Die digitale Revolution & die Stadtevolution

Man stelle sich eine Stadt vor, in der man in Echtzeit auf dem Laufenden gehalten wird und sich mit anderen Leuten und Welten verbinden kann, so dass das “Hier” sein und das “Dort” sein eine einzige Erfahrung ist... Nun, das geschieht bereits. Die Digitalisierung ändert unsere Sicht auf die Stadt, unsere Wahrnehmung der Stadt und unsere Interaktion mit der Stadt dramatisch. Durch das Phänomen Social Media können wir uns sozusagen ausweiten, und damit auch ein ausgeweiteteres Verständnis für das Leben und die Dynamik einer Stadt bekommen.

Augmented reality
Augmented reality Foto: Robin M. Ashford
Hier sind zwei nützliche Links, um sich in diese Welt hinein zu versetzen: der erste ist www.senseable.mit.edu, das von Carlo Ratti und Kollegen geleitete SENSEable City-Projekt. Es nutzt die Macht der Daten einer Stadt zur dynamischen Selbstdarstellung eben dieser. Wenn man verschiedene Datenströme in neuen Konfigurationen zusammenbringt und aktiviert, eröffnet sich eine neue Welt. Bis jetzt gibt es allerdings noch das Problem der Datenseparation und der statischen Darstellung. Der zweite ist www.robaalders.com, die Website von Rob Aaalders, der den Zusammenhang zwischen dem Physikalischen, einer erweiterten Realität und virtuellem Raum erforscht.


Wichtige Begriffe sind hier Erfahrungsbereicherung, das "sich-Versenken" in etwas, Interaktivität, Echtzeittransaktionen und Co-Kreation. Alles kann lebendig werden. Mit Pixeln bedeckte Objekte können ein Eigenleben entwickeln, so dass sich ein Gebäude fortzubewegen scheint. Man kann den Weg seines funkkodierten Mülls verfolgen, wie er langsam in Richtung Deponie navigiert wird, einer Deponie, die möglicherweise viel zu weit weg ist, um umweltverträglich zu sein. Freigesetzte Daten, Social Media Apps und geteilte Erfahrungen und Imagineering – all das kann uns einen neuen Sinn für Realität verschaffen, die uns dann durch Smartphones oder öffentliche Digitaldisplay zugänglich wird.

Was wir daraus lernen: Normalerweise werden Daten von einzelnen Organisationen gesammelt, für die sie nützlich sind. Aber wenn man, um Beispiele zu nennen, Informationen über Verkehrsbewegungen, Mobilfunkanrufe und Events zusammenbringt, resultiert daraus ein potentiell viel größerer Mehrwert, wenn man sie durch neue, der Öffentlichkeit zugängliche Applikationen kreativ kombiniert. Das ermöglicht Menschen das Gefühl einer Synchronisierung mit ihrer Umgebung und die dazu erforderlichen Entscheidungen zu treffen.

Stadtbewohner müssen ihre Entscheidungen meist anhand von statischen Informationen wie Fahrplänen, feste Öffnungszeiten, oder Läden, die nicht auf Lager haben, was man kaufen will, fällen – diese Informationen spiegeln nicht den jeweils aktuellen Zustand oder die urbane Dynamik wider. Trotzdem managen mittlerweile immer mehr Firmen und lokale Verwaltungen ihre Netzwerke in Echtzeit und haben immer im Auge, was gerade aktuell passiert.

Man nehme Arlene Birts Malmö-Pojekt ‘visualizing sustainability’ (sichtbar gemachte Umweltverträglichkeit). Es schließt die Lücke zwischen den sich in einer Stadt bewegenden Menschen und den digitalen Echtzeitdaten, die normalerweise in einer Vielzahl von getrennten Netzwerken gesammelt werden. Man bekommt die Daten seiner Aktivitäten zugestellt, wenn man zum Beispiel die CO2-Emission dadurch, dass man Fahrrad fährt, reduziert, wie in Arlenes Projekt dargestellt. Das schärft die Aufmerksamkeit der Menschen für die Folgen ihrer Taten und kann zu einer Änderung des Verhaltens führen.

SENSEable City Track
SENSEable City Track Foto: Ars Electronica
Dann gibt es noch das SENSEable City Abfallverfolgungs-Projekt in Seattle, bei dem 3000 Teile verschiedenen Abfalls markiert wurden und so die immensen Distanzen sichtbar wurden, die unser Müll bis zur Deponie zurücklegt – dadurch wird man des eigenen Verhaltens bewusst, das dadurch eventuell verändert werden kann.

Ein weiteres Beispiel für diese Art der zukunftsträchtigen Datenerhebung ist das ‘Apps for Democracy’ Projekt (www.appsfordemocracy.org) – im Herbst 2008 öffnete Washington seine umfassenden Datenkataloge und ermutigte die Bürger Lösungsvorschläge für städtische Probleme mittels einer Open Source-Logik mit einer Creative Commons-Lizenz (www.creativecommons.org) beizusteuern. Der Katalog beinhaltet zum Beispiel Straftaten, die in Echtzeit eingegeben werden, Schultestergebnisse, oder Indikatoren für Armut, und ist der weltweit verständlichste.

Wenn man das auf die althergebrachte Weise – sozusagen auf Web 1.0-Art – gemacht hätte, hätte das Projekt Millionen gekostet, man hätte es einem Unternehmen zur Analyse und Lösungsfindung anvertraut und doch irgendwie gewusst, dass die Ergebnisse nicht wirklich gut sein würden. Irgendwie ahnten die Verantwortlichen intuitiv, dass es wesentlich effektiver sein würde, die Talente der Bürger mit einzusetzen. Die Ergebnisse mussten zugänglich und nützlich für Bürger, Besucher, Firmen und Regierungsinstitutionen sein.

Der erste Versuch des Projekts kostete die Stadtverwaltung $50,000 und brachte 47 iPhone-, Facebook- und Web-Applikationen hervor, mit einem geschätzten Wert von mehr als $2,600,000 für die Stadt . Sie beinhalten einen Fahrgemeinschafts-Organiser, neue Fahrradkarten, eine auf den öffentlichen Daten basierende ‘We the People Wiki’ Gemeindewebsite, eine Anwendung namens ‘Aware Real Time Alerts’, die die aktuellen Verbrechensmeldungen aufgreift, Baugenehmigungen und dergleichen. Helsinkis “Forum Virium”- Projekt wurde von diesem Projekt inspiriert und verfolgt ähnliche Ziele (www.forumvirium.fi).


Real Time Alerts on crime reports
Real Time Alerts on crime reports Foto: Vin Crosbie


‘Live Singapore!’ ist eine weitere Initiative, die die Entwicklung einer offenen Plattform zur Sammlung, Kombination, Verschmelzung und Echtzeitverteilung von Daten anstrebt, die aus vielen verschiedenen Quellen stammen.

Das übergeordnete Ziel ist es, eine Art Feedback-Kreislauf zwischen den Menschen, ihren Handlungen, und der Stadt zu erzeugen, in dem man ihnen mittels erfahrungsgemäß einfach anzuwendenden Mitteln Zugang zur Echtzeit-Dynamik verschafft, damit sie das urbane Ökosystem verstehen. Das kann sie dazu befähigen, ihre Entscheidungen mehr in Einklang mit ihrer Umwelt und dem aktuellen Geschehen zu fällen.

Man braucht neue Kollaborationspartner und gemischte Teams, um bei einem derartigen Unterfangen erfolgreich zu sein. Wenn hier weiter mit den hergebrachten Verwaltungsformen operiert wird, werden keine Synergien erzeugt. Stadtplaner müssen sich mit Computermenschen treffen, und beide Parteien brauchen eine gute Vernetzung mit Visualisierern und Erfahrungsexperten, oder Mikroelektronik-Spezialisten, aber auch Leuten aus dem sogenannten Soft Science-Bereich, wie z.B. der Ökologie.

Aber die Revolution hat gerade erst angefangen – viele Entwicklungen, die eine wichtige Auswirkung auf unser Tun und Wirken in der realen Welt haben werden, tauchen in der digitalen Welt auf. Eine Stadt wird mehr und mehr von neuen kulturellen und ökonomischen Prozessen wie Social Media oder dem mobilen Internet beeinflusst. Wie wir uns in der realen Welt bewegen, dort navigieren, wird beeinflusst von dem, was wir in der virtuellen tun. Dieser Einfluss wird sich auf die Art der Läden erstrecken, die wir haben werden, den Handel im Allgemeinen, darauf, wie und wo wir uns treffen, mit einer daraus resultierenden Auswirkung auf alles, beginnend mit den Immobilienpreisen bis hin zu Entwicklungen in der Geschäftswelt. Die Frage ist: Gelingt es uns, die Technologie und die damit verbundenen kulturellen Veränderungen zugunsten der Menschen einzusetzen?




Foto (oben): jason.mcdermott (flickr)
Foto 1: Robin M. Ashford
(flickr)
Foto 2: Ars Electronica (flickr)
Foto 3: Vin Crosbie (flickr)




Charles Landry ist eine Autorität auf dem Gebiet der Kreativität und  der Stadtplanung und ihrem Gebrauch. Er hilft Städten dabei, ihre Denkweise zu ändern, damit sie ihr tatsächliches Potential erkennen und mit der entsprechenden Originalität planen und handeln können, in dem sie ihren kulturellen Hintergrund mit einbeziehen.
Für das 2010LAB.tv schreibt Charles Landry alle zwei Monate eine Kolumne
Mi, 13.07.2011 1

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Kommentare

...holprig und voller....

Holprig und voller Rechtschreibfehler dieser Post! Es fehlen Verben, Sätze enden irgendwie, Einschübe ergeben (sprachlich) keinen Sinn.

Ist gleichzeitig aber gut, dass der Text ins Deutsche übersetzt wurde (bzw. man es versucht hat). Dann merkt man erst wie viele Worthülsen und was für ein Wichtigkeits-Gemache drin steckt.

Über den Autor

31.08.2010

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