
Das kann ich auch! – Der NeoCraft-Diskurs in der Ausstellung "Making is Thinking" (Teil 3)
- Serie: Media Art
Die Annäherungen der künstlerischen Arbeiten in der Ausstellung Making is Thinking an das gemeinsame Thema sind recht unterschiedlich: Einerseits trifft der Besucher auf Abstraktion und formalistische Strenge, andererseits setzen sich einige der beteiligten Künstler humorvoll, durchaus auch selbstironisch mit den eigenen kreativen Prozessen auseinander. Gemeinsames Element ist ein Nachdenken über Alternativen zu Massenproduktion und Konsum.
Die Künstler betreten hier nicht als romantisch verklärte Originalgenies die Bühne, sondern als Bindeglied zu einem kreativen Output, den der Betrachter in seiner Machart nachvollziehen kann und der dadurch für ihn einen individuellen Wert bekommt. Einige der Arbeiten beschäftigen sich mit der Rolle des Amateurs, andere reflektieren die Verwandlung einer Idee in Kunst oder die Verbindung von Skulptur und Design.
Oftmals blitzt eine angenehme Ironie auf, wenn sich z. B. die norwegische Künstlerin Ane Hjort Guttu in ihrem Video How to become a Non-Artist mit der simplen Frage auseinandersetzt: Wann beginnt die Kunst zu sagen, „schau mich an, ich bin Kunst?“ Ihre Slideshow, die an eine aus dem Off kommentierte PowerPoint-Präsentation erinnert, stellt Arrangements von Alltagsobjekten vor, die Kunst sein könnten (und auch genauso akademisch kommentiert werden), Installationen vielleicht, wären sie bewusst so zusammengestellt worden. Doch es handelt sich hierbei „bloß“ um die scheinbar willkürlichen Ergebnisse des unbewussten spielerischen Umgangs des kleinen Sohns der Künstlerin mit Haushaltsgegenständen. Trotz der beabsichtigten Nähe zur Persiflage auf einen Kunstbetrieb, der in allem nach Bedeutung sucht, findet Hjort Guttu Schönheit und Form in den intuitiven Kompositionen ihres Sohns. Am Beispiel dieser Arbeit wird das Verbindende aller gezeigten Werke deutlich: Es geht um eine Auseinandersetzung mit dem kreativen Schaffensprozess selbst, um künstlerische Praxis zwischen Intuition und Konzept.
Bei der Präsentation der Arbeiten setzt Kuratorin Zoë Gray auf großzügig gestaltete Räume, die den Werken Platz lassen, damit sie in ihrer Verschiedenheit voll zur Geltung kommen können, und den Besuchern Punkte der Sammlung ermöglichen. Für angenehme Irritation sorgt manche Entscheidung beim Hängen von Bildern. So kommt es z. B. vor, dass sich eine vergleichsweise kleine, gerahmte Arbeit vor einer riesigen Wand scheinbar verliert. Im Zusammenspiel mit den verschiedenen Blickwinkeln auf die anderen Arbeiten im Raum jedoch wirken diese kuratorischen Einfälle immer schlüssig, nie verspielt. Dasselbe gilt für die Beschriftung der Arbeiten, die auf die Titel der Werke verzichtet, nur die Künstler nennt, und durch ihre Platzierung an den Unterkanten der Wände in der Ausstellungsarchitektur als eine Art zusätzliches Leitsystem funktioniert. Im Vordergrund steht immer die physische Qualität der Kunstwerke selbst, nicht die theoretische Idee hinter der Ausstellung. Man merkt Grays Art der Präsentation an, dass sie die Begeisterung, die sie für die Künstler empfindet, mit den Besuchern der Schau teilen und kein kulturwissenschaftliches Seminar abhalten möchte.
Und doch bleibt die Frage, ob die zeitgeistige Rückbesinnung auf gutes, altes Handwerk nicht eine zu eurozentrische Perspektive darstellt. Denn Globalisierung, Massenproduktion und Lust auf Konsum haben, trotz mannigfaltiger Probleme, in vielen Schwellenländern für rasantes Wachstum und die Entwicklung einer neuen Mittelschicht geführt, die es vorher nicht gab. Hat das Ganze also vielleicht auch mit einer saturierten westlichen Angst vor dem eigenen Bedeutungsverlust zu tun? Die nächste Ausstellung in der Witte de With wird das zwar nicht beantworten, aber vielleicht einen Schritt weiter gehen können. Ihr Titel: The End of Money.
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Die Künstler betreten hier nicht als romantisch verklärte Originalgenies die Bühne, sondern als Bindeglied zu einem kreativen Output, den der Betrachter in seiner Machart nachvollziehen kann und der dadurch für ihn einen individuellen Wert bekommt. Einige der Arbeiten beschäftigen sich mit der Rolle des Amateurs, andere reflektieren die Verwandlung einer Idee in Kunst oder die Verbindung von Skulptur und Design.
Schau mich an, ich bin Kunst!

Rita McBride (Hintergrund, von links nach rechts) Fanout Template; Yellow Circle Template (large); Mars MascotTemplate; Cielprojap Template, 2006; (Vordergrund) Stratacolor, 2008
Räume
Bei der Präsentation der Arbeiten setzt Kuratorin Zoë Gray auf großzügig gestaltete Räume, die den Werken Platz lassen, damit sie in ihrer Verschiedenheit voll zur Geltung kommen können, und den Besuchern Punkte der Sammlung ermöglichen. Für angenehme Irritation sorgt manche Entscheidung beim Hängen von Bildern. So kommt es z. B. vor, dass sich eine vergleichsweise kleine, gerahmte Arbeit vor einer riesigen Wand scheinbar verliert. Im Zusammenspiel mit den verschiedenen Blickwinkeln auf die anderen Arbeiten im Raum jedoch wirken diese kuratorischen Einfälle immer schlüssig, nie verspielt. Dasselbe gilt für die Beschriftung der Arbeiten, die auf die Titel der Werke verzichtet, nur die Künstler nennt, und durch ihre Platzierung an den Unterkanten der Wände in der Ausstellungsarchitektur als eine Art zusätzliches Leitsystem funktioniert. Im Vordergrund steht immer die physische Qualität der Kunstwerke selbst, nicht die theoretische Idee hinter der Ausstellung. Man merkt Grays Art der Präsentation an, dass sie die Begeisterung, die sie für die Künstler empfindet, mit den Besuchern der Schau teilen und kein kulturwissenschaftliches Seminar abhalten möchte.
"Western Angst"
Und doch bleibt die Frage, ob die zeitgeistige Rückbesinnung auf gutes, altes Handwerk nicht eine zu eurozentrische Perspektive darstellt. Denn Globalisierung, Massenproduktion und Lust auf Konsum haben, trotz mannigfaltiger Probleme, in vielen Schwellenländern für rasantes Wachstum und die Entwicklung einer neuen Mittelschicht geführt, die es vorher nicht gab. Hat das Ganze also vielleicht auch mit einer saturierten westlichen Angst vor dem eigenen Bedeutungsverlust zu tun? Die nächste Ausstellung in der Witte de With wird das zwar nicht beantworten, aber vielleicht einen Schritt weiter gehen können. Ihr Titel: The End of Money.
Aufmacherfoto: Alexandre da Cunha, Palazzo, 2009
Foto im Text: Rita McBride, Templates, 2006
Foto im Text: Rita McBride, Templates, 2006
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So, 03.04.2011
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