
Sing - Day of Song - Ding a dong for me before I go to Athens
Samstag, 5. Juni 2010. !Sing – Day of Song. Dieses Mal aber nicht das größte Kunstwerk der Welt, sondern ein für das Revier einmaliges Gesangserlebnis. Am 1. Juli feiern wir „Hang – Day of hangingaround!“ und würden uns wünschen, dass an jenem Tag alle Ruhrgebietler und deren Gäste abhängen, und zwar offensiv. Nix tun. N bisken denken. Wird aber nicht klappen, da uns die Kampagne fehlt.
Chorchorchor!
Ich sitze im Kleingarten und lausche. Hört man all die Chöre bis hierher? Trägt der Wind den Gesang der Männer und Frauen, Kinder und Hunde hierher? Auf den Plätzen, in den Fußgängerzonen geht es ab 12.10 Uhr nur um eins: Singe, auch, wem nicht Gesang gegeben. Böse Menschen haben keine Lieder. Vom Abgesang bis hin zum „Frisch auf“…eh „Glückauf“, alles tönt und alles formiert sich. Die Glocken läuten dort, wo es welche gibt. Ich hör nix in der Nordstadt. Was ist mit den Moscheen?
Chorchorchor
Der Chor der Gewerkschaften, der Chor „Ich ess nur Schnitzel“, die Singgemeinschaft Bockenberg-Höllenklopp, die Vereine „Stimmgabel“, „Mistgabel“ und „Frischauf und Jung“, die Chorgemeinschaft der Bäcker und Konditoren, der Fleischerinnung, des Bundes der Vertriebenen, des Bundes der Verbliebenen, Gesangverein Dicke Lippe, ebenso wie der Chor der Diabetiker und Asthmatiker, alle stehen sie parat, um den Day of Sond mit voller Kehlenkraft zu zelebrieren. Mikrofone aus aller Welt halten es fest. Die Männer vom Männerchor Hamminkeln singen „Heimatlos“, der Dinslakener Zwitscherclub schmettert „Oh happy day“, die Holzwickeder Kellerasseln versuchen sich ans „Ave Maria“ und die ehemaligen der Zeche Wilhelmine Viktoria singen „Wilhelmine Viktoria“.
Gotthilf
Oben auf dem Fernsehturm steht Gotthilf Fischer und dirigiert. Man hat ihn nicht gefragt, den fidelen alten Mann. Nun übernimmt er undercover das Kommando und selbst die vorbeifliegenden Singvögel singen nach seinem Dirigat. Nach all den Sangesfreuden werden tausende von Liter Bier die Kehlen abkühlen und manchen Chorbruder in Trance versetzen oder sich dem Hitzschlag zu stellen, bevor der Herzschlag zuschlägt.
Schaaaalke!
Ich werde zum ersten Mal die Veltins-Arena betreten und Zeuge sein.
Morgen früh bin ich dann per Lufthansa unterwegs ins Land der Hellenen. Ich werde ausführlich berichten, aber leider erst wieder am kommenden Dienstag.
Frei stehende Pianos
Bis dahin also gedenkt aller, die sich aufopfernd den Leidenden widmen. Betet für die bessere Welt, in der nur noch gesungen wird oder musiziert. Wer die Tuba bläst, kann nicht knüppeln.
Stellt Instrumente auf anstatt Raketen!
Das ist in Dortmund geschehen. Überall in der City stehen Klaviere, die von leichtsinnigen Musikhassern zur Verfügung gestellt werden. Jeder kann dort drauf herum klimpern, dass es eine Freude ist. Nur nicht für den Vorbeihuschenden. Es ist eine Schinderei. Hätte man dazu noch Violinen und Trompeten verteilt, wäre das Elend groß und jeder würde erkennen, was es ausmacht, einem Könner zuzuhören. Aber Klimpern gehört zum Geschäft. Da bevorzuge ich den Chor, der immer ein paar gesellige Nichtsänger mitschleppen kann. Oh Lord!
Live und überwältigend
Das war wahrlich ein Erlebnis: Mein erster Besuch in der Veltins-Arena, ohne dass gröhlende Ballsportfans die akustische Ästhetik demolieren. Hier wird gesungen was das Zeug hält. Steven Sloane hebt vor Glück ab, als die tausenden von Sängern dirigiert, dazu die Philharmoniker. Und Herberts Lieg klingt mit Orchester und Chor besser als mit dem Sologesang. Viel Klassik, wenig allgemeines Liedgut für die Traditionskehlen. 50000 Fans des Ruhrgebiets, so kann man das sehen.
Grandiose Stimmung und Bobby McFerrin schafft es, kompliziertes Material in die Chöre zu hypnotisieren. Und eine Überraschung. Sloane lässt einen Kanon probieren. „Zuerst die Schalke-Fans“ und ein mächtiger Chor erhebt sich, ein paar Pfiffe. „Jetzt die Borussia-Fans“ und es wird tatsächlich lauter und die Pfiffe gehen unter. 1:0 für Dortmund. Es kommt nicht zu Ausschreitungen. Singend und beschwingt fahren die Leute in ihre Wohnungen zurück und hängen ab. Näheres in einem Extra-Artikel über !Sing-Day of Song hier auf diesem Sender.
Bis Dienstagnacht
Ihr Chronist
Weiter Links:
- !SING - DAY OF SONG: Bobby McFerrin und der Klangkörper der Massen
- Chorprojekt "!Sing" - Reaktivierung einer Alltagskultur
- !Sing - Day of Song - der Singvirus
- Glückauf, lieber Götterfunken, Glückauf!
Kommentar hinzufügen
Ähnliche Beiträge
Thema
Stadt
Branche
Aktuelle Tweets




























