
„Der ganze Trillerpfeifen-Wahnsinn“ - Eine Bochumer Clubgeschichte, Teil I
Alle gehen heute selbstverständlich in Clubs feiern - aber wie entwickelten sich die Szene eigentlich im Ruhrgebiet? Ralf Odermann war in den Achtzigern Resident-DJ im legendären Logo-Club in Bochum, in den Neunzigern Geschäftsführer und ebenfalls Resident-DJ im Planet Club. Mittlerweile legt er nur noch gelegentlich auf und schmeisst ungefähr zweimal im Jahr die Logo-Revival-Parties in Bochum. Im Gespräch plaudert der Party-Pionier aus dem Nähkästchen der Ruhrgebiets-Szene und nimmt uns mit auf eine Zeitreise - von ganz früher über früher bis heute.
In unregelmäßigen Abständen geht ein Raunen durch die ältere Party-Generation von Bochum und Umgebung: „Es ist wieder Logo-Revival-Party!“ Was hat es damit auf sich?
Ralf Odermann: Wir machen jetzt seit 2004 eine Geschichte, die ich eigentlich nie machen wollte: eine Revival-Party für einen Club, den es früher mal gab. Der hieß Logo, bestand von 1985 bis 1991 und war für viele Leute ein ganz besonderer Club. Jetzt finden halbjährlich in der Original-Location, dem heutigen Stargate, diese Parties statt. Dann sind alle Stammgäste von früher da und stehen wieder an ihren alten Stammplätzen. Es ist eine richtige Zeitreise.
Was für Musik läuft dort?
Hauptsächlich Indie, Alternative und Punkrock. Es ist eine Auswahl von Sachen, die ich damals am Logo-Samstag immer gespielt habe. Ich habe als einziger DJ die ganzen sechs Jahre durchgespielt und lege jetzt quasi an einem Abend die Essenz dieser Zeit auf, nur die richtigen Hits.
Hat der Laden sich sehr verändert?
Er hat sich schon verändert. Das Logo war sehr bunt und kreativ eingerichtet. Um die Tanzfläche war ein großer Käfig und die Wände waren golden und in jeder Ecke gab es etwas Abgefahrenes zu sehen.

Sind die Gäste von früher heute auch noch in der hiesigen Szene aktiv?
Es gab eine Phase, von '87 bis '91, da hatten wir einen zweiten Floor aufgemacht, auf dem Schwarze Musik lief, also der damals aufkommende New School Hip Hop und Sachen wie Soul to Soul, Massive Attack und ganz früher House. Dort waren viele Leute, die heute in der Streetwear-Szene aktiv sind. Dazu gehörten zum Beispiel der Cem von der Hype Gallery, Thorsten Dzierma von Stüssy, Mirko Wagner von Adidas oder Martin Magielka von Streetwear Today und RNDM. Damals im Logo waren das die 'kleinen Hip Hopper'.
Zeitzeugen aus der Hochphase des Logo sind sich scheinbar einig, dass der Laden einen ziemlichen Kultstatus hatte – auch überregional …
Ja, das stimmt. Die weiteste Anreise hatten wohl die Leute aus Siegen, obwohl sogar ab und zu Leute aus Frankfurt gekommen sein sollen. Und zwischen drei und vier Uhr gab es immer eine regelrechte Invasion von Düsseldorfern und Rheinländern. Es war eben eine andere Zeit – wir hatten 1985 aufgemacht, das war kurz nach der ersten großen Punkwelle. Damals gab es New Wave, Industrial und die ersten Gothic-Sachen und auf der anderen Seite Hip Hop. Aber all diese Szenen hatten sich noch nicht richtig manifestiert, hatten noch nicht ihre jeweils eigenen Läden. Die Leute kamen ins Logo, weil ihre Musik in der Qualität sonst nirgends gespielt wurde. Es sollte noch bis zu den frühen 90ern dauern, bis es vergleichbare Clubs in den umliegenden Städten gab.
Bochum als subkulturelles Herz des Ruhrpotts?
Bochum war damals eine Zeit lang führend, mit dem Logo, dem Zwischenfall, Sachs und Intershop. Um Tucholsky und Mandragora begann sich auch gerade das Bermuda-Dreieck zu entwickeln – da ist man häufig nach Bochum gefahren. Heute sieht es in Bochum natürlich schlecht aus, aber es gibt auch in jeder etwas größeren Stadt einen brauchbaren Club für jede Musik und du fährst nur woanders hin, wenn es da eine 'Attraktion' gibt.
Wie war es denn deutschlandweit, ging damals auch schon eine solche Anziehungskraft von Großstädten wie Berlin aus?
Berlin war auch damals schon eine ganz eigene Geschichte. Das war dem besonderen Status der Stadt geschuldet, dass man nicht zur Bundeswehr musste, wenn man in Berlin wohnte. Da sind wirklich endlos viele nach Berlin gezogen.
Teil I: Die Achtziger
Teil II: Die Neunziger
Teil II: Heute
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Teil I: Die Achtziger
In unregelmäßigen Abständen geht ein Raunen durch die ältere Party-Generation von Bochum und Umgebung: „Es ist wieder Logo-Revival-Party!“ Was hat es damit auf sich?
Ralf Odermann: Wir machen jetzt seit 2004 eine Geschichte, die ich eigentlich nie machen wollte: eine Revival-Party für einen Club, den es früher mal gab. Der hieß Logo, bestand von 1985 bis 1991 und war für viele Leute ein ganz besonderer Club. Jetzt finden halbjährlich in der Original-Location, dem heutigen Stargate, diese Parties statt. Dann sind alle Stammgäste von früher da und stehen wieder an ihren alten Stammplätzen. Es ist eine richtige Zeitreise.
Was für Musik läuft dort?
Hauptsächlich Indie, Alternative und Punkrock. Es ist eine Auswahl von Sachen, die ich damals am Logo-Samstag immer gespielt habe. Ich habe als einziger DJ die ganzen sechs Jahre durchgespielt und lege jetzt quasi an einem Abend die Essenz dieser Zeit auf, nur die richtigen Hits.
Hat der Laden sich sehr verändert?
Er hat sich schon verändert. Das Logo war sehr bunt und kreativ eingerichtet. Um die Tanzfläche war ein großer Käfig und die Wände waren golden und in jeder Ecke gab es etwas Abgefahrenes zu sehen.

Logo Club in Bochum
Foto: logoderclub.de
Sind die Gäste von früher heute auch noch in der hiesigen Szene aktiv?
Es gab eine Phase, von '87 bis '91, da hatten wir einen zweiten Floor aufgemacht, auf dem Schwarze Musik lief, also der damals aufkommende New School Hip Hop und Sachen wie Soul to Soul, Massive Attack und ganz früher House. Dort waren viele Leute, die heute in der Streetwear-Szene aktiv sind. Dazu gehörten zum Beispiel der Cem von der Hype Gallery, Thorsten Dzierma von Stüssy, Mirko Wagner von Adidas oder Martin Magielka von Streetwear Today und RNDM. Damals im Logo waren das die 'kleinen Hip Hopper'.
Zeitzeugen aus der Hochphase des Logo sind sich scheinbar einig, dass der Laden einen ziemlichen Kultstatus hatte – auch überregional …

Im Inneren des Logo Clubs in Bochum
Bochum als subkulturelles Herz des Ruhrpotts?

Ralf Odermann
Wie war es denn deutschlandweit, ging damals auch schon eine solche Anziehungskraft von Großstädten wie Berlin aus?
Berlin war auch damals schon eine ganz eigene Geschichte. Das war dem besonderen Status der Stadt geschuldet, dass man nicht zur Bundeswehr musste, wenn man in Berlin wohnte. Da sind wirklich endlos viele nach Berlin gezogen.
Foto Odermann: Sven Stienen
Teil I: Die Achtziger
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