Die Berlinale mit Marty, Bobby und Leo

Wenn Shutter Island, der neue Film von Martin Scorsese morgen auf der Berlinale seine Premiere feiert, dann ist es nicht nicht nur sein 22. Spielfilm, sondern auch der vierte mit Leonardo DiCaprio. Was ist dran an der intensivsten Schauspieler-Regisseur-Bindung seit Scorsese-De Niro?

Acht Filme haben Martin Scorsese und Robert De Niro zusammen gedreht. Ja, es sind „nur“ acht, denn gefühlt sind es viele mehr. Aber es sind eben die Schlüsselfilme in den Karrieren des Regisseurs und seines Hauptdarstellers: Mean Streets, Taxi Driver, New York, New York, Raging Bull und King Of Comedy - bis auf Alice Doensn‘t Live Here Anymore von 1974 (für den Hauptdarstellerin Ellen Burstyn den Oscar erhielt) gehörte die Dekade 1973 bis 1983 der Zusammenarbeit den Filmtitanen.
In der ersten Hälfte der Neunziger setzten sie diese Tradition fort: Good Fellas, Cape Fear, Casino schließen in künstlerischer Hinsicht wie auch in der Publikumsgunst (nicht zu verwechseln mit Kassenerfolg!) an die alten Großtaten an.
Danach versank Scorsese für die breite Öffentlichkeit mehr und mehr in der Versenkung. Nicht, dass sein Dalai-Lama-Epos Kundun oder seine erneute Verfilmung eines Schrader-Stoffes Bringing Out The Dead schlecht gewesen seien, im Gegenteil, es sind bildgewaltige und intensive Werke. Allerdings ging die Wahrnehmung kaum über Cineasten und bestimmte Nischen-Interessierte hinaus.

Doch das neue Jahrtausend brachte die Kehrtwende, und der Scorsese-Rezeption einen dritten Frühling, denn endlich wurde dem Filmemacher auch der kommerzielle Erfolg zuteil. Keine Frage, die Kollaboration mit seinem „neuen De Niro“, Leonardo DiCaprio hat daran einen entscheidenden Anteil, und kritische Stimmen werfen Scorsese genau dieses Kalkül vor. Nicht nur, dass Gangs Of New York, Aviator und Departed weltweit über 500 Millionen Dollar einspielten, letzterer brachte ihm auch endlich den ihm seit drei Jahrzehnten verwehrten Oscar als „Bester Regisseur“ ein.

Nun feiert im Rahmen der Berlinale der vierte gemeinsame Film Premiere: Shutter Island. DiCaprio als US-Marschall auf einer Gefängnisinsel für geistesgestörte Schwerverbrecher. Die Hälfte des Scorsese-De Niro-Pensums ist also geschafft. Was ist das Besondere an der Verbindung der beiden Männer, die fast 32 Jahre auseinander liegen? Sind es die gemeinsamen italienischen Familienwurzeln, die Scorsese braucht, damit die Chemie stimmt, fasziniert ihn alleine DiCaprios Talent oder verspricht er sich einfach, durch sein Gesicht endlich die finanziell-aufwendigen Filme verwirklichen zu können, die ihm lange Zeit verwehrt blieben?

Im Januar verliehen DiCaprio und DeNiro gemeinsam bei den Golden-Globes den „Cecil B. DeMille Award“ für das Lebenswerk an einen sichtlich gerührten Scorsese, der zwischen seinen beiden Freunden wieder einmal eine flammende Rede für den Film und das Kino hielt.
Einmal mehr der Beweis dafür, dass es dem Filmemacher letztendlich nur um eines geht: der Verwirklichung seiner Visionen von guten Filmen.
Und ist es nicht wunderbar, dass ihm  - auch dank DiCaprio - das Schicksal vieler Filmvisionäre im Alter erspart bleibt, und ihn die Geldgeber in Hollywood weiterhin große und mutige Filmprojekte anvisieren und umsetzen lasen?
Wer weiß, vielleicht gibt‘s das „Dream Team“ - Marty, Bobby, Leo - bald auch einmal durch ein gemeinsames Filmprojekt verbunden? Es wäre der adäquate Abschluss, um die Karriere des Regisseurs zu vollenden. Natürlich erst, wenn die weiteren vier Filme mit DiCaprio im Kasten sind...

Foto: Berlinale

Fr, 12.02.2010 0

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05.01.2010

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