Die neue "Heimatdesign" - Gedanken über das Ruhrgebiet von unten
- Serie: Kunst, Quergelesen
Wie immer liebevoll und engagiert gestaltet, da hat man was in der Hand, und als Mitbringsel aus dem Ruhrgebiet macht das hier oben an der Nordsee richtig Eindruck. „Was kriegste denn dafür?“ werde ich gefragt und kann sagen: „Nix. Die liegen bei uns einfach so aus. Zum Mitnehmen.“ Worauf erstaunt ein zweiter Blick auf das Magazin geworfen wird, durchgeblättert, bei einigen Bildern Halt gemacht.
Ein hochwertiger erster Eindruck. Und der Inhalt: Geschichten, Kommentare und Bilder rund um die Kulturhauptstadt und ihre Projekte. Über Hintermänner und -frauen, über Menschen, die gekommen sind, um zu bleiben, und welche, die es fort gezogen hat. Für immer oder nicht, wer weiß das schon.
Vielseitig ist das Ruhrgebiet: vom Komponisten, der nach Italien flüchtete, bis hin zu handfesten Rennradschmieden, Konzeptveranstaltungen und Menschen, die sich der Kulturhauptstadtprojekte angenommen haben, die keine werden sollten.
Gehört der Kraken dazu?
Viel Mode: für mich als einfacher, weiblicher Betrachter teilen sich Modestrecken nur in: schön, nicht schön, wer soll das denn tragen (Gehört der Kraken dazu? Muss ich den gießen? Stinkt der denn nicht bei nem Sommerfest? Da hat man gleich Gesprächsstoff!) und einem Strinrunzeln. Die Geschichten dazu allerdings lassen mich erkennen, von wie vielen Seiten man an Modedesign herangehen kann, was das alles zu bieten hat. Wie beim Schreiben, denke ich, jeder hat seinen Zugang, jedem sein Genre.
Heimaten
Eine Geschichte über eine, die nach NYC ging – hier kann ich mitdenken, mitreden, auch ich habe in meiner NewYork-Zeit viele getroffen, die irgendwo weggegangen sind, die in die „Mutter aller Städte“ kamen, um sich einen Traum zu erfüllen, oder weil sie alle anderen Träume schon verwirklicht haben. Die Idee, das Ruhrgebiet zu vergleichen mit dem Big Apple: da kommen wir an den selben Punkt: unmöglich. Für mich war es immer unmöglich, in NYC zu bleiben – im Ruhrgebiet bin ich ja schon geblieben, hier kenne ich mich aus, vielleicht ist das der Unterschied. Vielleicht ist das eben: Heimat.
Apropos: ein – versteht sich von selbst – häufiges Wort in dem Heft. Eine schöne Frage: warum es davon keinen Plural gibt. Meine Frage: warum gibt es dafür kein Verb? Das drückt eine Statik aus, die nicht einmal mit einbezieht, wie sehr sich die Region, die Stadt, das Land verändern kann, das man denn „Heimat“ nennt. Oder wenn man sich dann doch woanders eine aufbaut: „Ich heimate hierher.“
Gerührt auf der Ruhr
Ein Highlight für mich: die Geschichte übers Paddeln auf der Ruhr. Schöner Text, viel Heimat, viel Liebe dazu. Das Projekt, die gleiche Tour mit der Luftmatratze zu machen, sollte dann auch noch umgesetzt werden. Auf so einer kleinen Gummiinsel mit Palme. Und Martini. (sorry, mußte sein!)
Endlich etwas, das ich hier oben im Norden herum zeigen kann, das mich ein klein bißchen stolz sein läßt, da mitgemacht zu haben; das auch mir selbst wieder vor Augen führt, wie vielgestalt und beweglich das Ruhrgebiet sein kann: wenn man mit dem rechten Geist heran geht.
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hast du es schon?
Lieber Gast,
hast du das Heft von Heimatdesign schon? Und wie ist es ganz real?
Viele Grüße in die Hitze
Bernd
Das Heft liegt kostenlos im
Das Heft liegt kostenlos im Ruhrgebiet in Kulturorten wie Museen, Galerien, Cafés, usw. aus. Oder direkt und ganz sicher im Heimatdesign-Shop in der Dortmunder Innenstadt, Hoher Wall 15, Nähe U-Turm.
Kritik HEIMATDESIGN No 7
Liebe Bloggerin,
Ich finde, Sie formulieren eine sehr treffende Analyse zum aktuellen Heft HEIMATDESIGN. Einige Modeaufnahmen sprechen mich sehr an (die unscharfen Motive von Frau Tigges aus Wuppertal beispielsweise), andere empfinde ich als befremdlich (schlabbrige Unterhosen an weißen untrainierten Männerbeinen). Ansonsten bietet das Heft - ich habe es in meinem Café entdeckt - eine ungewöhnliche Themenbreite, spannende Texte, ein durchgehend gutes Design und viele tolle Fotos.
Alles Gute für Sie, Heiner.
I am homing here?
Tolle Rezension. Ich will das Heft. Sofort. Wo liegt das aus?
Spannend die Gedanken zum Heimatbegriff. Da werde ich gleich mal 'ne Weile drüber nachdenken.
Danke.
Ja, natürlich... Ich bitte um
Ja, natürlich... Ich bitte um Verzeihung - die Hitze...
Sie meinen wohl Reinhard
Sie meinen wohl Reinhard Wiesemann - Unperfekthaus Essen...?
New York
Traum oder Trauma New York: Ich konnte auch nicht dort bleiben; viele, die ich kenne.... Ich treffe immer mehr Menschen, die die Urbanität als Feld von Freiheit, Kultur und Kreativität in Frage stellen. Nach dem Tod der Innenstädte durch Büromonokultur und Einzelhandels-"Galerias" ist das vielleicht der nächste Schritt ins aus der "Stadt-Kultur"? Es gibt aber positive Zeichen: Rolf Wiesemann in Essen - er heimatet.....