
Die Fanszene in St. Pauli schafft sich ihre Fanräume selbst (2)
Hier folgt der zweite Teil des Gesprächs mit Heiko Schlesselmann, Mitbegründes des Projekts Fanräume in St. Pauli. Im ersten Teil des Gesprächs ging es um Konflikte zwischen Fangruppen und der Vereinsführung des FC St. Pauli. im zweiten Teil um die Veränderungen im Viertel, politische Rahmenbedingungen und soziale Ausgrenzung.
Ich würde jetzt mal behaupten, dass die Fanszene in St. Pauli nicht nur für den Verein, sondern auch für das ganze Viertel konstitutiv ist. Sehe ich das richtig?
Das ist definitiv richtig. Der FC St. Pauli ist in diesem Viertel vernetzt, beheimat und das Stadion liegt ja überhaupt mitten im Viertel. Wenn man am Spieltag von seiner Wohnung ins Stadion geht, kommen aus allen Eingängen die Leute. Aber auch an Nicht-Spieltagen trägt die Szene nicht nur den Verein, sondern auch das Viertel. Der Verein ist natürlich sehr identitätsstiftend für Leute aus dem Viertel, vor allem Jugendliche und Migranten. Es gibt zum Beispiel ein soziales Projekt, bei dem Kinder und Jugendliche ohne eine teure Vereinsmitgliedschaft bezahlen zu müssen, was viele Familien hier einfach nicht können, am Stadion Fußball spielen können. Nichtsdestotrotz muss man auch sagen, dass sich das Viertel stark verändert.
Ihr beobachtet also auch diesen Gentrifizierungsprozess, das nicht-kommerzielle Projekte weichen müssen?
Ja, definitiv. Das fängt bei auch für den Verein ganz praktischen Sachen an, dass es keine Turnhallen mehr gibt, in der die Menschen ihren Sport ausüben können. Das liegt ganz klar an den immer höher werdenden Mieten hier im Umfeld und der Schaffung von Gewerbe statt gemeinnützigen Geschichten. Das betrifft auch das soziale Fanprojekt, das dann Schwierigkeiten hat, als nicht-kommerzieller Betrieb diese Miete aufzubringen. Dazu kommen natürlich die Mieten der Menschen, die hier wohnen. Die ziehen irgendwann woanders hin, gerade wenn sie eine Familie gründen. Das zieht sich dann durch bis ins Stadion. Die Preise sind bis in die dritte Liga nicht billiger, aber mit jedem Aufstieg immer teurer geworden. Für einen weniger wohlhabenden Menschen aus St. Pauli ist es deshalb schwierig geworden, Heimspiele zu besuchen. Die Fanszene war ja immer sehr kreativ, was sicher auch ein Grund ist, warum der Stadtteil immer interessanter wurde und jetzt sehen wir den Bumerang, dass man hier selber verdrängt wird, weil ganz andere Leute dieses Lebensgefühl nutzen wollen.
... was ja vermutlich verschwinden wird, wenn die Entwicklung so weitergeht...
Richtig, das ist auch das, was wir dem Verein auch immer sagen. In dem Moment, in dem sie es übertreiben und immer mehr Ideale verkaufen, brechen viele Leute weg, die den Verein und das Konstrukt St. Pauli ausmachen. Hier kommen Leute aus der ganzen Welt hin, aber nicht weil der FC St. Pauli schon achtmal Deutscher Meister war, sondern weil die Fanzsene das erarbeitet hat, was hier jetzt ist. Wenn diese Leute wegbrechen, wird der Verein irgendwann aussehen wie Wolfsburg, Leverkusen oder 1860 München.
Betrifft dich diese Entwicklung auch als Geschäftsinhaber der Weinbar St. Pauli?
Bisher nicht, aber uns gibt es auch erst ein Jahr. Leute, die uns nicht kennen, verbinden Wein mit Yuppies. Wir sind aber die erste Yuppie-befreite Weinbar Hamburgs mit Ska- und Punkmusik und niedrigschwelligem Einstieg zu preiswerten aber guten Wein. Unser Gästekreis setzt sich aus Fußballfans und Anwohnern zusammen, das kann sich natürlich ändern wenn die Anwohnerstruktur sich weiter ändert, aber bisher sehen wir uns eher als Gegenpol zur Yuppisierung der Schanze.
Besteht zwischen dem, was eigentlich als Kreative bezeichnet wird, also insbesondere Künstler, und der Fanszene eine gegenseitige Befruchtung oder begegnet man sich eher auf Distanz?
Das kann man nicht pauschalisieren. Vor allem bei Streetart-Künstlern, die hier ihre Büros und Ateliers haben, ist das schon oft ein fließender Übergang. Die machen viele Aktionen und damit das Viertel auch farbiger. Aber es gibt natürlich auch Kunst, die mit Fußball nicht so richtig in Einklang zu bringen ist. Es gab jetzt durch die Mitgliederabteilung AFM einen Plakatwettbewerb zum 100-jährigen Jubiläum des Vereins. Da waren ganz unterschiedliche Kunstformen und Künstler dabei. Das war sicher mal interessant zu sehen, aber ich würde nicht sagen, dass hier jeder Künstler ein Fußballfan ist.
Die letzten Tage wurden ja durch den Angriff auf die Fankneipe "Jolly Roger" durch HSV-Anhänger überschattet. Fühlst du dich da mit angegriffen?
Die Kneipe ist vom Verein Ballkult e.V. kollektiv geführt und ich bin da auch Mitglied. Ich war an dem Abend aber erst sehr viel später anwesend nach den beiden großen Angriffen. Die Angriffe waren vorauszusehen, dafür waren die Andeutungen vor dem Derby deutlich genug. Das ist natürlich ärgerlich, dass so etwas dennoch passieren kann, weil die Ordnungsbehörden nicht aufpassen wollten oder sehen wollten, was sich da für 200 Leute auf dem Weg von der Reeperbahn Richtung Jolly machen. Dass dann Fans vom FC St. Pauli in Mitleidenschaft gezogen werden, weil ihnen durch Polizeimaßnahmen die Handgelenke gebrochen werden oder dass, wenn sich am Sonntag die Leute am Jolly Roger versammeln, weil es heißt dass die nochmal angreifen, die Polizei deren Personalien aufnimmt, anstatt das als passive Anwesenheit zu verstehen, dann ist das nochmal ärgerlicher. Man muss wohl leider damit leben, dass so etwas am Rande von diesen heißen Partien passiert. Aber in der Menge und ohne dass die Polizei sich darum kümmern konnte oder wollte, ist das schon sehr beängstigend.
Sieht man das in St. Pauli als Teil einer umfassenderen politischen Haltung in Hamburg?
Das ist das, wovon die Menschen hier so ein bisschen ausgehen. Die Szene ist ja zum großen Teil sehr linkspolitisch, also gar nicht unbedingt parteipolitisch, sondern sie sind bei antifaschistischen Aktionen dabei, gehen zu Demonstrationen, kritisieren den Staat für Abschiebeaktionen oder auch eben gegen polizeiliche Repression. Es gab auch schon Anzeigen gegen Polizisten nach Aktionen, die auch hier in der Kneipe stattfanden und wir können uns sehr gut vorstellen, dass die Fanzsene und auch diese Kneipe der Polizei ein Dorn im Auge ist. Das ist schon sehr verschwörungstheoretisch, aber wenn man sich überlegt, dass sich 200 Leute von der Reeperbahn wegbewegen, dann muss man sich schon sehr wundern, dass die Polizei das nicht gesehen hat.
Seht ihr bei den Angreifern auch diesen politischen Hintergrund oder waren das eher unpolitische Hooligans?
Jetzt am Wochenende war das schon eher politisch. Da waren viele Gäste aus anderen Ländern da bzw. es wurden Fahnen von Vereinen getragen, die eine starke rechte Szene haben, wie die der Westham Loyalists. Die gehen auf eine rechtsradikale und faschistische Wehr in Nordirland zurück. Da kann man sich schon vorstellen, dass auch auf HSV-Seite solche Leute mit dabei waren. Generell ist die HSV-Hooliganszene aber eher unpolitisch.
Was müsste von politischer Seite auf die Veränderungen in St. Pauli getan werden?
Es müsste einen Schutz vor noch mehr Spekulanten geben. Die Bewohner müssen mehr in Entscheidungsfragen eingebunden werden, ob es nun um den ehemaligen Supermarkt oder die Schaffung von Sporthallen geht. Im Moment haben wir zum Beispiel keinen Fleischer und keinen Fischhändler im Viertel. Dafür gibt es aber den dritten Nike-Shop. In Richtung der Polizei hat die Kommune natürlich wenig Einfluss. Da kann man nur wünschen, dass die mal wieder wie Menschen handeln und sich nicht benehmen wie "bessere". Ich bin immer wieder schockiert, wenn zum Beispiel einer vor den Augen seiner Kollegen einem St. Pauli-Fan die Zähne rausschlägt, dann aber keiner gegen seinen Kollegen aussagt und man selbst dem nur ohnmächtig gegenüber steht. Da verliert man leider auch schon manchmal den Glauben an den Rechtsstaat. Im Fall der jungen Frau, der am Wochenende bei einer polizeilichen Maßnahme die Handgelenke gebrochen wurden, richtet sich die Anzeige wie so oft dann auch leider nur gegen unbekannt.
Da fällt es schwer auf ein netteres Thema umzulenken, das hoffentlich ohne große Krawalle auskommt. Dein Tipp für Pauli gegen Dortmund?
Also wenn es in irgendeiner Form Gerechtigkeit im Fußball gibt, dann werden wir dort gewinnen. Denn beim letzten Gastspiel in Dortmund führten wir bis zur 80. Minute 1:0 und dann hat sich, ich glaube es war Odonkor oder Ewerthon, so fallen gelassen, dass es einen Elfmeter gab und es am Ende 1:1 ausging. Und so es denn ein Foul gewesen wäre, dann wäre das auch noch vor dem Strafraum gewesen. Das müsste jetzt mal gerecht zugehen, so dass wir in der 90. Minuten einen ungerechtfertigen Elfmeter bekommen und dann dort gewinnen. Aber wenn man es mal realistisch betrachtet, war das, was Dortmund hier in der Hinrunde gezeigt hat, das Beste, was ich diese Saison gesehen hab. Von daher glaub ich, dass wir da ohne viel ausrichten zu können, verlieren werden. Ich hoffe übrigens, dass sich in Dortmund auch einiges tut. Was man über die Entwicklung der Fanszene hört, ist leider auch sehr erschreckend. Ich kenne auch St. Pauli-Fans, die in Dortmund bewohnen, die mir berichten, was bei Heimspielen in einer Mischung aus Ultras und Nazis herum steht. Das ist in Westdeutschland, glaub ich mal, einer der Vereine mit den größten Problemen in der Richtung.
Da ist sicherlich was dran. Dann wünsche ich uns beiden ein spannendes Spiel am Samstag und bedanke mich ganz herzlich für das wirklich spannende Gespräch!
Hier geht es zurück zum ersten Teil des Gesprächs.
Ähnliche Beiträge
Ich würde jetzt mal behaupten, dass die Fanszene in St. Pauli nicht nur für den Verein, sondern auch für das ganze Viertel konstitutiv ist. Sehe ich das richtig?
Das ist definitiv richtig. Der FC St. Pauli ist in diesem Viertel vernetzt, beheimat und das Stadion liegt ja überhaupt mitten im Viertel. Wenn man am Spieltag von seiner Wohnung ins Stadion geht, kommen aus allen Eingängen die Leute. Aber auch an Nicht-Spieltagen trägt die Szene nicht nur den Verein, sondern auch das Viertel. Der Verein ist natürlich sehr identitätsstiftend für Leute aus dem Viertel, vor allem Jugendliche und Migranten. Es gibt zum Beispiel ein soziales Projekt, bei dem Kinder und Jugendliche ohne eine teure Vereinsmitgliedschaft bezahlen zu müssen, was viele Familien hier einfach nicht können, am Stadion Fußball spielen können. Nichtsdestotrotz muss man auch sagen, dass sich das Viertel stark verändert.Ihr beobachtet also auch diesen Gentrifizierungsprozess, das nicht-kommerzielle Projekte weichen müssen?
Ja, definitiv. Das fängt bei auch für den Verein ganz praktischen Sachen an, dass es keine Turnhallen mehr gibt, in der die Menschen ihren Sport ausüben können. Das liegt ganz klar an den immer höher werdenden Mieten hier im Umfeld und der Schaffung von Gewerbe statt gemeinnützigen Geschichten. Das betrifft auch das soziale Fanprojekt, das dann Schwierigkeiten hat, als nicht-kommerzieller Betrieb diese Miete aufzubringen. Dazu kommen natürlich die Mieten der Menschen, die hier wohnen. Die ziehen irgendwann woanders hin, gerade wenn sie eine Familie gründen. Das zieht sich dann durch bis ins Stadion. Die Preise sind bis in die dritte Liga nicht billiger, aber mit jedem Aufstieg immer teurer geworden. Für einen weniger wohlhabenden Menschen aus St. Pauli ist es deshalb schwierig geworden, Heimspiele zu besuchen. Die Fanszene war ja immer sehr kreativ, was sicher auch ein Grund ist, warum der Stadtteil immer interessanter wurde und jetzt sehen wir den Bumerang, dass man hier selber verdrängt wird, weil ganz andere Leute dieses Lebensgefühl nutzen wollen.
... was ja vermutlich verschwinden wird, wenn die Entwicklung so weitergeht...
Richtig, das ist auch das, was wir dem Verein auch immer sagen. In dem Moment, in dem sie es übertreiben und immer mehr Ideale verkaufen, brechen viele Leute weg, die den Verein und das Konstrukt St. Pauli ausmachen. Hier kommen Leute aus der ganzen Welt hin, aber nicht weil der FC St. Pauli schon achtmal Deutscher Meister war, sondern weil die Fanzsene das erarbeitet hat, was hier jetzt ist. Wenn diese Leute wegbrechen, wird der Verein irgendwann aussehen wie Wolfsburg, Leverkusen oder 1860 München.
Betrifft dich diese Entwicklung auch als Geschäftsinhaber der Weinbar St. Pauli?
Bisher nicht, aber uns gibt es auch erst ein Jahr. Leute, die uns nicht kennen, verbinden Wein mit Yuppies. Wir sind aber die erste Yuppie-befreite Weinbar Hamburgs mit Ska- und Punkmusik und niedrigschwelligem Einstieg zu preiswerten aber guten Wein. Unser Gästekreis setzt sich aus Fußballfans und Anwohnern zusammen, das kann sich natürlich ändern wenn die Anwohnerstruktur sich weiter ändert, aber bisher sehen wir uns eher als Gegenpol zur Yuppisierung der Schanze.Besteht zwischen dem, was eigentlich als Kreative bezeichnet wird, also insbesondere Künstler, und der Fanszene eine gegenseitige Befruchtung oder begegnet man sich eher auf Distanz?
Das kann man nicht pauschalisieren. Vor allem bei Streetart-Künstlern, die hier ihre Büros und Ateliers haben, ist das schon oft ein fließender Übergang. Die machen viele Aktionen und damit das Viertel auch farbiger. Aber es gibt natürlich auch Kunst, die mit Fußball nicht so richtig in Einklang zu bringen ist. Es gab jetzt durch die Mitgliederabteilung AFM einen Plakatwettbewerb zum 100-jährigen Jubiläum des Vereins. Da waren ganz unterschiedliche Kunstformen und Künstler dabei. Das war sicher mal interessant zu sehen, aber ich würde nicht sagen, dass hier jeder Künstler ein Fußballfan ist.
Die letzten Tage wurden ja durch den Angriff auf die Fankneipe "Jolly Roger" durch HSV-Anhänger überschattet. Fühlst du dich da mit angegriffen?
Die Kneipe ist vom Verein Ballkult e.V. kollektiv geführt und ich bin da auch Mitglied. Ich war an dem Abend aber erst sehr viel später anwesend nach den beiden großen Angriffen. Die Angriffe waren vorauszusehen, dafür waren die Andeutungen vor dem Derby deutlich genug. Das ist natürlich ärgerlich, dass so etwas dennoch passieren kann, weil die Ordnungsbehörden nicht aufpassen wollten oder sehen wollten, was sich da für 200 Leute auf dem Weg von der Reeperbahn Richtung Jolly machen. Dass dann Fans vom FC St. Pauli in Mitleidenschaft gezogen werden, weil ihnen durch Polizeimaßnahmen die Handgelenke gebrochen werden oder dass, wenn sich am Sonntag die Leute am Jolly Roger versammeln, weil es heißt dass die nochmal angreifen, die Polizei deren Personalien aufnimmt, anstatt das als passive Anwesenheit zu verstehen, dann ist das nochmal ärgerlicher. Man muss wohl leider damit leben, dass so etwas am Rande von diesen heißen Partien passiert. Aber in der Menge und ohne dass die Polizei sich darum kümmern konnte oder wollte, ist das schon sehr beängstigend.
Sieht man das in St. Pauli als Teil einer umfassenderen politischen Haltung in Hamburg?
Das ist das, wovon die Menschen hier so ein bisschen ausgehen. Die Szene ist ja zum großen Teil sehr linkspolitisch, also gar nicht unbedingt parteipolitisch, sondern sie sind bei antifaschistischen Aktionen dabei, gehen zu Demonstrationen, kritisieren den Staat für Abschiebeaktionen oder auch eben gegen polizeiliche Repression. Es gab auch schon Anzeigen gegen Polizisten nach Aktionen, die auch hier in der Kneipe stattfanden und wir können uns sehr gut vorstellen, dass die Fanzsene und auch diese Kneipe der Polizei ein Dorn im Auge ist. Das ist schon sehr verschwörungstheoretisch, aber wenn man sich überlegt, dass sich 200 Leute von der Reeperbahn wegbewegen, dann muss man sich schon sehr wundern, dass die Polizei das nicht gesehen hat.
Seht ihr bei den Angreifern auch diesen politischen Hintergrund oder waren das eher unpolitische Hooligans?
Jetzt am Wochenende war das schon eher politisch. Da waren viele Gäste aus anderen Ländern da bzw. es wurden Fahnen von Vereinen getragen, die eine starke rechte Szene haben, wie die der Westham Loyalists. Die gehen auf eine rechtsradikale und faschistische Wehr in Nordirland zurück. Da kann man sich schon vorstellen, dass auch auf HSV-Seite solche Leute mit dabei waren. Generell ist die HSV-Hooliganszene aber eher unpolitisch.
Was müsste von politischer Seite auf die Veränderungen in St. Pauli getan werden?
Es müsste einen Schutz vor noch mehr Spekulanten geben. Die Bewohner müssen mehr in Entscheidungsfragen eingebunden werden, ob es nun um den ehemaligen Supermarkt oder die Schaffung von Sporthallen geht. Im Moment haben wir zum Beispiel keinen Fleischer und keinen Fischhändler im Viertel. Dafür gibt es aber den dritten Nike-Shop. In Richtung der Polizei hat die Kommune natürlich wenig Einfluss. Da kann man nur wünschen, dass die mal wieder wie Menschen handeln und sich nicht benehmen wie "bessere". Ich bin immer wieder schockiert, wenn zum Beispiel einer vor den Augen seiner Kollegen einem St. Pauli-Fan die Zähne rausschlägt, dann aber keiner gegen seinen Kollegen aussagt und man selbst dem nur ohnmächtig gegenüber steht. Da verliert man leider auch schon manchmal den Glauben an den Rechtsstaat. Im Fall der jungen Frau, der am Wochenende bei einer polizeilichen Maßnahme die Handgelenke gebrochen wurden, richtet sich die Anzeige wie so oft dann auch leider nur gegen unbekannt.
Da fällt es schwer auf ein netteres Thema umzulenken, das hoffentlich ohne große Krawalle auskommt. Dein Tipp für Pauli gegen Dortmund?
Also wenn es in irgendeiner Form Gerechtigkeit im Fußball gibt, dann werden wir dort gewinnen. Denn beim letzten Gastspiel in Dortmund führten wir bis zur 80. Minute 1:0 und dann hat sich, ich glaube es war Odonkor oder Ewerthon, so fallen gelassen, dass es einen Elfmeter gab und es am Ende 1:1 ausging. Und so es denn ein Foul gewesen wäre, dann wäre das auch noch vor dem Strafraum gewesen. Das müsste jetzt mal gerecht zugehen, so dass wir in der 90. Minuten einen ungerechtfertigen Elfmeter bekommen und dann dort gewinnen. Aber wenn man es mal realistisch betrachtet, war das, was Dortmund hier in der Hinrunde gezeigt hat, das Beste, was ich diese Saison gesehen hab. Von daher glaub ich, dass wir da ohne viel ausrichten zu können, verlieren werden. Ich hoffe übrigens, dass sich in Dortmund auch einiges tut. Was man über die Entwicklung der Fanszene hört, ist leider auch sehr erschreckend. Ich kenne auch St. Pauli-Fans, die in Dortmund bewohnen, die mir berichten, was bei Heimspielen in einer Mischung aus Ultras und Nazis herum steht. Das ist in Westdeutschland, glaub ich mal, einer der Vereine mit den größten Problemen in der Richtung.
Da ist sicherlich was dran. Dann wünsche ich uns beiden ein spannendes Spiel am Samstag und bedanke mich ganz herzlich für das wirklich spannende Gespräch!
Hier geht es zurück zum ersten Teil des Gesprächs.
Ähnliche Beiträge
- "In diesem etablierten Kunstmarkt spiele ich nach wie vor keine Rolle" - Nils Koppruch im Gespräch I
- Platz für kleine Unternehmen - Karostar in Hamburg
- Community Promotion: Wandel durch Abwanderung - Hamburg als Vorbild für das Ruhrgebiet
- KOMM IN DIE GÄNGE - Hamburg trifft Dortmund zum Thema Recht auf Stadt für Künstler
Sa, 19.02.2011
0
Kommentar hinzufügen
Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben
Ähnliche Beiträge
Thema
Stadt
Branche
Aktuelle Tweets





























