Der Adventskalender der Kulturhauptstadt: G

Heute: Türchen Nummer 7. Wir suchen den G-Punkt des Ruhrgebiets.


Gasometer
Nur mal zur Erinnerung: Die dicke Tonne ist nicht nur Leuchtturm der Kulturhauptstadt, sondern bedeutete auch schon vor 2010 etwas viel wichtigeres, nämlich Identifikation mit seiner Stadt: „Deshalb stehn wir anner Ecke anner Bude mit ner Fluppe / München und Hamburg sind uns völlig schnuppe / Lieber auf’m Gasometer im Sturmesbrausen / Und alles watte siehs is: Oberhausen.“ Das haben die Missfits gesungen, danke dafür.

Gastronomie
Die Kulturhauptstadt ist die drittgrößte Gourmetgroßstadt Deutschlands nach Berlin und Hamburg, wenn man alle Restaurants in den 53 Orten zusammenzählt, die aktuell mit Sternen, Punkten, Hauben und Löffeln ausgezeichnet wurden. Von Hamminkeln bis Fröndenberg oder von Hamm bis Neukirchen-Vluyn ist es zwar ganz schön weit, aber das trifft auch auf die Strecke von Finkenwerder bis Wohldorf-Ohlstedt zu. Eins der schönsten Erkenntnisse des Jahres war: Die Ruhrgebietsküche muss sich nicht verstecken.

Gauloises
Die roten Gauloises Blondes scheint jeder Künstler zu rauchen, sofern er nicht Retro-Selbstdreher oder Profischnorrer ist. Ist da vielleicht ab Werk was drin?

Gen Italien
Dorthin richtete sich der Sehnsuchtsblick der Deutschen, insbesondere der Ruhrgebietler fuhr ja so gerne nach Rimini. Und ebenso gern eröffneten fleißige Pizzabäcker und Eisdealer ihre Lokale zuerst bei uns. Die schlimme Konsequenz zeigt Petra Reski in ihrem Sachbuch-Bestseller „Mafia“ und hält die sechs 'Ndrangheta-Morde von Duisburg erst für den Anfang. Ein viel schöneres Beispiel für Wissenstransfer ist der Verein Capribatterie, der Kunst zwischen Düsseldorf und Neapel hin und her schickt. Der Duisburger ex-Galerist Martin Bochynek und seine Künstlerfrau Susanne Ristow machen das; und der Capri ist ein Ruhrgebietsauto, das auch Beuys gefallen hätte.

Genussbereit
Er sei zwar „unglaublich faul“, sagt der Bochumer Journalist und Blogger Peter Krauskopf über sich selbst, doch das hindert ihn nicht daran, täglich seinen Blog Genussbereit mit Wissenswertem über die Ruhrgebietsküche zu bestücken. Nicht nur Fleißarbeiten wie der Wochenüberblick Topfgucker mit zig Fundstücken aus dem Netz gehören zu Krauskopfs guten Formaten, vor allem in der Kolumne Gestern bei Mama, in der er Oldschool-Hausmannskost für seine 94-jährige Mutter auftischt, menschelt es angenehm. Dem „Genießer“, wie Krauskopfs Alter Ego heißt, verdankt die Kulturhauptstadt jedoch auch das Manifest der Ruhrgebietsküche und Nachrichten vom regen Treiben der hiesigen Slowfoodies.

Gladbeck
Bis heute und für immer mit Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski verbunden. Geiselnahme als Konzeptkunst, embedded journalism, Silke Bischoff als Gruftieband, „Mach meinen Kumpel nicht an“-Shirts: das toppt nicht mal Duisburg.

Glück auf
Hat sich als Gruß unter Mails und Briefen wieder gut etabliert. Finde ich okay, solange das entkoppelt bleibt von Bergbaufolklore und der Forderung nach ewiger Aufrechterhaltung der Schürfrechte.

Gorny, Dieter
Darf auf keinem Gabentisch fehlen: die Hymne der Kreativwirtschaft. Und jetzt alle: „I’m Gorny, Gorny Gorny Gorny / I’m Gorny, Gorny Gorny Gorny / I’m Gorny, Gorny Gorny Gorny tonight…“ Von ihm selbst begleitet auf dem E-Bass!

Grimmepreis
Tolle Preisträger 2010, allein von ihren Titeln her passend zur Kulturhauptstadt: „Willi wills wissen – Wie macht der Künstler Kunst?“ – „Galileo Speziel: Karawane der Hoffnung“ – „Eisenfresser“ – „Ein halbes Leben“ (Nein, das muss heißen: „Ein Leben laaang“, aber Neuer geht doch noch zu ManU, passt auf!) – „Frau Böhm sagt nein“ – und am besten „Kommissar Süden und der Luftgitarrist“, herrlich, alles da: Institutionen, Italiensehnsucht und erfolglose Kreative…

Grün, Grüne, Grünkohl
„Das viele Grün bei Euch“, gähn.
„Die Grünen kommen im Kreuzviertel auf 25 Prozent“, erzählt mir was Neues.
„Grünkohl ist lecker“, jau!


Und morgen, liebe Kinder, öffnen wir Türchen Nummer Acht und widmen uns dem H wie H-Bombe und H-Milch…
 
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Di, 07.12.2010 2

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Kommentare

Lab Reactor

Großartige Fotos, danke!
Das unterste (von Thomas Struth) trägt übrigens den Titel "Lab Reactors", das passt ja ganz gut hier hin.

Gursky Andreas

"For me, vision is an intelligent form of thought."

Das Bild "Dortmund" von 2009:
http://www.ruhrpod.info/fotos/ruhrblicke/index.htm

Über den Autor

13.12.2009

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Wer spart, der hat.
vor 18 Wochen 1 Tag

Stadt

Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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