Vom 22.-24.6. sind alle, die Interesse an der (kulturellen) Entwicklung des Ruhrgebiets haben, zur Konferenz "Recht auf Stadt" nach Duisburg-Ruhrort eingeladen. Drei Tage hat sich der überregionale Zusammenschluss aus DU erhältst Kultur, Netzwerk X, Traumzeitretter e.V., Neuanfang Duisburg und dem Kreativkreis Ruhrort genommen, um gemeinsam mit allen Interessierten Strategien zur Stadt- & Kulturerhaltung zu entwickeln.
'Recht auf Stadt' – was heißt das im Ruhrgebiet?

In welcher Stadt wollen wir leben? (c) uzdortmund.blogsport.de/
In den Vorüberlegungen zur Konferenz heißt es: "Wir leben [...] im Paradies der Leerstände, Mieten sind meist moderat, Internet gibt’s auch, die öffentliche Infrastruktur funktioniert noch leidlich." Gentrifizierung ist im Ruhrgebiet zurzeit nur ein Thema an der Peripherie. Statt Wohn- und Raumproblemen à la Hamburg oder Berlin ist das Ruhrgebiet Shrinking City und Brachfläche. Die Leerstände in den acht größten Ruhrgebietsstädten summieren sich zu einer neunten Stadt (Davy et al. 2004 Pdf-Link). Leerstand und Abwanderung prägen somit das Ruhrgebiet und insbesondere die Stadt Duisburg erlebt "einen Verlust von Urbanität" (du-kultur).
Kulturabbau – Untätige Verwaltungen & Tränenlisten

Aktion gegen die Opernschließung in Duisburg (c) traumzeitretter.de
In der Kultur wird undifferenziert gespart und (weg)gestaltet. In Duisburg lässt sich beobachten, wie durch Untätigkeit, u.a. des Kulturdezernenten Karl Janssen, nicht nur erfolgsversprechende Projekte ausgesessen wurden (siehe: Theaterschiff von TAD), sondern Kultur abgebaut und Widerstand entfacht wurde. Neben der Schließung des einzigen soziokulturellen Zentrums Hundertmeister (in Essen gibt es bspw. zwei davon: Zeche Carl & Grend), soll auch die Oper den Infarkt erleiden soll. Dazu kommt die peinliche Auseinandersetzung um das Ende des Traumzeit-Festivals. Die Initiative Traumzeitretter hat diesen Prozess von Anfang an begleitet und hat, wie andere in Duisburg und dem Ruhrgebiet, die Erfahrung gemacht, dass der gute Wille, der von Seiten der Verwaltung, Politik und Förderinstitutionen oft beteuert wird, teils in reziprokem Verhältnis zu den Taten steht. Am Ende stehen an der Stelle neuer Strategien zumeist besagte Tränenlisten.
Konsequenz: Konferenz 'Recht auf Stadt'

,Recht auf Stadt' bei UZ-Dortmund (c) uzdortmund.blogsport.de/
In fünf Arbeitskreisen, zahlreichen Impulsvorträgen und einer abschließenden Podiumsdiskussion wird den Themen nun am Wochenende, im Ruhrorter-Gemeindehaus, welches von der Firma Haniel zur Verfügung gestellt wurde, zu Leibe gerückt. Die Mitarbeit in den Arbeitskreisen ist für alle Interessierte offen. "Wir wollen in den Arbeitskreisen Forderungen und Lösungen entwickeln, die dann unter anderem im Rahmen der Podiumsdiskussion diskutiert werden," sagt Stefan Schroer von DU-erhältst-Kultur. Ein verspäteter Einstieg am Samstag ist möglich.
Für die Impulsvorträge haben sich u.a. Tim Isfort, Nesrin Tanç und Jonas Füllner vom Hamburger Netzwerk "Recht auf Stadt" angekündigt.
Für die Podiumsdiskussion hat sich Jürgen Fischer vom Regionalverband-Ruhr angesagt. Die Moderation übernimmt Stefan Laurin.
Im Rahmenprogramm gibt es zudem zwei Filmbeiträge: “Das Gespenst Freie Szene in Duisburg” von Benedikt Postler und "creativity and the capitalist city. the struggle for affordable space in amsterdam." von Tino Buchholz.
Die Konferenz beginnt am Freitag, den 22.6.2012 um 16 Uhr. Alle Infos auf: du-kultur.de