"Die Frage ist vielleicht, ob Kreativwirtschaft selbst nicht ein Widerspruch ist" - Nils Koppruch im Gespräch II

Nils Koppruch ist als Musiker vielleicht noch besser bekannt als Sänger und Texter der großartigen Band Fink aus Hamburg. Mittlerweile ist er als Solokünstler unterwegs und bringt im August seine zweite Platte "Caruso" heraus. Seine Tour führt ihn am 8. September in den Ringlokschuppen Mülheim. Was weniger bekannt ist: Seit 20 Jahren ist er auch als bildender Künstler aktiv. Nach dem ersten Teil über Hamburg und St. Pauli, geht es im zweiten Teil des Gesprächs um das Verhältnis zwischen Städten und Künstlern.

Stell dir einmal bitte folgendes Szenario vor. Eine kleine Gruppe Künstler nimmt sich ein leer stehendes und nicht abgeschlossenes Gebäude, um es vorübergehend als Atelier und Galerie zu nutzen. Wie reagiert die Stadt?

Das kommt auf die Stadt an oder auch die Größe der Räume. Wir haben das ja damals ähnlich gemacht, wir sind rumgelaufen und haben geguckt, wo Leerstände sind und haben dann gefragt, ob wir da rein können. Das hat bei uns damals vermutlich auch nur funktioniert, weil es auf St. Pauli stattgefunden hat und weil es da relativ große Freiräume gibt, die erstmal nicht so genau beobachtet werden. Da ist teilweise auch so viel los, dass selbst ein Schutzmann oder das Gewerbeaufsichtsamt nicht genau weiß, was da genau los ist, wenn die da vorbei laufen. Das kann man gar nicht unbedingt vergleichen. Ich hab zum Beispiel auch noch mit vielen Künstlern aus der Schweiz zu tun, die berichten, dass es sowas dort nie geben würde. Die, ich sag jetzt mal Repression, auch wenn es vermutlich zu hoch gegriffen ist, ist dort viel größer oder auch das Bedürfnis Kontrolle auszuüben. Wie die Stadt reagiert, hängt dann vermutlich immer davon ab, ob es noch andere Interessenten für das Gebäude gibt. Aber in diesem Fall nehme ich mal an, wurde bereits interveniert.

Hier wird im Zuge der Kulturhauptstadt der Begriff der Kreativwirtschaft sehr hoch gehalten. Gibt es diese Diskussion in Hamburg überhaupt?

Ja, natürlich. Auch die Stadt wirbt damit. Was damit genau gemeint ist, weiß ich auch nicht. Die Frage ist vielleicht, ob Kreativwirtschaft selbst nicht ein Widerspruch ist. Meint das, dass du als Wirtschaftsfaktor einkalkuliert bist oder gibt mir die Stadt Freiräume, um wirklich kreativ zu sein. Das gibt es ja nicht nur einen Widerspruch, sondern auch eine kaum überbrückbare Schlucht.

Wenn sich eine Stadt um die Förderung von Künstlern verdient machen möchte, was müsste sie dafür tun?

Das kann ich so aus der Hüfte gar nicht sagen. Ich finde, das ist ein total schwieriges Thema. Ich erwarte weder von der Stadt noch von irgendeinem Offiziellen, dass er mich als Künstler subventioniert. Wenn man mir Freiräume lässt und die Möglichkeit gibt, auszustellen, einen Rahmen für kleine Galerien oder dass es eine Off-Szene gibt, damit meine ich gerade, dass Galerien einfach irgendwo öffnen können und dass die Mieten entsprechend niedrig sind, dann wäre das toll, aber ich weiß gar nicht, ob ich grundsätzlich so eine Kunstsubventionierung für mich gut finde. Klar muss die Stadt die Staatsoper subventionieren, das Schauspielhaus und das Museum für Kunst und Gewerbe, aber für den kreativen Bodensatz, würde ich weder erwarten noch kann ich es mir vorstellen, dass es von der Stadt in irgendeiner Form von Subvention geben kann, so dass man quasi gekauft werden würde.

Teaserfoto: Kerstin Schomburg

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Do, 29.07.2010 0

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06.01.2010

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