Die A 43 führt von Münster direkt durch das Ruhrgebiet nach Wuppertal. Über die in ihrer Existenz bedrohten Sparten
Schauspiel und
Tanz redete in den vergangenen Wochen fast niemand mehr und das ist höchst erstaunlich. Immer noch droht in Wuppertal akut dem Schauspiel und dem Tanz das Aus während das renommierte
Von der Heydt-Museum neue Besucherrekorde meldet. Scheinbar hat da die Politik keine Skrupel mehr, wie auch Tom Stromberg weiß: „Ich finde es einfach nur unglaublich, dass man sozusagen nur den Tod von Pina Bausch abwartet, um dann solche Entscheidungen zu treffen.“
Wo bleibt das Erbe und die regionale Identität?
Und dem kulturellen Erbe einer der bedeutendsten deutschen Dramatikerinnen, der Else Lasker-Schüler, die nicht nur aus Wuppertal stammt, sondern sich in ihren Schauspielen auch immer wieder exemplarisch mit Wuppertal auseinandergesetzt hat, scheint sich hier niemand mehr verpflichtet. Verkommt Wuppertal wie Duisburg und Hagen zu einem Haus, das sich ganz einfach kein Schauspiel mehr leistet und diese Sparte aus einem bunten Potpourri von Gastspielen zusammen kauft?
Überleben West und Aussterben Ost
Schnell denkt man da an das schon längst liquidierte Schauspiel Hagens. Wie konnte so eine grandiose Spielstätte ihr eigenes Schauspiel verlieren? Mahnungen genug gibt es auch aus dem Osten der Republik. Hier hat man skrupellos alte Spielstätten ausglimmen lassen. Im Falle des Kleist Forums Frankfurt/Oder wurde trotz Neubau gar nicht erst ernsthafte Bemühungen gemacht ein eigenes Ensemble zu gründen. Zwar gibt es den renommierten Kleist Förderpreis und viele Gastspiele, aber was ist drin im Kleisttheater?
Wandel als Kulturkiller
Gemessen an Brillanz und Genialität der Kleistschen Texte ist da nicht viel. Heinrich von Kleist ist und bleibt aber Maßstab der deutschen Dramatik. Verkommt der Name nur noch zu einem Label, dann ist es an der Zeit über deutsche Kultur an sich zu reden. Da stehen dann Tourneetheater und Landesbühnen beim Kulturdezernenten der Stadt Schlange und betteln um Aufträge. Selten kümmert sich ein Gremium um den „Einkauf“ hochkarätiger Produktionen, wie sie des Öfteren in Duisburg zu sehen sind. Aber was ist das Eigene?
Oper und Ballett geht noch überall
Erhalten bleiben nur die Symphoniker und die Oper im Verbund mit Düsseldorfs Deutsche Oper am Rhein. Musik, Oper und Ballett geht noch überall. Wer aber schützt die Bühnen, diese tollen charismatischen und doch so grundverschiedenen Spielstätten in Wuppertal und Hagen und das Medium Schauspiel für das sie erbaut worden sind vor einem Pottpürree?
Gehört Wuppertal überhaupt ins Ruhrgebiet?
In Wuppertal scheint das weniger zu interessieren, denn man hat dort ein eigenes Opernhaus, das gerade aufwändig und teuer renoviert wurde, während man das Schauspielhaus jetzt nicht mehr renovieren, sondern am liebsten abstoßen möchte. Was und wen kümmert das? Und gehört Wuppertal überhaupt ins Ruhrgebiet? Wuppertal liegt an der Wupper und die Wupper fließt bei Leverkusen in den Rhein.
Fotos:
"Else Lasker Schüler" Wuppertal Marketing
"Pina Bausch" Filmwerkstatt Münster
"NRW_Tag in Wuppertal 2008" jusafa61
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