Editorial: Buchstabensalat XXL!

Klar verwandelt das Wort – und die Buchbranche, Literatur, Presse und ihre (noch?) vorhandene Druckerpresse - die Gesellschaft! Der eine denkt dabei an Sloterdijk, Frank Goosen und Cornelia Funke, der andere an Subkulturen wie Poetry Slams, Blogs und BILD. So breit die Buchbranche in der Gesellschaft verankert ist, so wenig wird sie heute genannt, wenn es um gesellschaftlichen Aufbruch oder gar wirtschaftliche Dynamik geht! Das war einmal anders – und im Ruhrgebiet ist es immer noch so!? Dies ist in den nächsten 14 Tagen das Schwerpunktthema im 2010LAB.

Nicht einmal die so hoch gelobte und hoch dynamische Games-Industrie beschäftigt mehr Menschen als die Buchbranche in der Metropole Ruhr – im sog. Kernbereich ca. 8.900 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte und noch einmal 6.700 in den sog. vor- und nachgelagerten Berufen (z. B. Pressevertriebe) – insgesamt 15.600 gegenüber 14.400 Beschäftigten der Games-Branche. Oder anders gesagt: 30% der Beschäftigten der Kreativwirtschaft Ruhr sowie ca. 15% aller Firmen (1.500 Firmen) sind „Wortler“. Nur die Werbewirtschaft zählt noch mehr Firmen. Das hat niemand erwartet!

Und Dynamik? Fehlanzeige! Der Branchenumsatz schrumpfte von 2003 bis 2007 von 3,11 Mio. EUR auf 2,85 Mio. EUR, während die Games-Industrie ihren Umsatz nahezu auf 1,23 Mio. EUR verdoppelt hat. Die Einsicht schmerzt: Die Buchbranche ist der schlafende und lahme Kreativ-Riese des Ruhrgebiets. Nur noch Film und Musik setzen mehr um, aber beschäftigen nur jeweils 3.200 Menschen und doch gelten sie als Impulsbranchen für die Revitalisierung von Städten – und dies trotz Umsatzeinbrüchen. Film zieht Promis und Wirtschaftskraft an; Musikclubs beleben kaputte Stadtteile und internationalen Austausch – soweit die Klischees, die nicht ohne Wahrheit sind.

Heißt Bücher schreiben kreativ sein?

Und die Literatur: Wen zieht sie? Was stößt sie an – ganz unabhängig vom Wirtschaftstrend? Und welche Kreativen gibt es überhaupt in der Literaturbranche des Ruhrgebiets? Heißt denn Bücher schreiben oder gar drucken, kreativ zu sein?

Wer an Literatur denkt, nennt schnell Frankfurt, Köln und München. Gerd Herholz, bundesweit bekanntes Literatur-Urgestein und Quasi-Chefkritiker der Ruhrliteratur, nimmt Stellung; ein Herman Vaske Interview „Michel Houellebeqc – Why are you creative?“ führt in die doch ganz einfache Welt der Literaturpromis; Filme über Martin Suter, Frank Goosen ebenso wie über SLAM2010; Berichte über die LitCologne, die Union der Helden und Benjamin von Stuckrad-Barre zeigen die verschiedensten Aspekte der Literatur – sie lebt doch!

Wir singen nicht das vordergründige Lied der digitalen Bedrohung der Literatur. Wir glauben – wie schon so oft – dass sich das Beste der alten und neuen Technologien ergänzen wird. In der zweiten Woche führen wir Sie daher ein in die Welt der Creative Commons und der Urheberrechtsdebatte, berichten von der Leipziger Literaturmesse, über Olaf Sundermeyer und Hennes Bender und verlosen zwei Bücher von Holger Steffens „Hand gegen Koje“.
 
Unsere Serien über Kreativen Köpfe, Jazz im Ruhrgebiet oder den Europäischen Kurzfilm setzen wir natürlich fort – besonders empfehlen wir unseren Kulturtechniker!

Und nun Literatur Glück auf!

Bernd Fesel

Creative Commons License

Mo, 15.03.2010 0

Kommentar hinzufügen

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

Über den Autor

15.03.2010

Letzte Kommentare des Autors

vor 26 Wochen 4 Tage
vor 26 Wochen 4 Tage
vor 1 Jahr 14 Wochen

Stadt

Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

Branche

Aktuelle Tweets

[CNB] Impressionen des 'The New Job Circus 2012' in #Köln @bethausCNG http://t.co/g8DpKhGL #cnb12 #njc12 /RT @schwarzesgold
[DECISION] Is Kapoor's #Olympic Sculpture #Art at its best? wild, unexpected, not consensual - http://t.co/jHFCFy7W /RT @Bernd_Fesel
[URBAN] Werner Ruhnau aus @Essen erschafft morderne Nachkriegs- #architektur http://t.co/eAMaycWf #LABKULTUR
[DESIGN] #WDCD in #Amsterdam What Design Can Do conference. From #food to #technology. http://t.co/3hcmnBIo #LABKULTUR