Die Kunstszene in Istanbul - Was die türkische Kulturhauptstadt übersieht

Wovon lebt der Mensch? Das war das Motto der vergangenen Istanbul Biennale. Die Antwort auf diese Frage wird in diesem Jahr beantwortet - begleitet von Protesten.

Straße in Istanbul
Straße in Istanbul


Die Kunstszene im Jahr der Kulturhauptstadt deutlich unterrepräsentiert - und unzufrieden. Bekannt ist, dass die meisten Projektanträge der einheimischen Künstler zurückgewiesen wurden zugunsten touristischer Projekte und Restaurierungsmaßnahmen. Mit diesen Entscheidungen ist die Szene wieder auf das Engagement privater Förderer angewiesen.

Blaue Moschee
Blaue Moschee
Der rasante Transformationsprozess der Türkei in den letzten zwanzig Jahren spiegelt sich auch in den künstlerischen Zeugnissen, wird aber nicht gern zur Kenntnis genommen. Religionskritik und die Auseinandersetzung mit der Rolle der Frauen stößt nach wie vor bei offizieller Seite auf Ablehnung.

Dabei ist die Neoliberalisierung politischer, sozialer und wirtschaftlicher Bereiche ebenso offenkundig, wie Auswirkungen auf die Gesellschaft. Die künstlerische Auseinandersetzung mit den Mentalitäten jedoch wird internationalen Gästen vorbehalten - wie etwa in den Themen der Istanbul Biennale.
 

Elementare Strukturen schaffen

Orchester
Orchester
Offizielle Organisationen tun sich schwer mit der Förderung künstlerischer Projekte und kultureller Vermittlung. So werden Themen und Tendenzen nicht in die Städte oder in das Land transportiert.

Lediglich die Initiatoren des Künstlerzentrums Kadirga reist mit der 'Portable Art' durch das Land, um neugierig zu machen auf das, was Kunst vermag.

Bosporus Brücke
Bosporus Brücke
In der Regel sind junge Künstler auf Auslandsaufenthalte angewiesen, wollen sie diskutieren, sich reiben oder sich weiter entwickeln. Dringend notwendig ist der Aufbau von Strukturen, die ohne finanzielle oder politische Restriktionen Räume schaffen für die kritische und unabhängige Entwicklung der Szene - aber auch Strukturen schafft für eine breite Vermittlung.

Die Istanbul Biennale könnte durchaus die Institution sein, die sich für diese elementaren Grundlagen einsetzt und sich für die Veränderung der Museumslandschaft engagiert. Sie hat die Tradition, die Kenntnisse und die Kontakte, mit denen sie der Istanbuler Kunstszene das angemessene Gewicht verleihen kann. Denn: wovon lebt der Mensch?

Süleymaniye Moschee
Süleymaniye Moschee

Fotos: Istanbul 2010                                                                 

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Sa, 07.08.2010 0

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04.12.2009

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Istanbul
Brücke zwischen Europa und Asien, kosmopolitischer Grenzposten zwischen den Welten, integrativer Schmelztiegel der Kulturen: „Keine Stadt dieser Welt inspiriert stärker als Istanbul“, behaupteten die Verantwortlichen der Ruhr.2010 Kulturhauptstadtschwester selbstbewusst. Wer will da widersprechen?

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