Das Wesen des Voodoo: Im Soul of Africa-Museum

Die Liebe kam mit Johnny Weissmüller. Das war Anfang der 50er-Jahre. Als der 12-jährige Henning Christoph den Tarzan-Darsteller zum ersten Mal in der magischen Kulisse Afrikas sah, war seine Liebe zum Kontinent entbrannt. Heute ist Henning Christoph 67 und die Liebe hält noch immer. So stark, dass er Afrika zu Ehren im Jahr 2000 in Essen-Rüttenscheid das „Soul of Africa Museum" eröffnet hat – das einzige Museum in Europa zum Thema Voodoo, Magie und Heilung.


Henning ChristophNach seinem Ethnologie-Studium in den USA reiste Henning Christoph ab Ende der 70er-Jahre als Fotojournalist für GEO um die Welt. Einige Reportagen wurden sogar mit World-Press-Preisen ausgezeichnet. Mitte der 80er-Jahre erfuhr er im westafrikanischen Benin sein Erleuchtungserlebnis. Während einer Fotoreportage über einen Stamm in einem Sumpfgebiet beobachtete er exstatisch zu wilden Trommeln tanzende Männer in Baströcken. Sie schnitten sich in schneller Abfolge mit Messern und Glasscherben in ihre Körper und waren blutüberströmt. In dieser Zeremonie wollten die Männer beweisen, dass sie böse Mächte bezwingen können.



An Voodoo glauben heißt, an magische, übernatürliche Kräfte glauben


Das war Henning Christophs erste Begegnung mit Voodoo, auch Vodoun genannt. Der Rhythmus, der Tanz, die Exstase faszinierten ihn. Der Religionskult wird seine Leidenschaft und er lässt sich von Voodoo-Priestern in die Geheimnisse der Religion einweihen. Heute ist Henning Christoph selbst ausgewiesener Voodoo-Experte. Über das Wesen des Voodoo klärt er in seinem „Soul of Africa Museum” auf und präsentiert auf der Rüttenscheider Straße eine Sammlung von unzähligen, scheinbar wild durcheinander gewürfelten Kultgegenständen: Altäre, Holzfiguren, Totenschädel, Knochen, Kräuter, Tinkturen, Kostüme und Fetische – abstrakte Figuren mit denen Kontakt zu Göttern hergestellt wird.


Doch was bedeutet Voodoo? Wer daran glaubt, glaubt an magische, übernatürliche Kräfte. Daran, dass das Leben von ihnen bestimmt wird – seien es Glück, Erfolg, Reichtum oder Macht, aber auch Unglück oder Misserfolg. Doch die mit Hühnerknochen behangene Frau, die Nadeln in eine Puppe sticht und dabei gebetsmühlenartig unverständliche Verse murmelt, um eine andere Person zu verhexen – das sei, laut Henning Christoph, „natürlich Quatsch”. „Klischees”, sagt der Experte. „Schaden herbeizuführen ist nicht Sinn des Voodoo, sondern das Wesen besteht immer aus Heilen, Harmonie und Schutz. Durch den Sklavenhandel in Benin verbreitete sich Voodoo auch in Brasilien und der Karibik, besonders nach Haiti sowie in den Süden der USA. Als das Zentrum des amerikanischen Voodoo gilt heute New Orleans. Die Praktiken und Rituale dort haben mit dem ursprünglichen Vodoun aber nicht mehr viel gemein und liefert in erster Linie Hollywood blutige Stoffvorlagen.
 

Ein Voodoo-Priester schützt und heilt


„In Benin”, so Henning Christoph, „in der Wiege des Voodoo, bedeutet Voodoo einfach Gott oder Geister. Der Voodoo-Priester schützt und heilt. Er macht nichts Böses. Es geht um Energien, die durcheinander geraten sind und so wieder in die richtige Ordnung gebracht werden sollen.” Wenn ein Voodoo-Priester eine kranke Person empfängt, wird diese zur Heilung manchmal in Trance versetzt. Darin steigen die Götter in den Erkrankten, die Seele verlässt den Körper. Getrieben wird er von wilden Trommeln, die ihn tanzen lassen und zu einer Hyperventilation führen. Diese tanzenden Derwische müssen anschließend mit Wasser, Schnaps oder Parfüm besprüht und aus der Trance geholt werden. „In der Trance entwickeln Menschen unglaubliche Fähigkeiten”, berichtet Henning Christoph. „Ich habe einen Mann gesehen, der sich ein Messer durch den Kopf stößt. Eine Stunde später zieht er das Messer aus seinem Kopf und trinkt mit mir zusammen ein Bier. Das war möglich, weil ein Gott ist in seinen Körper eingestigen war.”


"Ich habe aufgehört, Dinge erklären zu wollen."


Eine unglaubliche Geschichte. Henning Christoph meint: „Diese Fähigkeiten könnten wir Europäer niemals entwickeln. Europäer haben keinen Zugang zum Voodoo, deren Rituale wir nicht verstehen. Denn wir brauchen immer eine Erklärung für alles. Ich habe aufgehört, diese Dinge erklären zu wollen. Die Menschen müssen an dem Punkt kommen, an dem sie es hinnehmen. Ich bin schon lange an diesen Punkt gelangt." Henning Christoph akzeptiert.



Fotos: Sandra Anni Lang

 
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Mi, 02.02.2011 1

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toller Beitrag! Bitte mehr

toller Beitrag! Bitte mehr solche "Geheimtipps"!!!

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04.12.2009

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