Der Bosporus filmt

Türkische Filmtage Ruhr 2011 zeigen türkisches Autorenkino im Dortmunder U

Fünf Tage lang zeigen die türkischen Filmtage Ruhr im Dortmunder U eine feine Auswahl an aktuellen türkischen Autorenfilmen. Zu den Themen gehören auch "heiße Eisen" wie die Probleme von Minderheiten in der türkischen Gesellschaft.

 

Diese Woche finden im Dortmunder U die türkischen Filmtage Ruhr 2011 statt. Das Festival zeigt aktuelle türkische Autorenfilme und versteht sich als Plattform, die diese Sparte des anspruchsvollen türkischen Films einem breiteren Publikum zeigen will.

 

"Frisch, neu, mehrfach ausgezeichnet"

„Wir haben sechs zeitgenössische Autorenfilme von 2010 und 2011 ausgewählt, die sind frisch, die sind neu, vier davon auch international mehrfach ausgezeichnet“, erläutert Projektleiterin Elmas Topcu die Programmauswahl des Festivals. Dass diese neuen türkischen Filme sich nicht scheuen, „heiße Eisen“ anzupacken, zeigte bereits der Film „Die Mehrheit“ von Seren Yüze (Titelfoto), mit dem das Festival am Dienstagabend eröffnet wurde.

 

Der Film greift die Vorurteile auf, die in der türkischen Mehrheitsgesellschaft noch immer gegenüber ethnischen Minderheiten herrschen. Am Beispiel der Geschichte des jungen Türken Mertkan und der jungen Kurdin Gül wird das gespannte Verhältnis zwischen Türken und Kurden thematisiert. Die wahre Hölle offenbart sich, als sich zwischen dem Paar eine verbotene Liebe anbahnt und der Konflikt zwischen Mertkan und seinem strengen, nationalistischen Vater immer deutlicher wird und die überpräsente soziale Kontrolle einsetzt.

 

Kein Beitrag zur Integrationsdebatte

Starker Tobak und dennoch werden jährlich 50 – 100 auch kritische Filmproduktionen am Bosporus vom türkischen Staat gefördert, allein 2010 waren es 66 Filme. Für das türkische Kino ist Deutschland ein großer und wichtiger Absatzmarkt, der sich allerdings eher auf Blockbuster beschränkt, wie Festivalleiterin Elmas Topcu erklärt: „Natürlich leben hier viele türkischstämmige Leute, deswegen ist das ein großer Markt. Aber der ist eher für Action und kommerzielle Blockbuster geeignet. Die guten Filme – Kunstfilme, Autorenfilme – laufen kaum in den deutschen Kinos.“ Damit teilen sie wohl das Schicksal der deutschen Autorenfilme...

 

Die türkischen Autorenfilme sollen nicht dazu da sein, pädagogisch oder erzieherisch zu wirken oder gar einen Beitrag zur hiesigen Integrations- und Migrationsdebatte zu leisten, wie die Festivalleiterin sagt: „Das spielt keine Rolle. Die Künstler sind die Künstler und haben ihre eigenen, künstlerischen Ansprüche. Die machen die Filme nicht aus pädagogischen Beweggründen, daher kann man diese Filme nicht mit den Debatten um Migration und Integration in Deutschland zusammenbringen.“

 

"Aus ästhetischer Sicht eine perfekte Leistung"

Auch wenn die vorwiegend jungen türkischen Filmemacher oft und gern auf Fragen, die die Gesellschaft beschäftigen, eingehen, so steht im Fokus des Festivals doch weniger die türkische Kultur, sondern eher der Film selbst als künstlerisches Mittel. „Das sind Filme, die durch den künstlerischen Anspruch entstanden sind“, erklärt Elmas Topcu, „aus ästhetischer Sicht und auch von der Leistung, etwa beim Casting für den Eröffnungsfilm, sind es sehr hochwertige Produktionen.“

 

Das Publikum beim Eröffnungsabend war denn auch ein gemischtes, hier trafen türkische und deutsche Filmfreunde aufeinander und auch Kulturdezernent Stüdemeier, der ein Förderer des Festivals ist, ließ sich blicken. Noch bis Sonntag, 6.11., werden im Rahmen der türkischen Filmtage einige sehenswerte Streifen laufen, die Bandbreite der Themen reicht von Liebe über Gesellschaftskritik bis Fußball und Musik beschäftigen. Das vollständige Programm gibt es auf der Homepage des Festivals.

 

Titelfoto: Szene aus "Die Mehrheit", Türkische Filmtage Ruhr 2011

Textfoto: Sven Stienen

 

Sa, 05.11.2011 0

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19.01.2010

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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