Eigenwilliges Design von Ursula Commandeur

Ursula Commandeur lebt und arbeitet in Castrop-Rauxel und hält sich am liebsten in Ihrem Atelier auf. Hier konnte Martina Gödecke-Behnke mit ihr sprechen. Die Ausstellung ihrer Werke "WEISS UND SCHWARZ - PORZELLAN UND DRAHT SPRECHEN MIT MALEREI" ist derzeit im Dortmunder Depot zu sehen.

Welche Themen sind Ihnen wichtig?

Mich interessieren die Dinge, die nach Systemen aufgebaut sind. Meine Figuren sind immer Additionen von Einzelteilen, die sich zu einem Ganzen fügen. Alle Teile zusammen ergeben das Volumen - und dies ist ein System in sich. Die Systeme sind der Natur nachempfunden und ergeben als Figur eine Anmutung von Natur.

Sobald das System ein Ganzes ergibt, soll die Natur des jeweiligen Gegenstandes wild wachsen - er entwickelt seine eigene organische Natur. So ist ein System immer auch gestaltet und natürlich.

Mit diesem Prozess des Wachsens ergeben sich immer wieder Fragen, auf die ich Antworten suche. Es gibt so viele unergründete Rätsel, denen ich die jeweilige Gestalt geben möchte. Dabei wird es niemals letzte Antworten geben, das weiß ich. Das Leben kann man nicht wirklich erklären - deshalb wird es noch viele rätselhafte Figuren geben.

Was treibt Sie darüber hinaus an?

Neugierde treibt mich an. Bei jedem Stück, das ich schaffe, komme ich meinem Anspruch näher, den Gedanken die passende Form zu geben. Trotzdem sind die Ergebnisse, in Form gegossen, immer wieder überraschend und etwas anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Es ist immer wieder eine Freude, diese Stücke am Ende tatsächlich greifen und anfassen zu können.

Wie schätzen Sie Ihr Leben im Ruhrgebiet ein?

Ich bin so vertieft in meine Arbeit, dass es mir nicht wirklich auffällt, dass ich im Ruhrgebiet lebe. Ich möchte nicht unbedingt woanders sein, aber es ist mir nicht ständig bewusst, dass ich ausgerechnet in dieser Region tätig bin. Beheimatet bin ich in meiner Arbeit, ansonsten fühle ich mich frei von regionalen Wurzeln.

Welche Visionen haben Sie?

Ohne meine Arbeit kann ich nicht leben - es wäre schön, wenn ich genau diese Arbeit einfach ohne Gedanken an eine Unterbrechung fortführen könnte. Das heißt natürlich auch, dass ich weiterhin so leben möchte, wie ich gerade lebe. Seit einiger Zeit findet meine Arbeit endlich die Anerkennung, die ich mir gewünscht hatte, auch hier im Ruhrgebiet. Der lange Kampf hat sich gelohnt. Im Ausland fand ich diese Anerkennung viel früher, dazu gehören auch Preise, die mir zugesprochen wurden. Nun möchte ich diese Anerkennung auch hier genießen.
 

Ursula Commandeur schafft Unikate


Ursula Commandeur arbeitet gegen den Strich und hat Erfolg damit. Ihre Arbeiten werden in hohem Maße angenommen. 2007 erhielt sie den Staatspreis NRW für Keramik - nicht die einzige Auszeichnung für die Künstlerin.

Ursula Commandeur hat sich schon während des Studiums der Arbeit mit Porzellan zugewendet. Damit gestaltet sie unter anderem Flaschen, Schüsseln, Löffel und Teller in eigenwilligem Design. Sie lässt ihrer Phantasie freien Lauf - und dennoch kann man diese Gebrauchsgegenstände gut in den eigenen Hausstand integrieren.

Kunsthandwerk galt neben den vielfältigen Strömungen des Design längere Zeit als verstaubt - war ein ruhiger Vertreter in der Kunstausübung und galt der Tradition verpflichtet. Mittlerweile sind keramische Arbeiten wieder modern, weil sie ästhetische Bedürfnisse der Kunden abdecken. Ursula Commandeur schafft keine gängigen Designs. Jeder Gebrauchsgegenstand ist ein Unikat und nicht glatt. Sie schafft klare Abgrenzungen zu industriellen Formen.

Rätselhafte Wesen


Auch in ihren freien Arbeiten fragt die Künstlerin nicht zuerst danach, was beim Publikum ankommt. Sie schafft Gebilde, die in fremde Welten entführen und abstrakt genug sind, um eigenen Phantasien Raum zu geben. Es sind autonome Gebilde. Gemischt wird das Grundmaterial Porzellan mit Materialien, die überraschen: Draht, Ton, Kautschuk.

Ein Objekt kann durchaus aus 384 Porzellanröhrchen bestehen, die immer wieder anders miteinander kombiniert werden. Mit Porzellanröhrchen oder -gebilden schafft sie immer ganz eigene Formen. Bei 'Pelz II' etwa treten die Röhrchen völlig in den Hintergrund. Es dominieren die langen dunklen Drähte, die in allen Richtungen in den Raum hineinragen. Das Ding erscheint körperlich und haptisch - man ist versucht zu prüfen, ob der Pelz hart oder weich ist.

'Pelz III' ist klarer strukturiert, raumgreifender. Die Prozellanröhrchen stehen stärker im Mittelpunkt und sind teilweise farblich gestaltet. Die Drähte sind ebenfalls raumgreifend. Dieser Pelz aber hält auf Abstand und erscheint kühler. Man muss dieses Objekt respektieren.

'Peristalt' hat einen geformten, runden Körper und Drähte, die wie suchende Fühler in den Raum hinein ragen; es ist ein Wesen, das an tierische oder pflanzliche Existenzen erinnert. Das Porzellan als Grundstoff ist weiß, unglasiert und steht hinter dem Phantasiewesen zurück. Es zählt die rätselhafte Form ohne jeden Gebrauchswert.

Die Arbeiten lassen sich nicht zuordnen oder vergleichen. Sie stehen für sich - und dies ist die künstlerische Leistung von Ursula Commandeur.
 
 

Ausstellung von Ursula Commandeur im Depot, Dortmund

Dauer: 21.01. bis 06.02.2011
Finissage und Künstlergespräch: Sonntag 06.02. von 15.00 – 18.00 Uhr
geöffnet: SO, DI und DO von 15.00 bis 18.00 Uhr und nach Vereinbarung
weitere Informationen...


Ähnliche Beiträge
 

 

Do, 03.02.2011 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Über den Autor

04.12.2009

Letzte Kommentare des Autors

Stadt

Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

Branche

Aktuelle Tweets

LABKULTUR
[DIGITAL] keynotes @TheNextWeb conference: #Google Glasses, business advice & Sneakers http://t.co/dx50OHp9wZ #Labkultur @SabienSchrijft
LABKULTUR
[FAR] wie der Schlüssel Kultur am besten erschließt Interview mit Autorin Franziska Sörgel http://t.co/Lxt0Rjkm6v #FAR13 #LABKULTUR
LABKULTUR
[FAR] CULTURE IS THE KEY. A culture consultant & an architect: temporary events mirror excess and euphoria http://t.co/gQGJw2WWB1 #LABKULTUR
LABKULTUR
[STREET] ART 'Sell Out ist ein übler Begriff und ein Angriff auf Künstler' #Qumi by @CCaravante http://t.co/zWe3e1OKyZ #LABKULTUR