
Der Adventskalender der Kulturhauptstadt: O
Oha, das wird ne runde Sache: hinter dem 15. Türchen des Atzventzkalenders verbirgt sich natürlich der 15. Buchstabe des Alphabets, das O.
O du fröhliche
Könnte man am 18. ja mal so flashmobmäßig im Nordsternpark und in den anderen drei Spielstätten singen, wenn die Abschlussfeiern der Kulturhauptstadt laufen. So gegen 17:50 Uhr? Und im U vielleicht gemeinsam mit Botanica? Paul Wallfisch würde sich freuen.
Oberhausen
Manchmal muss man daran erinnern, dass Oberhausen keine mittelalterliche Stadt ist wie etliche ihrer Nachbarn, sondern ihre Existenz dem Entrepreneur Franz Haniel zu verdanken hat. Der nämlich brauchte für seine Gutehoffnungshütte einen Schienenanschluss an die Eisenbahnstrecke Köln-Minden, die unser Ruhrgebiet ab Herbst 1847 für den Güterfernverkehr erschloss. Um die Zugstation aus Fachwerk entstand eine kleine Siedlung, das spätere Oberhausen. Die Einwohnerzahl verachtfachte sich dann rasch von etwa 5.000 Menschen im Jahre 1860 auf über 40.000 zur vorletzten Jahrhundertwende. Gut zu wissen, wenn man mal wieder in der Cola-Oase des CentrO abhängt, ne?
Oberkante Unterlippe
Hey, das ist der Adventskalender für Freiberufler und nicht für Schulkinder, die morgens um 7 schon das Türchen mit den miesen Schokoladen aufknibbeln. Das heißt, die Schokolade ist billigst und schmeckt nicht, aber die Bilder sind ja das Süße daran. Es sind Archetypen, man vergisst sie sein ganzes Leben nicht, das Eichhörnchen, die Sternschnuppen, den Stiefel, das kleine Auto. Ich habe dieses Jahr keinen Adventskalender (alle: „Oooohhh!“), würde mit jedem Türchenöffnen aber einen alten Schokofreund aus frühester Kindheit wiedererkennen. Doch ich schweife ab. Freiberufler also, die Lichtgestalten der Kulturhauptstadt. Die haben den ganzen Tag irgendwas Kreatives zu tun und kommen erst abends zur Ruhe vor lauter Twittern und 2.0-Stress. Deshalb poste ich oft auch so spät; meist schreibe ich ja erst mittags den Beitrag des aktuellen Tages. Und weil das hier nur Freiberufler lesen, kann man doch auch mal sagen, wie es wirklich ist: Unter jedem Buchstaben könnte hier ein alkohol-affiner, ja alkohol-bejahender Text stehen, denn das ständige, geradezu berufsmäßige Trinken bildet die Lebensrealität jedes Freiberuflers ab und bildet überdies die flüssige Schnittmenge zur Lebensrealität der Angestellten und zum Heer der Arbeiter, Arbeitssuchenden und Arbeitslosen. Denn natürlich trinken die auch alle. Es wird die Zeit kommen, da die Altpapiertonnen vor den Mietwohnungen verschwinden (hat ja eh jeder Hartzer n iPad und n eBook) und stattdessen Flaschencontainer vor jedem Heim aufgestellt werden.
Odyssee
In den Ruhr Nachrichten gab’s gestern eine durchwachsene Note für die dezentral an den sechs Schauspielhäusern im Ruhrgebiet aufgeführte Odyssee. Durchwachsen aber nur wegen der „strukturbedingt zu wenig Menschen“, die die Reise mitmachten. Für alle, die’s verpasst haben, kenne ich eine (na ja) preiswerte und volksnahe Gelegenheit für die private Odyssee: Busfahren im VRR! Für eine Fahrt ausschließlich in Buslinien von, sagen wir, Duisburg-Rheinhausen-Friemersheim bis Bergkamen-Oberaden oder von Velbert-Langenberg-Nordrath bis Recklinghausen-Hochlarmark kann der geneigte Ruhrpott-Odysseus etwa die durchschnittliche Dauer der nordrhein-westfälischen Herbstferien einplanen. Der wahre Liebhaber wird nicht lange zögern!
Olle
Pragmatisch, wie wir hier nun mal sind, wirkt das Wort „Gattin“ aus unserem Munde allzu schnell irgendwie sprachlich overdressed; wir verfilzen uns da gern in hochgestochen klingenden Ausdrücken, die uns auf glattem gesellschaftlichen Parkett schnell zur ungewollten Tegtmeierei geraten. Während das gemeine Volk selten von „Freundin“ spricht, sondern, der kleinbürgerlichen Umstände halber, mit stolz flatterndem Timbre von „meiner Verlobten“ oder auch kurz nur von „Meiner“, suhlt sich der verspießerte Akademiker lieber in gespielter ironischer Gebrochenheit und gefällt sich in der Rolle des gefühlsneutralen, technokratischen „Lebensabschnittsgefährten“. Lebenskluge Menschen, die mal mit der Hautevolaute, mal mit dem sympathischen Strukturwandelverlierer von nebenan am Tresen stehen, verwenden dagegen die lingua franca pottiensis und sagen zu ihrer Frau einfach: Olle. Und sie auch für ihm.
Ollie
War es Rodney Mullen, der den Ollie erst ins Freestyle- und dann ins Street-Skaten gebracht hat? Der Ollie ist jedenfalls der wohl erste Trick, den Skate-Einsteiger üben; man hüpft mit dem Board über ein Hindernis oder einfach so in die Luft. Skateboardfahren verkörpert ein lässiges Lebensgefühl jenseits des öden „Sport treiben“ und passt super zum Ruhrgebiet mit seinen hingekippten Haufendörfern und urban möblierten Fußgängerzonen; es gibt viele astreine Spots, und eine Treppe zum Grinden findet sich fast überall. Kann mich gut erinnern, dass, als „wir“ (also mein damals engster Umkreis) den „1. Skateboard Europacup Essen 1989“ in der Grugahalle veranstalteten, das englische Zorlac-Team abwechselnd auf meinem schwarzen Ikea-Ledersofa nächtigte. Hätte ich auch mal wieder Bock drauf, auf die ganze Szene.
Onkel und Tante
Schon mal aufgefallen? Onkel und Tante sind ausgestorben. Oder stehen zumindest auf der Roten Liste für bedrohte Verwandte. Früher war diese Spezies so häufig, dass man auch die Nachbarin aus der Siedlung, die Bäckereifachverkäuferin, den Aquella-Heimdienst-Mann und den Dicken vonne Bude mit Tante und Onkel anredete. Ja, da war das Ruhrgebiet wirklich noch eine Familie, mit dem Risiko, dass der fremde Onkel dem kleinen Mädchen auch mal Aua machte. Wie in einer richtigen Familie halt. Nicht erst seit heute haben wir dagegen chinesische Einkindfamilien, was dazu führt, dass Kinder keine Geschwister mehr haben und in der nächsten Generation Vettern und Basen, Oheim und Muhme perdu sind. Das macht aber nix. In wenigen Jahren werden wir Onkel Singh und Onkel Pak haben, Tante Bashira und Tante Iyabode: Önkel und Tänten werden bünter.
Opel
Jeder Popel fährt n Opel, sagte man früher. Das reimt sich natürlich überhaupt nicht auf Insignia und Zafira. Im Gegenteil, diese neumodischen Autotypen (Admiral, hach! Diplomat, schluchz!) heißen wie frivole Päpste von 1400. Papst Insignia der Fünfzehnte. Päpstin Zafira die Dritte. Aber gepopelt ham die auch.
Overstolz
Gibt es die eigentlich noch? Das war doch immer die Zarette für die ganz Alten und ganz Harten. Für die, die eh schon Steinstaub hatten. Wo ich das gerade gugele: Diese Marke nannte sich nach einem alten Kölner Patriziergeschlecht, das offenbar direkt von den ersten Römerfamilien abstammte, die je nach Kölle rübermachten. Hat doch schon immer so elitär gerochen, dieses Kraut!
Owomoyela, Patrick
Ich hab ganz lange immer nur „Uwe Mojela“ verstanden und gedacht, wie Mutter Mojela wohl auf den Vornamen gekommen ist.
Leider heute nicht ins Kulturhauptstadt-Ranking geschafft:
Ocken
Old School
Opernhäuser
Osaka
Osama
Osmose
Otto
Morgen, liebe Kinder, ist das P wie Perik dran. Bitte keinen Personenkult.
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O du fröhliche
Könnte man am 18. ja mal so flashmobmäßig im Nordsternpark und in den anderen drei Spielstätten singen, wenn die Abschlussfeiern der Kulturhauptstadt laufen. So gegen 17:50 Uhr? Und im U vielleicht gemeinsam mit Botanica? Paul Wallfisch würde sich freuen.
Oberhausen
Manchmal muss man daran erinnern, dass Oberhausen keine mittelalterliche Stadt ist wie etliche ihrer Nachbarn, sondern ihre Existenz dem Entrepreneur Franz Haniel zu verdanken hat. Der nämlich brauchte für seine Gutehoffnungshütte einen Schienenanschluss an die Eisenbahnstrecke Köln-Minden, die unser Ruhrgebiet ab Herbst 1847 für den Güterfernverkehr erschloss. Um die Zugstation aus Fachwerk entstand eine kleine Siedlung, das spätere Oberhausen. Die Einwohnerzahl verachtfachte sich dann rasch von etwa 5.000 Menschen im Jahre 1860 auf über 40.000 zur vorletzten Jahrhundertwende. Gut zu wissen, wenn man mal wieder in der Cola-Oase des CentrO abhängt, ne?
Oberkante Unterlippe
Hey, das ist der Adventskalender für Freiberufler und nicht für Schulkinder, die morgens um 7 schon das Türchen mit den miesen Schokoladen aufknibbeln. Das heißt, die Schokolade ist billigst und schmeckt nicht, aber die Bilder sind ja das Süße daran. Es sind Archetypen, man vergisst sie sein ganzes Leben nicht, das Eichhörnchen, die Sternschnuppen, den Stiefel, das kleine Auto. Ich habe dieses Jahr keinen Adventskalender (alle: „Oooohhh!“), würde mit jedem Türchenöffnen aber einen alten Schokofreund aus frühester Kindheit wiedererkennen. Doch ich schweife ab. Freiberufler also, die Lichtgestalten der Kulturhauptstadt. Die haben den ganzen Tag irgendwas Kreatives zu tun und kommen erst abends zur Ruhe vor lauter Twittern und 2.0-Stress. Deshalb poste ich oft auch so spät; meist schreibe ich ja erst mittags den Beitrag des aktuellen Tages. Und weil das hier nur Freiberufler lesen, kann man doch auch mal sagen, wie es wirklich ist: Unter jedem Buchstaben könnte hier ein alkohol-affiner, ja alkohol-bejahender Text stehen, denn das ständige, geradezu berufsmäßige Trinken bildet die Lebensrealität jedes Freiberuflers ab und bildet überdies die flüssige Schnittmenge zur Lebensrealität der Angestellten und zum Heer der Arbeiter, Arbeitssuchenden und Arbeitslosen. Denn natürlich trinken die auch alle. Es wird die Zeit kommen, da die Altpapiertonnen vor den Mietwohnungen verschwinden (hat ja eh jeder Hartzer n iPad und n eBook) und stattdessen Flaschencontainer vor jedem Heim aufgestellt werden.
Odyssee
In den Ruhr Nachrichten gab’s gestern eine durchwachsene Note für die dezentral an den sechs Schauspielhäusern im Ruhrgebiet aufgeführte Odyssee. Durchwachsen aber nur wegen der „strukturbedingt zu wenig Menschen“, die die Reise mitmachten. Für alle, die’s verpasst haben, kenne ich eine (na ja) preiswerte und volksnahe Gelegenheit für die private Odyssee: Busfahren im VRR! Für eine Fahrt ausschließlich in Buslinien von, sagen wir, Duisburg-Rheinhausen-Friemersheim bis Bergkamen-Oberaden oder von Velbert-Langenberg-Nordrath bis Recklinghausen-Hochlarmark kann der geneigte Ruhrpott-Odysseus etwa die durchschnittliche Dauer der nordrhein-westfälischen Herbstferien einplanen. Der wahre Liebhaber wird nicht lange zögern!
Olle
Pragmatisch, wie wir hier nun mal sind, wirkt das Wort „Gattin“ aus unserem Munde allzu schnell irgendwie sprachlich overdressed; wir verfilzen uns da gern in hochgestochen klingenden Ausdrücken, die uns auf glattem gesellschaftlichen Parkett schnell zur ungewollten Tegtmeierei geraten. Während das gemeine Volk selten von „Freundin“ spricht, sondern, der kleinbürgerlichen Umstände halber, mit stolz flatterndem Timbre von „meiner Verlobten“ oder auch kurz nur von „Meiner“, suhlt sich der verspießerte Akademiker lieber in gespielter ironischer Gebrochenheit und gefällt sich in der Rolle des gefühlsneutralen, technokratischen „Lebensabschnittsgefährten“. Lebenskluge Menschen, die mal mit der Hautevolaute, mal mit dem sympathischen Strukturwandelverlierer von nebenan am Tresen stehen, verwenden dagegen die lingua franca pottiensis und sagen zu ihrer Frau einfach: Olle. Und sie auch für ihm.
Ollie
War es Rodney Mullen, der den Ollie erst ins Freestyle- und dann ins Street-Skaten gebracht hat? Der Ollie ist jedenfalls der wohl erste Trick, den Skate-Einsteiger üben; man hüpft mit dem Board über ein Hindernis oder einfach so in die Luft. Skateboardfahren verkörpert ein lässiges Lebensgefühl jenseits des öden „Sport treiben“ und passt super zum Ruhrgebiet mit seinen hingekippten Haufendörfern und urban möblierten Fußgängerzonen; es gibt viele astreine Spots, und eine Treppe zum Grinden findet sich fast überall. Kann mich gut erinnern, dass, als „wir“ (also mein damals engster Umkreis) den „1. Skateboard Europacup Essen 1989“ in der Grugahalle veranstalteten, das englische Zorlac-Team abwechselnd auf meinem schwarzen Ikea-Ledersofa nächtigte. Hätte ich auch mal wieder Bock drauf, auf die ganze Szene.
Onkel und Tante
Schon mal aufgefallen? Onkel und Tante sind ausgestorben. Oder stehen zumindest auf der Roten Liste für bedrohte Verwandte. Früher war diese Spezies so häufig, dass man auch die Nachbarin aus der Siedlung, die Bäckereifachverkäuferin, den Aquella-Heimdienst-Mann und den Dicken vonne Bude mit Tante und Onkel anredete. Ja, da war das Ruhrgebiet wirklich noch eine Familie, mit dem Risiko, dass der fremde Onkel dem kleinen Mädchen auch mal Aua machte. Wie in einer richtigen Familie halt. Nicht erst seit heute haben wir dagegen chinesische Einkindfamilien, was dazu führt, dass Kinder keine Geschwister mehr haben und in der nächsten Generation Vettern und Basen, Oheim und Muhme perdu sind. Das macht aber nix. In wenigen Jahren werden wir Onkel Singh und Onkel Pak haben, Tante Bashira und Tante Iyabode: Önkel und Tänten werden bünter.
Opel
Jeder Popel fährt n Opel, sagte man früher. Das reimt sich natürlich überhaupt nicht auf Insignia und Zafira. Im Gegenteil, diese neumodischen Autotypen (Admiral, hach! Diplomat, schluchz!) heißen wie frivole Päpste von 1400. Papst Insignia der Fünfzehnte. Päpstin Zafira die Dritte. Aber gepopelt ham die auch.
Overstolz
Gibt es die eigentlich noch? Das war doch immer die Zarette für die ganz Alten und ganz Harten. Für die, die eh schon Steinstaub hatten. Wo ich das gerade gugele: Diese Marke nannte sich nach einem alten Kölner Patriziergeschlecht, das offenbar direkt von den ersten Römerfamilien abstammte, die je nach Kölle rübermachten. Hat doch schon immer so elitär gerochen, dieses Kraut!
Owomoyela, Patrick
Ich hab ganz lange immer nur „Uwe Mojela“ verstanden und gedacht, wie Mutter Mojela wohl auf den Vornamen gekommen ist.
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Mi, 15.12.2010
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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.
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PPP
Hey Jan, danke,
dafür ging's mir heute mit dem P wieder zäher. Ist aber jetzt auch drin.
Schlemihl
Heute kaufe ich mir nicht eins, sondern ganz viele O. Das Pott-Alphabet wird ja von Buchstabe zu Buchstabe besser!