DeltaLecture: Die Abschlussdebatte - "Die holländische Metropole ist ganz gut aufgestellt"

Die holländische Großstadtstrategie für ein polyzentrisches Netzwerk kleinerer Städte

In der letzten Veranstaltung der DeltaLecture-Reihe über die Zukunft der holländischen Metropolen (future of the Dutch Randstad metropolis), organisiert von The Netherlands Architecture Institute (NAi) und der Deltametropolis Association, wurden Schlussfolgerungen bezüglich der Vorlesungsreihe tIP gezogen.

Die holländische Metropole ist ein polyzentrisches Netzwerk, ein Ballungsraum aus kleineren Städten im Westen der Niederlande. Zusammen formen diese kleineren Städte ein Ballungsgebiet mit den entsprechenden Qualitäten. Aus internationaler Sicht ist diese Region, die unter anderem aus Amsterdam, Rotterdam, Utrecht und Den Haag besteht, eine der weltweit führenden Wirtschaftsregionen. Aber wie plant man eine derartige Region – oder wie plant man sie nicht? Oder anders gesagt: wie sollte eine holländische Großstadtstrategie aussehen? Berater, Manager und Wissenschaftler diskutierten diesen Punkt untereinander und mit dem Publikum.

 

Großstadtstrategie

Einer der Diskussionsteilnehmer meint, dass die holländische Metropole die beste der Großstädte wäre, wenn man berücksichtige, dass ihr die Infrastruktur von Städten wie New York und London und das Großstadt-Aussehen und -Flair fehle – dafür sei sie aber sehr billig, mit allen infrastrukturellen Möglichkeiten einer Großstadt in Reichweite. Deltametropolis-Leiter Paul Gerretsen, auf der Suche nach einer Zukunftsstrategie für diese Region, bringt vier Hauptelemente einer möglichen Strategie ins Spiel.

Erstens: das internationale Umfeld muss in den lokalen Kontext eingebettet werden. Internationale Migranten zum Beispiel sind ein solides Rückgrat einer sich stetig entwickelnden Metropole, die per se weltweite Verbindungen zu allen Regionen haben. Das Potenzial dieser Gruppen sollte besser genutzt werden.

Zweitens: es muss einen Schwerpunktwechsel geben – anstelle an die Begriffe „Stadtzentrum“ / „Stadtrand“ sollte man an „Netzwerke“ denken.

Drittens: es werden öffentliche Räume benötigt, wo sich Menschen treffen können und wo zeitgenössische großstädtische Programme angeboten werden.

Viertens: ein Umdenken von einem sektorbasierten hin zu einem ganzheitlichen Ansatz muss stattfinden.

 

Freiflächen

Alle Teilnehmer stimmen der Feststellung zu, dass eine neue Großstadtstrategie nicht vom Staat, sondern von Initiativen und Koalitionen aus dem privaten Sektor geleitet werden sollte. Als Beispiel erstellt der Den Haager Stadtrat Norder eine Online-Landkarte von Freiflächen in seiner Stadt, um lokale Initiativen dazu anzuregen, durch zeitweise Nutzung der Freiflächen in die Stadt zu investieren - Norder zufolge habe das großartige Ergebnisse gebracht. Viele Initiativen werden auf diese Art und Weise gestartet.

 

Produktion anstelle von Wissen

Eine bemerkenswerte vorgestellte Idee ist auch, sich mehr auf die primäre und sekundäre Wirtschaft in der holländischen Metropolregion zu konzentrieren. Der Kerngedanke dabei ist, dass die westliche Welt sich nicht mehr als das „Gehirn“ der Welt betrachtet. Auch anderswo auf dieser Welt steigt das Niveau, was Erziehung angeht, und die Qualität in Bezug auf Forschung und Entwicklung ebenfalls. Diese neuen wirtschaftlichen Kräfte nähern sich, was Wissen und Kreativität angeht, dem Westen immer mehr an, was ein Wirtschaftssystem, das ausschließlich auf Wissen beruht, nicht sehr zukunftsfähig macht. In diesem Teil der Welt sollten Ballungsräume partiell eine programmatische Kombination aus Kreativität und Wissen auf der einen Seite und Produktion auf der anderen sein. Den Diskussionsteilnehmern Luuk Boelens und Jan Brouwer zufolge braucht die holländische Metropole eine Vision, was diese neue Produktionswirtschaft angeht, die sich mit dem Thema beschäftigt, wie man diese (Produktions-)Funktionen wiedererlangt.

Der flämische Koreferent Joachim Declerck unterstützt diese Ideen, indem er seine Gedanken zum flämischen Stadtnetzwerk ‘Vlaamse Ruit’ erläutert. Er spricht über das moderne Großstadtgebiet als erneuertem Produktionsraum. Ein neue horizontale Landverteilung ist nötig, um qualitative hochwertigen Produktionsstätten den Platz zu geben, den sie brauchen.

 

Sex zwischen Igeln

Wie alle Diskussionen über die holländische polyzentrische Metropole endet auch diese mit einigen Bemerkungen über administrative Integration. Norder erklärt die Schwierigkeiten ziemlich gut, indem er die Anstrengungen von Den Haag und Rotterdam, als Ballungsraum zusammenzuarbeiten, mit Sex zwischen Igeln vergleicht: man ist sehr vorsichtig. Der historische Hintergrund eines jahrhundertelangen Wettbewerbs der beiden Städte ist nicht so einfach binnen einiger Jahre zu überwinden.

Sa, 02.06.2012 0

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09.11.2011

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