Die "Official Protesters" der Olympiade

Eine satirische Betrachtung der Sponsoren der Spiele

Vielleicht haben Sie bereits gehört (und lachen über die Ironie), dass McDonald's das offizielle Restaurant der Olympischen Spiele ist aber kennen Sie schon die "Official Protesters" [die offiziellen Demonstranten; Anm. d. Übers.]?

 

Anarchitekten nehmen sich die Olympiade vor

Die Official Protesters der Olympischen Spiele 2012 in London nehmen den Sportsgeist der Spiele an, indem sie ein Element der Olympiade für sich beanspruchen und dann ein Konzept daraus stricken. Ausgeheckt von den "Space Hijackers", die sich selbst als Anarchitekten "im Kampf gegen das kontinuierliche gewaltsame Vordringen von Institutionen, Konzernen und Städteplanern" bezeichnen und deren Leitbild darin besteht, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die weniger wohlschmeckenden Aspekte der Olympiade zu lenken.

Auf der Website präsentieren sich die Mitglieder mit den T-Shirts der Firma in Parodie der fröhlichen Fotos, die auf den offiziellen Seiten der Sponsoren zu sehen sind (Cadbury liefert einige gute Beispiele dafür). In ähnlich satirischer Weise wird dort angemerkt, dass man sich "die Chance zu feiern und sich inspirieren zu lassen" nicht entgehen lassen solle – indem man am Protest teilnimmt, versteht sich.

 

 

Zehn Gründe für Protest

Doch im Ernst, ihre praktischen "zehn Gründe, warum es sich lohnt, gegen die Olympischen Spiele zu protestieren" skizzieren ihre Hauptthemen. Wie "Agent V" von den Space Hijackers, den ich in seinem 'Hauptquartier' in London traf, hervorhebt, sei die Gruppe nicht generell gegen Sport eingestellt, seien doch einige der Mitglieder aktive Fahrradfahrer, Triathleten und Cricket-Fans; man glaube einfach daran, dass 'jeder ein Teil davon sein sollte'. Sie sind jedoch gegen verschiedene Aspekte, wie die Spiele organisiert wurden – dabei besonders im Hinblick auf Unterbringung, öffentlichen Raum und geistiges Eigentum.

 

Marathon-Umsiedlung

Ein Aspekt, der für Verdruss sorgt, ist die Umsiedlung des Marathons von den Tower Hamlets im Osten Londons – einer der ärmsten Gegenden, die nichtsdestotrotz einen großen Anteil der benötigten Gelder für die Olympiade bereitgestellt hat – nach Pall Mall im Zentrum Londons. Gemäß Agent V und Autor Tim Williams, einem ehemaligen Berater der Regierung, liegt der Sinneswandel daran, dass das ursprünglich vorgesehene Areal als nicht "hübsch" genug erachtet wurde, obwohl Geld investiert wurde, um die zugegebenermaßen etwas schäbig anmutende Whitechapel High Street aufzupolieren.

 

Er führt die Entscheidung auf die Tourismusbehörde Visit London zurück, in deren Fokus es liegt, die "Postkarten"-Bereiche der Stadt weltweit im Fernsehen zu zeigen – und eben nicht die schäbigeren Bezirke, die ja doch nicht die "richtigen" Touristen anziehen würden. Tower Hamlets hat aufgrund dieser Planänderung jetzt offensichtlich Klage gegen das Olympische Komitee eingereicht.

 

Geistiges Eigentum auf die Spitze getrieben

Ein weiterer guter Grund für Protest sind die drakonischen Gesetze im Bereich des Urheberrechts und geistigen Eigentums, die zu absurden Verboten von Worten und Fragmenten wie "Olympics", "2012", "London Games" und "Twenty Twelve" geführt haben.

Neben der tragikomischen Absurdität, dass verschiedene griechische Cafes ihre Namen ändern mussten, obwohl sie mit Sicherheit schon vor den Spielen "Olympia" hießen, wurde Mitarbeitern von Konkurrenzfirmen sogar verboten, diese Worte in persönlichen E-Mails zu verwenden, als sei es möglich oder erstrebenswert, derartige Aussagen wie diese zu "besitzen".

 

Marken-Polizei

Nun ja, es ist tatsächlich möglich, solange Gesetze für diesen Zweck geschaffen werden und die Behörden bereits sind, sie umzusetzen – man ließ verlauten, dass ein "starkes Team einer Marken-Polizei speziell für die Olympischen Spiele zusammengestellt wurde, um die Einhaltung der Gesetze zu garantieren, die wesentlich strikter als andere Markengesetze sind." Und keins davon klingt besonders sportlich.

 

Twitter-Feed offline

Ebensowenig der gescheiterte Versuch des Olympischen Komitees, den Twitter Feed der Official Protesters abzuschalten, der unbeabsichtigt zu einem PR-Eigentor wurde, da die Follower-Zahl nach Bekanntwerden der Aktion von 50 auf 4.000 anstieg. Es scheint, als legten das Olympische Komitee und die offiziellen Sponsoren großen Wert auf einen gesunden Wettbewerb und Freiheit – solange es nach ihren eigenen Spielregeln läuft.

 

Mmmhhh... Freiheit schmeckt gut

In Würdigung eines breiter angelegten Verständnisses von Freiheit – in Form von Sprache und Protest und nicht nur der Freiheit, zwischen Cadbury und McDonald's entscheiden zu können, wenn man einen Snack mit viel Kalorien benötigt – experimentieren die Space Hijackers seit einiger Zeit mit aktiven Formen von Protest, der nicht unbedingt organisierte Aufmärsche oder Plakate mit sich bringt.

Ihre früheren Projekte waren z.B. die Circle Line Parties, Midnight Cricket in the City gegen Kapitalisten und ihre berüchtigten Aktionen während der G20-Demos im Jahr 2009, wo sie mit einem Panzer in die Protestmenge fuhren und dabei den Ritt der Walküren über die Lautsprecher ertönen ließen.

 

Mach mit!

Interessierte, die mitmachen und sich u.a. Tipps zur Erstellung ihres eigenen Protest-T-Shirts abholen möchten, können auf der Website Tickets zum Protest erwerben und regelmäßig Informationen zur "offiziellen Protest"-Premierenparty via Twitter Feed erhalten.

 

Bildmaterial (außer Cadbury): Space Highjackers

 

Do, 26.07.2012 0

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17.08.2011

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