
Deutsche Spieleentwickler vor großen Herausforderungen
- Serie: Ruhr Games
Computerspiele sind fester Bestandteil der Jugendkultur und werden zunehmend auch von Erwachsenen gespielt. Der internationale Anschluss der deutschen Gameindustrie aber ist noch nicht geschafft.
Computerspiele haben nach wie vor Imageprobleme und wurden lange mit Gewalt verherrlichenden Spielen gleichgesetzt. Mit Preisvergaben, Awards und Festivals wird seit längerem auf die Breite der Spieleauswahl hingewiesen.
So wurden etwa Anfang Dezember in Essen die Gewinner des diesjährigen Deutschen Entwicklerpreises bekannt gegeben. Gewonnen hat das Strategiespiel 'Siedler 7'. Ebenfalls ausgezeichnet wurde das Spiel 'Anno 1404 für seine Grafik und sein Design. Die beste Geschichte für Jugendliche nach Meinung der Juroren liefert das Spiel 'A New Beginning':
Ein anderer, bemerkenswerter Preis ist der Award des Living Games Festival in Bochum, bei dem Computerspielen vor allem nach pädagogischen Kriterien bewertet werden. Ausgezeichnet werden die kulturell einflussreichsten und künstlerisch wertvollsten Spiele, die zudem gut erzählt werden. Es sind völlig andere Spiele, die mit Preisen geehrt werden.
Initiator dieses Forums ist Aruba Events GmbH - vor allem Stephan Reichelt, der die Szene nach vorne bringen will. Das Unternehmen hat den Deutschen Entwicklerpreis ins Leben gerufen, führt jährlich die Entwickler-Konferenz Quo Vadis wie auch die Berlinale für Computerspiele durch und verleiht den Living Games Award.
Um ein Zeichen zu setzen zog die Firma nach Mülheim und bezog Büros in der Games Factory Ruhr.
Games Factory Ruhr
Hier soll, zusammen mit den anderen Unternehmen im Hause, der internationale Anschluss geschafft werden. Die Szene in der Bundesrepublik ist zersplittert. Die Zusammenarbeit zwischen Spieleentwicklern und Publishern spannungsgeladen.
Als eine Konsequenz daraus wurde von der Stadt Mülheim das Branchenzentrum Games Factory Ruhr geschaffen, in dem elf Unternehmen und Studios ansässig sind, die sich in der Produktion eines Computerspiels notwendig ergänzen.
Für die wissenschaftliche Begleitung sorgt das Games Competence Network NRW, zu dem die Games Factory Ruhr, die Universität Duisburg-Essen, die Media-Design-Hochschule in Düsseldorf und die Fachhochschule Köln gehören. Ein weiterer Begleiter ist die Ruhr Games Commission und die Games Developer Initiative Ruhr.
Strukturen schaffen
Nach der Krise von 2008 ist eine strukturelle Kursbestimmung nötig - hinzu kommen neue technische Herausforderungen. Beklagt wird, dass viele kleine Studios über nicht ausreichende kaufmännische Kenntnisse verfügen und mit Probleme zu kämpfen haben. Aber es fehlen geeignete Werkzeuge, um sie zu unterstützen.
Hinzu kommen technische Neuerungen, an denen die Szene nicht vorbei kommt, und die völlig andere Produktionsbedingungen beinhalten. So werden zur Zeit neue Konzepte fällig für Apps für GPS, iPhones und Browsergames. Auch Social Games gewinnen an ernst zu nehmender Bedeutung.
Für alle diese Bedürfnisse müssen Lösungen geschaffen werden. Eine große Chance der hiesigen Szene besteht in der Kompetenz, komplexe Fragestellungen zu lösen.
Kunstform ohne Urheberrechte?
Computerspiele werden seit 2008 dem Film gleichgesetzt. Die Regelung beinhaltet eine erste rechtliche Anerkennung, die nicht unerheblich ist. So können erstmals urheberrechtliche Ansprüche geltend gemacht werden - ein Computerspiel wird als kreatives Produkt einer Einzelperson bewertet.
Ausschlaggebend ist die Idee, wie ein Spieler interaktiv in eine Story eingebunden wird. Die visuelle Umsetzung wird als Filmwerk qualifiziert, die technische Umsetzung ist als Computerprogramm geschützt. Mit diesen Regelungen können nun Gewinn- und Honorarstrukturen aufgebaut werden.
Vor der Krise betrug der Umsatz der Branche im Lande rund 2,5 Milliarden Euro. Publisher traten bei den Produktionskosten eines Spiels in Vorleistung, strichen aber auch die Gewinne ein. Viele Studios erhalten nach wie vor lediglich Bruchteile dessen, was an Einnahmen erzielt wird.. Noch existieren keine gesetzlichen Regelungen, wie Gewinne zwischen allen Beteiligten verteilt werden müssen.
Die Mitarbeiter in den Studios sind hoch qualifiziert, aber vielfach erhalten sie geringere Honorare als in anderen Berufen der Kreativwirtschaft. Auch ist die Beschäftigung unsicher, viele Studios entwickeln einzelne Spiele und geben dann auf. Nur fünf Prozent der Unternehmen erwirtschaften Gewinne.
Ungeklärt ist noch die Rolle der Grafiker und Designer - sie erhalten die geringsten Honorare. Umsatzbeteiligungen gibt es nicht, klare Honorarstrukturen fehlen, auch die Einbeziehung von Verwertungsgesellschaften. Unklar ist auch die wirtschaftliche Beteiligung der Mitarbeiter an den Erfolgen eines Spiels, da es dazu keine Rechtsprechung gibt.
Die Game Factory Ruhr wird Kernerarbeit leisten müssen, um auch nur einige der gewaltigen Probleme für die Branche sicher zu lösen.
Foto: sean dreilinger
Zur Serie gehören
- Südkorea - Spieleindustrie als strategischer Faktor
- Britische Spieleszene - Probleme eine Global Player
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