Die Messe ist gelesen

Teil 2 vom 18.07.2010

Teil 1 unter: http://www.2010lab.tv/blog/love-and-peace

„Warum kann man hier nichts kaufen?“ Glück kann man nicht kaufen. So banal kann es sein. Natürlich bin ich noch vernebelt von dieser Aktion, die durch die Medien ging – von heute-journal über Tagesthemen und Morgenmagazin mit Gast Frank Goosen, dessen T-Shirt-Spruch „Woanders ist auch Scheisse“ oft zu sehen war. Und genau so ironisch zeigten sich die meisten Aktionen auf dem Asphalt. Die distanzierten Medien wie Welt oder Süddeutsche behandeln die A40, aber als immer noch exotische Randnotiz aus dem Armenhaus der Republik und mit schrägem Seitenblick auf die Kulturhauptstadt.

Festhalten, was läuft

Wie ein unruhiges Insekt husche ich hin und her, mal mit Videokamera in der Hand, mal mit einer der Fotokameras, mal mit dem mobilen Tonstudio, sehe die Massen durch die Linse oder stiere auf Festzuhaltendes. Aber immer sind es Menschen, die das einzelne Bild, den einzelnen Eindruck vermassen. Ich laufe zwei Kilometer, um wenigstens einen subjektiven Eindruck für diese zwei Kilometer festzuhalten.
Stattdessen hätte ich spazieren sollen. Mit einem Rucksäckchen, frisch und pfeifend, mit Wasser, Handtuch, Obst und Keks. Ich wäre zu Gast gewesen bei vielen Unbekannten, abseits des Kunst- und Kulturbetriebes. Alltagskunst – wird überall gesagt. Was ist das denn für ein bescheuerter Begriff? Aber man muss es ja beschreiben. Volksfest – liest man gar. Offen für Scherze, für Herzliches, Beklopptes, Süßes, Leckeres und Gespräche über irgendwas, meist über das, was gerade hier passiert. Ja, so hätte es sein können. Stattdessen habe ich fotografiert und bin mit dem Ergebnis sehr unzufrieden. Liegt es am Gerät oder meiner mangelnden Geduld?
Okay, das nächste Mal.

Rückzug

Das Zurückweichen vom Asphalt zum Auto, vorbei an Zurückweichenden mit ihren Bollerwagen und sonstigem Gerät, ist zwischenfallfrei. Wie gekommen, so ziehen sich die Menschen gelassen zurück, in ihre Gärten, auf ihre Sofas, zu anderen Bekannten als den neu gewonnenen. Es wird gegrillt, erzählt, es werden Fotos gezeigt und Fernsehen gesehen. Was das Fernsehen wohl über das, was gerade selbst erlebt wurde, berichtet. Natürlich über die Bräute in Duisburg-Marxloh. Ich sehe Tine, wie sie sich mit ihrem Brautkleid in ein Dixie-Klo zwängt. Hallo Tine! Ach so, ich sitze ja vor dem Fernseher. Bin schon ganz realitäts-verbummelt.

Grill

Auch wir sitzen – ein verlorener kleiner Haufen, vor dem Grill und das Fleisch warten kiloweise auf Verzehr. Und es wird resümiert. Und es kommt Besuch aus Bochum und Oberhausen und auch dort gab es Kurioses. Warum war ich nicht in Gelsenkirchen, deren Auffahrt mit Baustellen verschandelt ist. Warum nicht in Mülheim oder Essen? Jetzt muss ich mich mit Überliefertem begnügen. Werde sehen, was die Lokalpresse schreibt. Die Fotos gleichen sich. Sehnsucht breitet sich aus – nach einem gemeinsamen Ort.

Das war die Messe, ein Massenritual, ein Ereignis mit Augenzwinkern.

Mo, 19.07.2010 2

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Kommentare

messe

für viele war das erst der beginn der kulturhauptstadt. vorher wurde sie kaum wahrgenommen. das haben wir durch interviews erfahren. that's it.

Messe trifft's

Messe trifft's ziemlich genau, kultischer Massenexorzismus auf der bruttosozialwirtschaftlichen Schlagader zum Zwecke der Belustigung und sinnfreien Sitzerei an Baumarkttischen. Karten spielen, Kuchen essen, musizieren und Sachen herzeigen, überhaupt zeigen und gezeigt werden und selber gucken. Es gibt sicher mehr als dieses längste Straßenfest der Welt, das die Kulturhauptstadt hätte sein können, gut immerhin, dass an diesem Tag keiner zum Geseier über die "Kreativwirtschaft" anhob und der Ruhr 2010 als Initialzündung und Investition in dieselbe. Ich glaube, in den Köpfen, so in 10 Jahren wird nur das übrig bleiben. Der bewegende Stillstand, die Massenmesse, das Dosenbier von Edeka und der eigenartige Blick vom Mittelstreifen auf die sonst vorbeirasenden Schilder über einem. Ob das aber die Essenz vons Janze sein soll, von dem was sich mit Ruhr 2010 präsentieren (und repräsentieren soll) muss jeder selbst beantworten.

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03.03.2010

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