KünstlerInnen und OrganisatorInnen vor Petersburger Hängung von Franz Lun (c) J.

Dortmunder "Westwerk" lädt ein: Ausstellung, Theater & Musik

Ein schöner Ort, noch dieses Wochenende

In der Halle des Union-Gewerbehofs im Dortmunder Westviertel endet das Stipendiatenprogramm „Westwerk“ mit viel Schönheit, die von der Wehmut, dass ab Februar die Halle für die freie Kunst nicht mehr zur Verfügung steht, getrübt wird. Ausstellung, Theater und Musik und viel Gemeinschaftsgefühl als Abschluss eines wegweisenden Projekts. Eine Einladung zum Abschlussfest und ein Kommentar zum Ende eines schönen Orts.

Internationale MAFRANITI –  so der selbstgewählte Name der vier bildenden KünstlerInnen, die sich für die letzten drei Monate Arbeits- & Wohnräume in und an der Atelierhalle teilten. Die experimentelle „Zwangsvermählung“ der vier KünstlerInnen ist geglückt – MAFRANITI ist ein Akronym aus den Vornamen der KünstlerInnen und drückt den Wunsch der Gruppe aus „mit den in Dortmund entstandenen Arbeiten an anderen Orten gemeinsam auszustellen.“ (Zitat Webseite).

Neben MArta Colombo (I/D), FRAnz Lun (A), NIcolas Dellamartina (A), TImo Klos (D), die die Ergebnisse ihrer Arbeit ab dem heutigen Freitag in einer gemeinsamen Ausstellung präsentieren, probten auch Melanie Schmitt-Nagler und ihr Theater Lebendich, das Ensemble Infernum unter der Leitung von Manuel Schmitt und der Kulturgrube e.V. in der Atelierhalle. Das Ende der Nutzung der Halle bedeutet für die Gruppen auch eine erneute Suche nach Probe- & Aufführungsräumen.

Zum Abschluss: Ausstellung, Musik & Theater
Malerei von Nicolas Dellamartina (c) J. Hendricksen
Malerei von Nicolas Dellamartina (c) J. Hendricksen
Zum Abschluss des „Westwerk“ gibt es nicht nur eine Ausstellung, sondern auch gleich zwei Theateraufführungen zu sehen. Am Samstag „Macbeth – Nachtmahr“ vom Ensemble Infernum und am Sonntag „8 Frauen“ vom Theater Lebendich. (Alle Infos und genaue Zeiten siehe unten). Dazu gibt es musikalische Darbietungen und die obligatorische Vernissage-Party.

 

Da war er mal: der schöne Ort in Dortmund!

Dem Verein „Neue Kolonie West e.V.“, der das Konzept „Westwerk“ mit finanzieller Unterstützung aus Stadtumbaumitteln realisiert hat, ist es gelungen, in der Atelierhalle im Union-Gewerbehof eine echte, kunstbezogene und zugleich soziale Experimentierfläche in Dortmund zu realisieren. Die KünstlerInnen berichten einstimmig davon, wie gut die künstlerische Kooperation funktioniert hat, aber auch, wie der Raum sich zum Anziehungspunkt für andere Kunstinteressierte entwickelt hat. „Die Neue Kolonie West ist ein als gemeinnüt­zig anerkannter Verein, das Westwerk ein nicht gewinn-orientiertes Vorhaben“, heißt es auf der Webseite des Vereins. Weiter heißt es

dort: "Kreativwirtschaft ist neben Metropole das Stichwort, unter dem spätestens seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 der Struktwandel an der Ruhr vorangetrieben werden soll." Wer das Projekt „Westwerk“ und viele andere in der „Neuen Kolonie West“ betrachtet, sieht, dass hier das Kreativwirtschaftslabel keine geeignete Brille ist, um die soziale Wirklichkeit zu erkennen.

Es ist eine eigentümliche Mischung aus Kunst und sozialem Anspruch, aus Ideen und Idealismus, die diese neuen Existenzformen künstlerisch-kuratorisch-sozialer Tätigkeit ausmacht, wie sie im Dortmunder Westend vorgemacht werden. Nun ist es zu spät, um diesen zukunftsweisenden Raum für Dortmund zu erhalten – die Atelierhalle hat bereits einen neuen, zahlungskräftigeren Nutzer.

Und dies ist eines der Dilemmata des Post-2010 Kulturgebiets: Während einerseits die Städte in traditionellen, bewährten Formen der Kulturförderung feststecken und so nicht die Möglichkeit haben, einigermaßen spontan entstehenden Initiativen unter die Arme zu greifen, verliert eine auf kreativwirtschaftliche Aspekte ausgerichtete Förderstruktur den Blick auf die Eigentlichkeit dieser wegweisenden Projekte.

Um die von allen gewünschte Belebung grauer Straßenzüge im Ruhrgebiet zu realisieren, muss den Städten und den angeschlossenen Förderstrukturen ein Blick auf den eigentümlichen Charakter wegweisender Projekte gelingen. Eine genaue Definition dafür steht noch aus, ein gemeinsamer Nenner ist jedoch klar: Die Projekte entstehen aus sozialen Bedürfnissen.

 

Termine "Internationale Mafraniti"

Rheinische Straße 143
44147 Dortmund

Freitag 27.01.2012
ERÖFFNUNG & PARTY
19 Uhr Eröffnung der Abschlussausstellung Westwerk
22 Uhr Die RAKETE (DJ Sadrowski, FrauGelmann, Salsa del Barrio, Bene Bavarese, DJ Sao Nicolao)

Samstag 28. 01. 2012
AUSSTELLUNG & THEATER
11–18 Uhr Ausstellung
15 Uhr Führung durch die Ausstellung (Sandra Dichtl, Kuratorin)
20–22 Uhr Theater: "Macbeth Nachtmahr" nach Shakespeare. Ensemble Infernum.
Bühnenbild: Franz Lun, Nicolas Dellamartina. Regie: Manuel Schmitt. Eintritt 12 € / 8 € ermässigt.

Sonntag 29.01.2012
AUSSTELLUNG & THEATER
11–18 Uhr Ausstellung
15.30 Uhr "Vom Untergang zum Neuanfang – eine literarische Reise"
Lesung der "Kulturgrube“
19–19.30 Uhr Theater: "8 Frauen" nach Francois Ozon.
Bühnenbild: Nicolas Dellamartina.
Regie: Melanie Schmitt-Nagler. Bitte in Abendgarderobe, 10 €

 

 

Alle Infos auch auf: neuekoloniewest.de

Fr, 27.01.2012 0

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27.02.2010

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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