am meisten profitieren. Unternehmergeist war mal eine linke Position.
 
Für Schiller war die Befreiung des wirtschaftlich handelnden Bürgers ein revolutionäres Programm. Es ging irgendwann auch mal um Protest gegen die Feudalherrschaft.
 
Ebenso ist es mit der Idee des Individuums gewesen.
 

Breger (c) Christian Ripkens
Breger (c) Christian Ripkens

Endlich Subjekt werden. Und wenn man jetzt post-postmoderne Analysen liest, dann liest man, dass diese ganze Emanzipation nur dazu geführt hat, dass wir unsere Entfremdung nun mit grinsenden Gesichtern ertragen. Endlich sind wir glücklich entfremdet. Nicht glücklich, wenn man nach radikalen Bedürfnissen fragt, aber wenn es um einfache Lüste geht bist du heute mit deiner entfremdeten Arbeit glücklicher denn je. Es gibt viel mehr Ablenkung, viel mehr Spektakel, viel mehr Spaß, viel mehr Angebot. Alles ist einfacher. Und wenn du einmal ein Gewinner bist, dann kannst du dir einbilden du hättest mit dem Rest der Gesellschaft nichts mehr zu tun. Du hast es geschafft und kannst dich darüber beschweren, dass du Steuern zahlst.
 
Aber das wird auch in linken Kreisen nicht wirklich analysiert. Selbst die Idee des Nationalstaats kommt tendenziell aus Köpfen wie unseren. Dann haben Papst und König weniger Einfluss. Heutzutage muss man sagen, dass liberaler Unternehmergeist und Individualismus zwei der großen Probleme unserer Zeit sind. Und dieses Probleme hat uns nicht die Obrigkeit ins Boot geholt. Das finde ich sehr merkwürdig.
 
Das Problem der Widerstands ist für mich dann, dass es immer bei doppelten Maßstäben endet. Man will nicht sagen: Die da oben sind die Bösen! Aber die Problematik von arm und reich, von Macht und Ohnmacht zu verniedlichen heißt sich unmündig zu machen. Wenn schon kein böser Wille da ist, dann auf jeden Fall extrem antisolidarisches und ekelhaftes Handeln. Der einzelne Mensch ist ja immer eingebunden und jeder ist bereit sich so darzustellen, als wäre er nur das Opfer seiner Verhältnisse, wobei manche ganz klar Täter ihrer Verhältnisse sind.
 
Und sich angesichts der herrschenden Verhältnisse einzugestehen, dass man Täter dieser Verhältnisse ist, müsste eigentlich dazu führen, dass man sagt: Ich mache das nicht mehr. Aber an den Punkt kommt ja keiner. Es ist doch eklig: Macht in unserer Gesellschaft ist ja kein Gewinn, das ist ja der Irrtum. Die Leute denken: Wenn ich reich bin, wenn ich etwas habe dann geht es mir gut. Von wegen! Dann stehe ich in eine ekelhaften Opposition zu den Leuten, denen ich das weggenommen habe. Dann bin ich eklig und alle finden mich eklig. Du schaffst dir also dein abgesperrtes Reich mit einem Zaum drum herum und draußen sagen alle: Du bist ein Schwein. Dann sieht man Josef Ackermann in der Zeitung und man debattiert darüber, was für ein reaktionärer Reflex der Menschen es sei, den erfolgreichsten Manager Deutschlands scheiße zu finden. 
 
Das ist allerdings ein typisch deutsches Problem, dass man sich viel lieber darüber aufregt, dass es anderen besser geht, dass andere mehr verdienen, anstatt sich darüber aufzuregen, dass man selber so wenig verdient, dass es einem selbst so dreckig geht. Warum geht es mir so dreckig? Wie es ,Ton Steine Scherben' gesungen haben. Das ist die zentrale Frage, doch das checken die Wenigsten. Die Wenigsten trauen sich, sich überhaupt einzugestehen, dass es ihnen dreckig geht. Man regt sich lieber über den Ackermann auf oder gleich über Sozialschmarotzer oder Sinti und Roma oder die Merkel oder Flugmeilen. Als wäre das Problem, das wir mit Politikern haben, dass die mit Bonusmeilen umherfliegen. Das ist typisch deutsch und wirkt ausschließlich machterhaltend. Anstatt darauf hinzuweisen, dass täglich Menschen aus Deutschland in den Tod abgeschoben werden oder wir der weltweit drittgrößte Waffenexporteur sind und da werden Flugmeilen zum Skandal. Das ist unterstes Niveau.
An dieser Stelle ist die antideutsche Kritik ja auch richtig, die sagt, dass es nichts nützt immer nur mit dem Finger nach oben zu zeigen. Das heißt auch Verantwortung abzuschieben. Dann kann man auch zweimal im Jahr zu einer Großdemo gehen und sagen: Die da oben sind böse! Und dann ist Ruhe. Am Ende ist der Lehnsherr alles Schuld und dass es zahlreiche Möglichkeiten gibt sich zu wehren, fällt dann hinten vom Tisch herunter. Dann ist man schnell dabei den sogenannten Mächtigen alles zuzuschieben. Deswegen mag ich auch die Parole: ,Wir sind die 99% ' nicht. Da ist es doch nur ein kleiner Schritt zu sagen: 1% ist böse, die muss man abschaffen. Und die sitzen alle in der Wall-Street und das sind alles Juden. So denkt sich das so mancher: Die internationale Verschwörung des Finanzkapitals unterdrückt die Massen: Das ist eine gefährliche Einstellung. Mir gefällt es nicht, wenn gesagt wird: Wir sind die Mehrheit! Es darf nie das Argument sein, dass man so viele ist. Nach der Logik gibt es schnell keine Minderheiten mehr.
 
Wie Mao Tse Tung sagte: Zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich ziehen! Für eine erfolgreiche Bewegung braucht man als erstes einen Feind.
 
Irgendwas daran mag stimmen, doch der Feind ist meines Erachtens nicht das eine Prozent. Für mich geht es um Systeme. Die Personen darin sind völlig austauschbar.
 
Diesem Gedanken folgend ginge es bei gesellschaftlicher Veränderung eher um die Ersetzung des zentralisierten Systems durch zahlreiche kleine Systeme.
 

Joscha Hendricksen (C) Christian Ripkens
Joscha Hendricksen (C) Christian Ripkens

Meines Erachtens bringt es nichts sich auf die Personen zu fokussieren. Dass das zu nichts führt hat man oft genug erlebt. So hat schon die RAF dem Staat in die Hände gespielt, indem sie Einzelne entführt und getötet hat. Auch das wirkt machterhaltend. Ich hab eben noch ein Buch über staatlichen Terror gelesen. Da stand zum Beispiel drin, dass der Verfassungsschutz damals der APO Waffen hat zukommen lassen.
 
Es wurde sich von staatlicher Seite immer bemüht Bewegungen zu radikalisieren. 
Es gab auch Gladio, eine Untergrundarmee, die im Falle, dass es eine russische Invasion geben sollte, hinter den feindlichen Linien kämpfen sollte. Darin waren zahlreiche rechtsradikale organisiert. Niemand weiß wie viele Anschläge diese Gruppen verübt haben. Das waren von Steuermitteln finanzierte Terrorgruppen, die linken Terror inszeniert haben. Auch das interessiert keinen. Da wundert einen in Sachen Verfassungsschutz doch gar nichts mehr.
 
Aber es wundert einen doch sowieso gar nichts mehr, als dass man davon ausgehen kann, dass viele Menschen da gar nicht so ein großes Problem mit haben. Viele nehmen die gegebene Ordnung halt in Kauf und zwar als Ganzes und dann gehört so etwas eben dazu. Irgendwas am Leben ist doch immer hübsch: Die Wohnung, die Frau, die Jugend. Oder man findet alles schrecklich. Hauptsache man definiert sich als Subjekt das Leben als Ganzes irgendwie zurecht.
 
Die Leute müssen halt irgendwann einsehen, dass dein Leben schon in Ordnung gewesen sein kann und dass das System trotzdem böse ist. Natürlich gibt es kein perfektes Leben im bösen System. Aber es heißt ja nicht, wenn ich sage: "Die deutschen Großunternehmen sind skrupellos", dass dein Leben für die Katz ist oder, dass es falsch ist Kinder zu bekommen. Es ist doch verrückt sich davon persönlich angegriffen zu fühlen, wenn Dinge kritisiert werden für die du nichts kannst. Das hat vielleicht wieder was mit einer typisch linken anklagenden Haltung zu tun.
 
Das geht aber auch christlich, nach dem Motto: Ach, hätten wir doch besser aufgepasst oder von rechts: Die Extremisten haben die Werte unserer Heimat verraten. Die Fronten sind alle zersplittert und so ist Widerstand vielleicht zum Selbstzweck geworden.
 
Egal welche noch so schockierenden Fakten du den Leuten vorlegst, allein deretwegen wird sich nichts ändern.
 
Danke für das Gespräch!
So, 10.02.2013 0

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27.02.2010

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