Haus besetzt, Haus geräumt, jetzt wird verhandelt - Künstlergruppe auf der Suche nach freien Räumen

Die Künstlergruppe Freiraum2010 hielt bis Dienstag das DGB-Gebäude besetzt. Eine Unterbringung von Freiraum2010 in einem der Essener  Kreativ-Quartiere stellte sich bereits im Vorfeld als ungeeignet dar. Siegfried Schneider, der die Funktion des so genannten "Artist Contact Point" der Kreativ-Quartiere in Essen ausübt, erklärt im Interview, warum das Konzept „Kreativ.Quartier“ im Falle von Freiraum2010 nicht greift und warum das DGB-Haus eine geeignete Anlaufstelle zum Protest war.

Der Protest ist fürs erste vorbei. Die Künstlergruppe Freiraum2010 verließ am Dienstagnachmittag das besetzte DGB-Haus in der Essener Innenstadt. Sie wollen jetzt in Verhandlungen mit den Eigentümern treten. Wie beurteilen sie die Hausbesetzung der Künstlergruppe Freiraum2010? Ist das ein Schritt, den Künstler heutzutage gehen müssen?
 
Siegfried Schneider: Grundsätzlich, denke ich, ist die Besetzung des DGB-Gebäudes zu unterstützen. Wenn man sich anschaut wie viel Leerstand es gerade in der nördlichen Innenstadt von Essen gibt, muss hier etwas getan werden. Den Eigentümern muss klar sein, dass es immer besser für den Stadtteil und ihre Immobilie ist, ihre Flächen mietfrei anzubieten und keine Mieteinnahmen zu erzielen, als einen vor sich hin rottenden Leerstand zu haben, der am Ende das Quartier abwertet. Die Aktion von Freiraum2010 sorgt vielleicht dafür, dass Eigentümer wachgerüttelt werden und ihre Leerstände für kreative Ideen öffnen.

Die Kreativ-Quartiere kamen für die Künstlergruppe nicht in Frage. Warum?

Foto: Siegfried Schneider
Foto: Siegfried Schneider
Schneider:
Die Quartiere in Essen, die Scheidt'schen Hallen und die nördliche Innenstadt, kann man sich nicht als Räume oder Immobilien vorstellen, die Künstlergruppen ohne Mietzahlung zur Verfügung gestellt werden. Vielmehr handelt es sich bei den Essener Quartieren um Teile von Stadtteilen, die sich durch eine große Zahl von Leerständen auszeichnen oder für eine temporäre Nutzung zur Verfügung gestellt werden. Da das Konzept von Freiräume2010 eine langfristige Nutzung auf großen Flächen vorsieht, kamen die Leerstände in den Essener Quartieren nicht in Frage.

Wie funktioniert das Konzept „Kreativ.Quartier“?
 
Schneider: Die Quartiere sind vor allem ein Treiber für die Kreativwirtschaft. In diesem Begriff steckt ebenso viel Kreativ wie Wirtschaft. Es handelt sich dabei also nur zum Teil um die Unterstützung der freien Kunstszene. Vielmehr versuchen wir, Anreize zu schaffen, die die Kreativwirtschaft ganzheitlich anspricht.
Hierzu zählt natürlich auch die freie Kunstszene, die einen Stadtteil belebt und interessant macht und so einen nachhaltigen Mehrwert schafft. In dieser Woche vermitteln wir etwa einer kleineren Künstlergruppe einen Atelierraum, den der Vermieter für drei Monate mietfrei zur Verfügung stellt.
 
War das DGB-Haus überhaupt das richtige Gebäude, um den Protest zu starten? Hätte ein städtisches Gebäude nicht mehr Aufsehen erregt?

Schneider: Ja es war durchaus geeignet. Das Gebäude steht in exponierter Lage direkt an der Schützenbahn und außerdem war die Tür offen und die Schlüssel lagen bereit. Für eine Protestaktion war es genau das Richtige.

Ich kenne derzeit kein städtisches Gebäude in Essen, das leer steht und exponiert an einer Hauptstraße liegt. Außerdem ist der DGB ein guter Gesprächspartner, auch wenn es im ersten Anlauf nicht geklappt hat. Auch wir haben mit dem DGB über den Fall gesprochen. Inzwischen sind sie bereit für eine Gesprächsrunde. Wir warten die Ergebnisse ab!
 
Welchen Weg sollte die Gruppe gehen? Was wären die nächsten Schritte?

Wenn man in dem Gespräch mit dem DGB nicht weiter kommt, sollte sich die Gruppe nochmal mit uns in Verbindung setzen. Wenn wir jetzt schnell anknüpfen und gemeinsam das Gespräch mit der Stadt suchen, könnte ich mir vorstellen, dass wir eine Immobilie für Freiraum2010 finden.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Mi, 21.07.2010 0

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16.01.2010

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