
DU it yourself besetzt Gebäude - Stadt Duisburg antwortet mit Polizeihundertschaft
Interview mit Aktivisten-Sprecher und Video von der Räumungsaufforderung
Die Initiative DU it yourself hat heute Morgen ein Zeichen gegen das endlose Warten auf ein soziokulturelles Zentrum in Duisburg gesetzt und die seit drei Jahren leer stehende Hauptschule im Stadtteil Laar besetzt. Unter dem Titel "Aktionswoche - Leerstand beleben" wollte die Gruppe zunächst bis Freitag ein Kulturprogramm anbieten und mit Anwohnern ins Gespräch kommen.
Am Abend hat allerdings eine Polizeihundertschaft das Gebäude umstellt und die Aktivisten auf Weisung der Stadtverantwortlichen zum Verlassen gezwungen. DU it yourself-Sprecher Oliver verurteilte diese Option bereits am Nachmittag im 2010LAB-Interview als Skandal.
Wie fühlt es sich an, ein Gebäude besetzt zu haben?
Gut. Es ist ein Gebäude, das noch gut in Schuss ist und seit drei Jahren leer steht. Mit den Leuten hier vor Ort lässt es sich schnell beleben. Strom ist bereits da und mit ein wenig Phantasie und Einsatz lässt sich schnell etwas auf die Beine stellen.
Welche Faktoren waren ausschlaggebend dafür, dass ihr diese ehemalige Schule in Laar ausgewählt habt?
Im Endeffekt war es ein Zeitungsartikel in der WAZ, die den Leerstand offen deklariert und noch eine wunderbare Foto-Story dazu hatte. In ihr war hervorragend dokumentiert, was hier für ein Schatz liegt. Es war kaum gesichert und wir konnten hier einfach reinspazieren.
Wie miserabel muss die Kultursituation in Duisburg sein, dass ihr euch zu diesem Schritt entschlossen habt?
Was in den letzten Jahren so passiert ist, ist ziemlich desaströs. Man weiß gar nicht wo man anfangen soll und da hat die Stadt wirklich eine sehr negative Rolle gespielt. Das Lokal Harmonie, ein kleiner Laden in Ruhrort, ist während der Kulturhauptstadt noch als das große Projekt hochgehalten worden. Kaum ist das Jahr vorbei, gibt es Auflagen und Knüppel in die Beine geworfen. Zuvor das soziokulturelle Zentrum T5, bei dem es zwar zum Teil berechtigte Auflagen vom Bauamt gegeben hat, aber die Stadt keinerlei Kooperation gezeigt oder Hilfestellung geleistet hat. Es gibt so viel leer stehende Räume in Duisburg.
Allein auf dem Weg von der Straßenbahnhaltestelle bis hierhin stand jedes zweite Ladenlokal leer.
Gerade diese Hauptstraße hier ist „sehr beeindruckend“. Deshalb ist das hier genau das richtige. Es ist städtisches Eigentum, zu dem sich über Kontakte zur Stadt Duisburg kein Zugang herstellen ließ. Es fehlt an der nötigen Unterstützung. Es hat lange Zeit Versuche durch den Verein „Mustermensch“, der das T5 betrieben hat und Träger der freien Jugendhilfe ist. Es gab eine gewisse Akzeptanz auf Seiten der Stadt, aber es kommt nichts Substanzielles. Wir haben auf verschiedenen Ebenen das Gespräch gesucht.
Dies ist jetzt das Resultat einer Frustration, die auf der Verhandlungsebene mit der Stadt entsteht. DU it yourself hat den Ansatz zu sagen: Wir nehmen uns die Freiräume dort wo sie sind und wo wir sie gebrauchen können.
Das Credo von DU it yourself…
Verlass dich nicht darauf, dass dir jemand hilft, sondern komm selber in die Pötte und such dir ein Umfeld, in dem du etwas aufbauen kannst. Es gibt genug Möglichkeiten.
Was wären die Pläne und Projekte der nächsten Tage hier vor Ort?
Wir wollen die Räume als ein Zentrum öffnen, dass auch für die Bewohner im Stadtteil da ist. Heißt, einen offenen Raum schaffen, um eine Diskussion in Gang zu setzen, was in Duisburg passieren muss, wo Bedarf besteht. Die Vorstellungen von DU it yourself schlagen sich in Teilen des Programms wieder. Wir zeigen am Sonntag einen Film über das sozial-politische Thema „Recht auf Stadt“. Für Montag ist eine Diskussionsveranstaltung mit Duisburger Kulturschaffenden geplant.
Du hast den Kontakt mit den Bewohnern der Umgebung angesprochen. Wie groß sind die Chancen, dass von Seiten der Nachbarschaft überhaupt ein Interesse an eurer Aktion besteht?
Das wissen wir nicht so genau, da es für uns auch das erste Mal ist. Wir haben Flugblätter an Anwohner verteilt, in denen wir klar machen, dass wir etwas für den Stadtteil leisten und nicht als Ufo landen und abgeschottet unser Ding durchziehen wollen. Da gilt es in Gesprächen programmatisch den richtigen Punkt zu treffen. Die erste Reaktion kam vom ehemaligen Hausmeister, der für die Schule verantwortlich war. Er zeigte sich schwer begeistert davon, dass überhaupt mal etwas mit dem Gebäude passiert.
Mit welcher Reaktion rechnet ihr seitens der Stadt?
Wir haben einige Argumente auf unserer Seite. Das Gebäude steht seit drei Jahren leer, verfällt und wird nicht genutzt. Außerdem werden Möglichkeiten, Kultur für kleines Geld zu machen, boykottiert oder sabotiert. Generell heißt es, es sei kein Geld da, für kulturelle und soziale Einrichtungen wird kein Geld mehr in die Hand genommen. An dieser Stelle organisieren sich Leute selbst und kosten kein Geld. Wenn die Stadt Duisburg da noch nichtmal ein Gebäude zur Verfügung stellen will, wäre das ein ziemlicher Skandal.
Natürlich muss man sich darauf vorbereiten, dass dies die Reaktion der Stadt sein konnte. Aber wir sind jetzt erstmal hier drin und versuchen die Macht des Faktischen auszunutzen.
Die Stadt könnte die Besetzung als Provokation ansehen und noch weniger Willen zeigen, dem Ruf nach einem sozio-kulturellen Zentrum nachzukommen.
Natürlich ist es eine Offensive unsererseits. Damit muss man aber ab einem gewissen Zeitpunkt der Ignoranz von Seiten der Stadt einfach rechnen. Meiner Meinung ist es an der Zeit Klartext zu reden, dass man sich das nicht mehr gefallen lässt.
Habt ihr zum aktuellen Zeitpunkt Ideen, wie es nach Abschluss der Aktionswoche am Freitag weitergehen könnte?
Wir wollen uns erstmal alles offen halten, gucken wie der Stadtteil auf die Aktion reagiert. Gegenüber der Stadt Duisburg würden wir schon eine härtere Nummer fahren, aber gegenüber den Anwohnern wollen wir ein kooperatives und verträgliches Miteinander haben. Deswegen gucken wir zunächst eine Woche lang, wie es läuft.
Heißt, dieser Standort wäre unter Umständen auch längerfristig attraktiv.
Auf jeden Fall. Die Infrastruktur ist gegeben und eine alternative Nutzung des Gebäudes scheint derzeit nicht vorhanden zu sein.
Das geplante Programm der Aktionswoche
Video vom Polizeieinsatz:
Verhandlung Plenum Besetzung Duisburg-Laar am 3.12 mit Polizei und Uwe Rohde from Alfred All on Vimeo.
Fotos: Michael Blatt
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Und dann wird sich ja wieder zeigen...