DieRedaktion.de - Neue Verkaufsplattform für Autoren

Für viele freie Journalisten und Autoren wird es zunehmend schwieriger, ihre Texte an Redaktionen und Verlage zu verkaufen. Jetzt bietet die Deutsche Post eine B2B-Plattform an, auf der Autoren ihre Werke anbieten und Unternehmen eben diese Werke ankaufen können: DieRedaktion.de

Ganz neu ist diese Idee nicht. Bis vor kurzem gab es noch den „Onlineshop für Qualitätsjournalismus – Spredder“. Und richtig: Spredder ist mit „DieRedaktion“ fusioniert. Seit März 2011 steht die neue Plattform Textern offen – vorausgesetzt, es handelt sich dabei um professionelle Journalisten und Autoren, die sich entsprechend legitimieren können.

Notiz: Texte zu verkaufen Foto: Holger Steffens
Notiz: Texte zu verkaufen Foto: Holger Steffens
Einen entscheidenden Vorteil bietet die Börse: Die Möglichkeit, bereits erschienene Texte zur Zweitverwertung anzubieten. Nicht selten liegen Artikel, die bereits in einem Medium erschienen sind, beim Autor fürderhin auf Halde und verschwinden in längst vergessenen Ordnern einer Festplatte. Meist aus zwei Gründen: Die Knebelverträge der Verlage verlangen von den Autoren das alleinige Verwertungsrecht, oder die Kaltakquise in weiteren Redaktionen ist schlichtweg zu zeitaufwendig und birgt zu geringe Aussicht auf Erfolg.

Was also liegt eher auf der Hand, als bereits erschienene oder schreibfrische Texte auf DieRedaktion.de feilzubieten und sich händereibend vors Telefon zu setzen und abzuwarten, wer von den Redaktionen als erstes auf Thema und Text aufmerksam wird. Ganz einfach. Eigentlich. Allerdings hat Qualitätsjournalismus auch seinen Preis, und den muss er auch haben. Zahlen sollen jedoch zunächst einmal die Anbieter. Zwar ist die Börse bis Ende 2011 für Texter noch kostenlos, ab 2012 wird dagegen eine Jahresgebühr von 72 Euro fällig.
 

Zweifache Gebühren für Anbieter


Notiz: Honorar UB Foto: Holger Steffens
Notiz: Honorar UB Foto: Holger Steffens
Hmm. Klingt fair. Das war es aber noch nicht. Verkauft man einen Text – dessen Honorar übrigens frei verhandelt werden kann – wird eine Provision von 30% fällig, die an DieRedaktion.de gezahlt werden muss. Erhält ein Autor einen Auftrag über die Plattform, sind immerhin noch 15% des Auftragsvolumens fällig. Gegenleistung der Post: Die Aufträge gelten als verbindlich und die Honorare werden über ein eigens eingerichtetes Abrechnungsverfahren auch sicher überwiesen. Spätestens aber bei dem Doppelpass aus Jahresbeitrag und Provision wird der eine oder andere Autor Bauchschmerzen bekommen.

Doch was sagt der Zwischenstand nach rund fünf Monaten online? Rund 1700 freie Journalisten haben bislang den Weg in DieRedaktion.de gefunden und dort ihre Profile mit Texten angelegt. Mehr als 10.000 Artikel in insgesamt 17 Ressorts finden sich inzwischen in der Suchmaske. Eine Übersicht angemeldeter Redaktionen, Verlage oder Unternehmen findet sich allerdings nicht.

Dafür aber eine Übersicht der von Unternehmen angebotenen Aufträge an Autoren; und die Übersicht ist schnell gewonnen: Zwei Aufträge sind in der Offerte, einer davon vom Presse Service der Deutsche Post AG höchstpersönlich. Man geht also mit gutem Beispiel voran.
Zugegeben – etwas ernüchternd. Aber vielleicht verkaufen die Autoren ja inzwischen ordentlich Texte. Die Nachfrage in der Konzernkommunikation der Post allerdings bleibt zurückhaltend beantwortet. Zwar sei man mit Entwicklung der Plattform sehr zufrieden, genau Vermittlungszahlen wolle man aber mit Hinweis auf die Aufbauphase erst gegen Ende des Jahres nennen.



Aufbauphase


Ach ja. Aufbauphase. Einige Features der Seite sind sicherlich noch nicht ganz fertig und ausgebaut. Erfreulich jedoch, dass die Post ein Forum eingerichtet hat, in dem Mitglieder Themenvorschläge unterbreiten oder Verbesserungsvorschläge machen können, die vom Redaktionsteam auch gelesen und kommentiert werden. Insgesamt gibt man sich bei DieRedaktion.de sehr offen für Anregungen und die Bedürfnisse der Autoren – ein großer Pluspunkt.

Insgesamt geht die Post mit der Onlineredaktion in die richtige Richtung, denn die Not der Redaktionen sowie auch der freien Autoren wird auch künftig sicherlich nicht unbedingt geringer. Doch der Aufbau eines solchen Konstrukts braucht auch seine Zeit und die sollte man der Post geben. Der unschlagbare Vorteil: Ein Unternehmen wie die Deutsche Post AG hat einen ausreichend langen Atem und vor allem auch die finanziellen Möglichkeiten, das Projekt langfristig auszurichten. Wünschen wir also alles Gute!



Fotos: Holger Steffens
Mi, 10.08.2011 0

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24.02.2010

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