Die Rückseite der A40

Das flüchtige Ereignis ist fast schon in den Archiven verschwunden – nach nur 24 Stunden. Abgesehen von tausenden, die immer noch benommen sind, hat der Alltag Einzug gehalten. Das einzig wirklich Verbindende in der Region ist eine Autobahn. Mal abgesehen von der immer wieder bemühten Geschichte der Industrie, des Bergbaus, bleibt die A40. Sonst nichts, denn die Kulturhauptstadt geht zu Ende und somit auch die temporären Kooperationen. Die Kämpfe unter den Rathäusern gehen weiter. Niemand will Oberhausen sein.

Sehnsucht

Es war der klare Beweis: Die Sehnsucht nach Verbindendem, nach definierter Heimat, das trieb viele zum großen Stelldichein auf der Straße. Wo man sonst in den Wohnblöcken ein Schwätzchen gehalten hat, aus dem Fenster hängend oder als Einkaufsrast, da ist heute kaum noch Kommunikation. Die A40 als Kommunikationsschneise zwischen den anonymen Wohnsystemen, sie hat Fußgänger verlockt, ansonsten verbotenes Revier zu betreten und dies sich zu eigen zu machen.

No go area

Allerdings ist mir aufgefallen (Bitte melden, wenn es an anderer Stelle anders war), dass kaum türkische Mitbürger zu sehen waren. Überhaupt fehlten die migrantischen Hintergründe an den Tischen und auf dem Asphalt. Vereinzelte Still-Leben-Teilnehmer aus diesem Bürgerfeld fielen geradezu auf. Zeigt das nur, dass sie diese Straße nicht als Heimat annehmen oder zeigt es, dass die Feierlichkeiten an ihnen vorbeigehen oder ignoriert werden? Komisch eigentlich, aber deutlich sichtbar. No go area for the migrants? Hier hätte man das Miteinander deutlich machen können. Aber wahrscheinlich lesen sie andere Zeitungen und schauen andere Fernsehprogramme.

Still-Leben als Stillstand

Überliefert wurde mir heute, Pleitgen habe gesagt: „Nachhaltigkeit durch Einmaligkeit“. Das wäre ja ziemlich lustig auf den Punkt gebracht. Wenn dies hieße, die Erwartung der Bürger sei dadurch erhöht worden, dann mal los! Dann könnte man sich vorstellen, die A40 als besetztes Protestgebiet zu vereinnahmen. Genug kennen sie ja jetzt und wissen um die geheimen Zugänge.

Oder reicht es, wenn wir feine Erlebnisse im Gedächtnis behalten? Es gilt immer noch, viele Stillstehenden in den Kommunen auf die Piste zu schicken. Wenn ich an die Kommunikationsfreudigkeit mancher „Beauftragter“ denke, dann wird mit schwarz vor Augen, und zwar nachhaltig. Da gibt es jetzt schon aus allen Ecken das große „Nein“, fragt man nach Veranstaltungen im nächsten Jahr, die Nachhaltigkeit umsetzen würden.
 

Teaserfoto: René Bogdanski

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Mo, 19.07.2010 4

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Kommentare

bunter abschnitt

Wir warten schon viel zu lane auf eine gemeinsame Sache im Pott. Alles wird verzögert und verschoben. Erleben wir noch einen Wandel? Sie, junger Mensch, vielleicht! Ich will es jetzt und heftig!

Ein bunter Abschnitt

Ich war an einem Abschnitt der A40 eingesetzt, wo sich die Menschen bunt gemischt hatten. Ob aus nah oder Fern, es war einfach nur ein großes Familienfest. Die Gastfreundschaft der Odyssee lebte dort wieder auf. Fremden Menschen trafen sich, sprachen und genossen das Gespräch...
Solche Events müssen auch über 2010 hinaus das Ruhrgebiet beflügeln.

Und wir werden über 2010 hinaus einen überregionalen Kulturbetrieb benötigen, der gerade in Zeiten immer schmaler werdender öffentlicher Mittel einen Kulturbetrieb in der Metropole Ruhr aufrecht erhält. Nur gemeinsam können wir den Gedanken der Metropole Ruhr und vielleicht in vielen Jahren auch einer Ruhrgebietsstadt vorantragen...
Die Menschen im Ruhrgebiet haben in den letzten Monaten gezeigt, was Sie so alles auf die Beine stellen können.

Liebe Grüße
RuhrVolunteer

hintergrund

so musset aber nich sein. Gemeinsamkeit ist doch eine dicke Drohung.

hintergrund

ist mir auch aufgefallen mit den fehlenden 20 % aus anderen Nationen. Zugleich ist mir das Fehlen der typischen Oberkörperfrei, Bierkanne Pöbel Vollasis, die einem auf normalen Straßenfesten begegnen. Eher ein familienfreundliches Fest in allen Facetten, gewissermaßen die Mitte trifft sich entlang der Mittelachse des Ruhrgebiets. Wenn aber dieses Fest bleibt von 2010 ist das doch etwas dünn. Zumal sicher alle zurückkehren zu ihren eigenen lokalen Kämpfchen um Töpfchen mit Geld. Zu erahnen schon in der Debatte um eine Weiterführung der Ruhr2010 Organisation über das Jahresende hinaus und eine (zusätzlich) zentrale Kulturarbeit. So isset eben....

Über den Autor

03.03.2010

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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