
Duisburg und das Warten auf den großen Knall
Während der erste Jahrestag der Duisburger Loveparade-Katastrophe näher rückt und aktuell immer mehr die regionale Aufmerksamkeit auf sich bündelt, blutet im Schatten der Tragödie die Stadt wie keine andere Ruhrgebietskommune ihrer Größenordnung kulturell aus.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Sei es der kontinuierliche Einwohnerschwund oder die im Vergleich zum Durchschnitt exorbitant hohe Arbeitslosenzahl. Doch vor allem ist Duisburg ein exemplarisches Beispiel dafür, dass bankrotte Städte, begleitet von der Misswirtschaft ihrer politischen Handlungsträger, in ihrer Ideenlosigkeit nicht zuletzt bei der Kultur sparen.
In Duisburg bestätigte sich diese Entwicklung zu Monatsbeginn durch die Schließung des soziokulturellen Zentrums Hundertmeister. Zentral in der Innenstadt am Dellplatz beheimatet, galt das Hundertmeister neben dem Djäzz über Jahre einer der kulturellen Anlaufpunkte. Dass es dem leitenden Verein nicht gelang, kostendeckender zu wirtschaften, ist eine Sache.
Dass allerdings die städtische Immobilientochter Gebag als Vermieter der Räumlichkeiten mit ihrer Entscheidung, dem wankenden Verein fortan nicht mehr die Mietkosten zu erlassen, das Aus besiegelte, eine ganz andere. Damit nicht genug.
Denn obwohl spätestens nach Einleitung des Insolvenzverfahrens klar war, dass das Hundertmeister in seiner bestehenden Form keine Zukunft mehr hat, ist die Gebag, die sich derzeit vor allem im Kontext der zu übernehmenden Mehrkosten beim Bau eines Kunst-Quaders auf dem Dach des Museums Küppersmühle in Turbulenzen befindet, nicht in der Lage, die Dellplatz-Immobilie an Investoren aus der Privatwirtschaft, die schon vor Monaten ihr Interesse an der Immobilie bekundet hatten, neu zu vermieten.
Dazu kommt, dass die Gebag alle Interessenten zur Verschwiegenheit angemahnt hat, mit der Folge, dass sich kein potenzieller Investor öffentlich zu seinem Ansinnen bekennt, da er fürchten muss, ansonsten bei der Vergabe entscheidend ins Hintertreffen zu geraten. Allerdings ist das geschlossene Hundertmeister nicht nur ein standortpolitisches Ärgernis, es befeuert zudem das Radikalisierungspotenzial der frustrierten Duisburger Kulturaktivisten.
Bereits zweimal stand das leer stehende Gebäude zuletzt kurz vor einer Besetzung. Ausgangspunkte am 1. und 15. Juli waren jeweils als Flashmob deklarierte Demonstrationen, die auf die „katastrophale Lage der Duisburger Kulturlandschaft“ aufmerksam machen wollten. Zu Monatsbeginn gab es zunächst den „einfachen“ Plan per Schlüssel in die Räumlichkeiten zu gelangen, doch waren die Schlösser zu diesem Zeitpunkt bereits ausgetauscht.
Zwei Wochen später erschien wenige Stunden vor dem „Feiern gegen die tote Stadt“-Flashmob ein anonymer Aufruf im Internet, der offen eine Besetzung in Betracht zog: „Zweck dieser Aktion ist die Bereitstellung eines Raumes zur öffentlichen Diskussion über die zukünftige Nutzung und konzeptionelle Ausrichtung dieses soziokulturellen Zentrums in und für Duisburg.“
Initiativen wie der Verein Mustermensch oder die Kampagne „DU it yourself“ streiten öffentlich für ein selbstverwaltetes Zentrum, andere Aktivisten agieren aus der Anonymität heraus.
"Wir haben keine fertigen Strategien in unserer Schublade. Und wir wollen uns nicht mit wem auch immer um ein Haus prügeln. Wenn ihr kommt, sind wir vielleicht schon weg. Denn es geht nicht um uns. Wir wollen nur etwas ermöglichen. Vor allem eine öffentliche inhaltliche Diskussion, primär unter den (noch) in Duisburg aktiven KünstlerInnen und Kulturschaffenden“, hieß es im Verlauf des erwähnten Aufrufs.
Auch wenn es unter den Augen der Polizei am besagten Abend bei einer gemäßigten Open-Air-Party blieb, bleibt festzuhalten: Die Frustration über den kulturellen Kahlschlag in Duisburg nimmt zu. Eine Entscheidung um die Zukunft des Standorts Hundertmeister muss
ebenso zeitnah erfolgen, wie ein tragbares Zukunftskonzept für das seit Monaten von einer verschärften Sperrstunde betroffene Djäzz.
Denn wenn sich die Stadt mit ihrem seit der Loveparade weitestgehend mit der Rettung der eigenen Karriere beschäftigten Oberbürgermeister Adolf Sauerland nicht ganz schnell etwas einfallen lässt, um die erhitzte Stimmung abzukühlen, ja dann bleibt eigentlich nur noch das Warten auf den großen Knall. Soll nur hinterher keiner sagen, man hätte nicht davor gewarnt…
Foto oben: Michael Blatt
Fotos aus Duisburg-Marxloh: Peter Erik Hillenbach
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Die Gründe dafür sind vielfältig. Sei es der kontinuierliche Einwohnerschwund oder die im Vergleich zum Durchschnitt exorbitant hohe Arbeitslosenzahl. Doch vor allem ist Duisburg ein exemplarisches Beispiel dafür, dass bankrotte Städte, begleitet von der Misswirtschaft ihrer politischen Handlungsträger, in ihrer Ideenlosigkeit nicht zuletzt bei der Kultur sparen.
Hundertmeister geschlossen

Die Kunst-Oase ist dicht. Foto: Peter Erik Hillenbach
Dass allerdings die städtische Immobilientochter Gebag als Vermieter der Räumlichkeiten mit ihrer Entscheidung, dem wankenden Verein fortan nicht mehr die Mietkosten zu erlassen, das Aus besiegelte, eine ganz andere. Damit nicht genug.
Gebag in Turbulenzen
Denn obwohl spätestens nach Einleitung des Insolvenzverfahrens klar war, dass das Hundertmeister in seiner bestehenden Form keine Zukunft mehr hat, ist die Gebag, die sich derzeit vor allem im Kontext der zu übernehmenden Mehrkosten beim Bau eines Kunst-Quaders auf dem Dach des Museums Küppersmühle in Turbulenzen befindet, nicht in der Lage, die Dellplatz-Immobilie an Investoren aus der Privatwirtschaft, die schon vor Monaten ihr Interesse an der Immobilie bekundet hatten, neu zu vermieten.

Es herrscht Ratlosigkeit in Duisburg. Foto: Peter Erik Hillenbach
Besetzung nicht ausgeschlossen
Bereits zweimal stand das leer stehende Gebäude zuletzt kurz vor einer Besetzung. Ausgangspunkte am 1. und 15. Juli waren jeweils als Flashmob deklarierte Demonstrationen, die auf die „katastrophale Lage der Duisburger Kulturlandschaft“ aufmerksam machen wollten. Zu Monatsbeginn gab es zunächst den „einfachen“ Plan per Schlüssel in die Räumlichkeiten zu gelangen, doch waren die Schlösser zu diesem Zeitpunkt bereits ausgetauscht.

Leerstand in Duisburg-Marxloh, Foto: Peter Erik Hillenbach
Initiativen wie der Verein Mustermensch oder die Kampagne „DU it yourself“ streiten öffentlich für ein selbstverwaltetes Zentrum, andere Aktivisten agieren aus der Anonymität heraus.
Anonyme Türöffner
"Wir haben keine fertigen Strategien in unserer Schublade. Und wir wollen uns nicht mit wem auch immer um ein Haus prügeln. Wenn ihr kommt, sind wir vielleicht schon weg. Denn es geht nicht um uns. Wir wollen nur etwas ermöglichen. Vor allem eine öffentliche inhaltliche Diskussion, primär unter den (noch) in Duisburg aktiven KünstlerInnen und Kulturschaffenden“, hieß es im Verlauf des erwähnten Aufrufs.
Auch wenn es unter den Augen der Polizei am besagten Abend bei einer gemäßigten Open-Air-Party blieb, bleibt festzuhalten: Die Frustration über den kulturellen Kahlschlag in Duisburg nimmt zu. Eine Entscheidung um die Zukunft des Standorts Hundertmeister muss

Eine Möglichkeit die Leerstände zu nutzen. Foto: Peter Erik Hillenbach
Denn wenn sich die Stadt mit ihrem seit der Loveparade weitestgehend mit der Rettung der eigenen Karriere beschäftigten Oberbürgermeister Adolf Sauerland nicht ganz schnell etwas einfallen lässt, um die erhitzte Stimmung abzukühlen, ja dann bleibt eigentlich nur noch das Warten auf den großen Knall. Soll nur hinterher keiner sagen, man hätte nicht davor gewarnt…
Foto oben: Michael Blatt
Fotos aus Duisburg-Marxloh: Peter Erik Hillenbach
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Mi, 20.07.2011
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