Der verwandelte Kulturwandel – wer erhält den Kulturreichtum der goldenen Kohlezeit?

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gab es ja noch eine Zeit, in der Wohlstand herrschte und in den vielen Ruhrgebietsstädten viele Foren für Kultur gebaut wurden. Alle wollten mitmachen und es entstand tatsächlich Neues - Innovationen. Und es entstanden nicht irgendwelche multifunktionalen Hallen, sondern es ging um Prestige. In Essen wurde eine Aalto-Oper gebaut und in Castrop-Rauxel bemühte man einen dänischen Stardesigner und Architekten, um ein neues Zentrum mit großem Rathaus samt zwei multifunktionalen Veranstaltungshallen, der Europa- und der Stadthalle, zu errichten. Arne Jacobsens Stadthalle beherbergt bis heute das Westfälische Landestheater. „Glück auf!“ war das vor Stolz protzende Credo und feierabends sollten nicht nur die sympathischen Eckkneipen, sondern auch die großen modern designten Hallen und Theater mit bis zu 1.600 Sitzplätzen gefüllt werden.
Auch deswegen weist die Metropolregion Ruhrgebiet heute einen Reichtum an Hochkultur mit diversen Tempeln für Oper, Schauspiel und Tanz samt den dazu gehörenden Ensembles auf. Es gibt viele städtische Betriebe, die als Mehrspartenhäuser Musiktheater, Schauspiel und Tanz abdecken. Drei der vier Landestheater NRWs liegen in oder ganz nah an dieser Region.

Wer schützt diese Innovationen von einst?

Im Hinblick auf den deutschsprachigen Raum fällt hier besonders die Entwicklung in der Sparte Schauspiel ins Gewicht. Das Schauspielhaus Bochum zählt unter die Top Ten der renommierten reinen Schauspiele in der deutschsprachigen Theaterwelt. Überraschenderweise gehen hier auch viele junge Leute ins Theater. Das wesentlich kleinere Theater Oberhausen schafft es immer wieder aus sich selbst heraus wichtige Impulse für das deutschsprachige Schauspiel frei zu setzen. Daran hat die Nähe zu Düsseldorf und seinem prestigeträchtigen Einspartenhaus nie etwas geändert. Nun gehört Düsseldorf ja auch nicht zum Ruhrgebiet und liegt direkt am Rhein. Kann es ganz einfach soviel Kultur auf engstem Raum geben oder scheidet sich da schlichtweg eine Klientel?

In Castrop-Rauxel hatten damals Dieter Pfaff und Katja Riemann ihre ersten Verträge als Schauspieler. Zur selben Zeit gründete man in Castrop-Rauxel am WLT ein sehr innovatives und erfolgreiches Kinder- und Jugendtheater, das dem berühmten GRIPS Theater Berlin in nichts nachstand. Aber was ist daraus geworden?

Aufruf zum Theatertourismus

Schützenhilfe bekam Bochum einst sogar aus dem Epizentrum des Münsterlandes: Frau Carola Möllemann-Appelhoff versuchte dem Schauspielhaus Bochum zu weiterem Ruhm und Strahlkraft zu verhelfen, als sie im Rat der Stadt Münster verkündete, dass man in Münster kein teures Theater brauche, das im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung besprochen werde; dafür könne sich der geneigte Münsteraner ja in sein Automobil setzen und nach Bochum ins Schauspielhaus fahren, schließlich gebe es dafür die Autobahn 43.

Foto Schauspielhaus Bochum: Birgit Hupfeld

Nächster Artikel als Fortsetzung:
*Über die Wupper gehen*

Do, 29.04.2010 1

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Kommentare

Keine Fanreisen

Theater-Fanreisen von Münster nach Oberhausen retten nichts - das wäre es auch noch TheaterFanSchals, gröllende Theaterfans begleitet von der Polizei - Fanecken im Zuschauersaal.....
Theater braucht nicht Reisefans, sondern mehr Fans vor Ort. Vielleicht machen die Theater ja was falsch, dass sie keine neuen Zuschauer mehr gewinnen? Überall scheint diese Frage normal, hier ist sie ein Tabubruch. Denn es wird immer unterstellt, wer mehr Zuschauer haben will, will dazu Qualität senken. Dieser Schundverdacht ist doch einfach super praktisch, um alles so zu lassen wie es ist. ... in Düsseldorf und anders wo gibt es die Ausnahmen ! Mehr Qualität und mehr Besucher! Und im Ruhrgebiet?

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08.03.2010

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