Das Unperfekthaus - ein einzigartiges Kreativkonzept

Eines ist sicher: Das UpH ist einzigartig

Das Unperfekthaus (UpH) in Essen. Was ist das jetzt eigentlich genau? Ateliers mit Galerien? Café? Coworking? Bunte Künstler- und Kreativinsel? Museum? Hotel? Projektmagnet? Schwer zu sagen. Ein bisschen etwas von allem. Eines ist jedenfalls sicher: Das UpH ist einzigartig.


Mitten in der Essener Nordstadt hat der Unternehmer und Visionär Reinhard Wiesemann eine mehr als ungewöhnliche Idee umgesetzt: Er kaufte ein ehemaliges Franziskanerkloster und baute es nach seinen Vorstellungen in ein „Künstler- und Kreativdorf“ um.

Die Kunst: Künstler jeglicher Couleur bekommen gegen eine geringe Unkostenbeteiligung (45 Euro im Quartal) einen Atelierplatz zur Verfügung gestellt. Die Bedingung: Die Türen bleiben offen, jeder kann den Kreativen beim Arbeiten über die Schulter sehen – und natürlich auch Werke kaufen, wenn’s gefällt.
Das allein allerdings wäre wohl kaum etwas Neues. Auf sechs Etagen mit rund 4000 Quadratmetern geht es weitaus bunter zu. Man muss sich schon einige Zeit nehmen, um das UpH von unten nach oben zu entdecken und vor allem auch begreifen.

 

Das Coworking: Im UpH finden sich auf verschiedenen Etagen immer wieder ruhige Ecken zum Arbeiten, Ausruhen, Abschalten, Inspirieren lassen. Wer keinen Laptop dabei hat, kann sich einfach an einen der zur Verfügung stehenden Rechner setzen – oder sich wahlweise ein iPad am Empfang ausleihen. Laptop dabei, aber der Akku geht zur Neige? Auch kein Problem, Ladekabel für die gängigen Apfel-Produkte gibt es leihweise ebenfalls. Ach ja: Kopierer und Drucker finden sich natürlich auch. Genau genommen alles, was Coworker und Gründer so brauchen, die keine eigenen Büroräume haben. Falls zwischendurch mal der Kopf raucht – ran an den Kicker, den Flipper oder die Tischtennisplatte.

Bühne freiDie Gruppendynamik: Jeder kann im UpH ein Projekt anmelden und Räume nutzen. Einzige Voraussetzung: Es muss legal sein. Ansonsten ist alles denkbar – ein Stammtisch für Rupfenpuppenbastler, Yogis oder Musiker, die in der Aula proben wollen. Selbst eine Art Rollschuhmusicalfans sollen mit ihren Skates schon auf dem Parkett der Aula gesichtet worden sein. In einer Raumbelegliste werden die Treffen eingetragen, Überschneidungen dadurch vermieden. Aber auch hier gilt: Jeder Besucher kann das Geschehen betrachten, zuhören oder auf Nachfrage auch mitmachen. Ein offenes Haus halt.

Geschlossene Seminare: Es soll ja durchaus Seminare, Fortbildungen oder Besprechungen geben, die nicht unbedingt für alle und jedermann bestimmt sind. Auch hier hat das UpH entsprechende Kapazitäten und bietet Räume mit unterschiedlichen Einrichtungen und Ausstattungen bis hin zu Beamer und sonstiger Technik an. Kostenlos sind diese Räume allerdings nicht. Bezahlbar hingegen schon. Interessanterweise buchen gerade große Unternehmen zum Beispiel aus der Stahl- oder Finanzbranche genau diese Tagungsräume. Schlipsträger und Kreative? Geht das unter einem Dach? „Absolut!“, betont Kreativbetreuerin Sabine Kampling vom UpH. „Allerdings fällt auch auf, dass die Umgebung oft auf die Teilnehmer abfärbt – mit fortlaufendem Seminar werden die Krawatten gern mal gelockert oder abgenommen.“

Das „Hotel“: Im UpH gibt es auch Übernachtungsmöglichkeiten – natürlich auf etwas andere Art. Die „Hotel-WG“ bietet jeden Komfort und Luxus bis zur eigenen Sauna, jedoch für Gemeinschaften konzipiert. Soll heißen: Man kann die WG mit bis zu 14 Schlafplätzen nur als Ganzes mieten. Genau genommen die ideale Lösung für alle, die sich aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands für Projektarbeit treffen und einige Tage konzentriert arbeiten wollen; denn auch im WG-Hotel gibt es Schreibtischplätze, an die man sich in Ruhe zurückziehen kann.

Die Gastro: Neben einem Café im Erdgeschoss findet sich in der vierten Etage ein Restaurant mit Büfett, dass zum einen reichhaltig, zum anderen auch auf verschiedenste Essgewohnheiten eingestellt ist. Feste Essenszeiten? Fehlanzeige. Würde auch gar nicht zum Konzept des Hauses passen. Während der täglichen Öffnungzeiten von 10 Uhr bis 23 Uhr verhungert und verdurstet jedenfalls keiner im UpH. Und falls wer seine eigenen Schnittchen mitbringen möchte – auch kein Problem. Schiefe Blicke gibt es dafür im Restaurant nicht. Dafür allerdings die Möglichkeit, nach dem Essen auf der teils wettergeschützten Dachterrasse zu loungen.

Die Preise: Um ein Projekt dieser Größenordnung mit all seinen Features tragen zu können, muss das UpH Eintritt nehmen. Der Aufenthalt für fünf Stunden kostet 6,50 Euro inklusive nichtalkoholischer Freigetränke. Auch eine „Schnupperstunde“ für vier Euro gibt es. Ist aber ehrlich gesagt Kokolores. Denn selbst wer nur als Besucher einmal einen Einblick ins UpH bekommen möchte, braucht weitaus mehr als eine Stunde, um sich alles anzusehen, mit anderen ungezwungen zu plaudern, das Haus zu begreifen.
 

Nichts für den Husch-husch-Besuch


Genau genommen ist die Preisliste im UpH genau so unterschiedlich und bunt wie das Haus selbst. Ist auch gut so. Aber keine Bange: Das freundliche Empfangspersonal hilft gern weiter und erleichtert den Start ins Haus. Für alle weitergehenden Fragen steht in der ersten Etage noch ein Info-Büro zur Verfügung.

Aber eigentlich kann nur eines machen: Das UpH selbst erleben. Wer es bislang noch nicht auf dem Zettel hatte – unbedingt beim nächsten Aufenthalt in Essen einplanen. Und etwas Zeit mitbringen. Ein Mal-eben-husch-husch-Besuch ist wirklich nicht zu empfehlen.
 

Fotos: Holger Steffens


 

So, 22.04.2012 0

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24.02.2010

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