
Das Dortmunder Westend - Ein Stadtteil im Wandel unter dem U +++ Teil 4
- Serie: Dortmunder U
Es ist soweit: Das Dortmunder U wird am 18. Dezember endgültig eröffnet werden. Mit dem neuen Zentrum für Kreativwirtschaft soll sich auch der angrenzende Stadtteil – von Planern „Quartier Rheinische Straße“, im Volksmund „Westend“ genannt – einem Wandel unterziehen und ein neues Kreativquartier werden. Soweit der Plan, soweit der Wunsch. Autor Holger Steffens, selbst Anwohner des Viertels, ist in seinen Stadtteil abgetaucht, um mit Akteuren und Kennern des Westends eine Bestandsaufnahme zu machen, über Vor- und Nachteile zu sprechen und das Potential zu überprüfen.

Stadtplan von Dortmund mit Stadtumbaugebiet Rheinische Straße
Teil 4:
Raumplanerin Susanne Linnebach leitet den Geschäftsbereich Stadterneuerung beim Stadtplanungs- und Bauordnungsamt in Dortmund und betreut die Maßnahmen im „Stadtumbauquartier Rheinische Straße“.
Wie sieht das Viertel aus der Sicht des Stadtplanungsamtes aus?

Stadtpanungs-und Bauordnungsamt Dortmund
Das „Stadtumbauquartier Rheinische Straße“, wie das Projekt bei uns heißt, hat sicherlich seine Schwierigkeiten, gerade aus baulicher Sicht: Dichte Bebauung, teilweise schlechte Gebäudesubstanz und wenig Grünflächen zum einen, zum anderen wird das Viertel immer wieder von Barrieren wie Industrieflächen oder Bahngleisen durchschnitten. Aber auch die hohe Arbeitslosigkeit und der teilweise überdurchschnittliche Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund spielen eine Rolle. Kurzum: In den Augen vieler Menschen strahlt das Viertel keine besondere Attraktivität aus.
Welche Maßnahmen stehen denn jetzt auf der Liste der Stadt?
Susanne Linnebach:
Tatsächlich haben die Aktivitäten der Stadt bereits vor Jahren begonnen: Die Verkehrsführung zum Beispiel konnte erheblich verbessert werden. Der fahrende Verkehr hat sich seitdem deutlich entspannt. Doch das Viertel hat Schwierigkeiten an ganz unterschiedlichen Stellen. Bloße Baumaßnahmen helfen dort nicht, da müssen übergreifende Konzepte ran, die vor allem die ansässigen Unternehmen, Hauseigentümer und Anwohner mit einbeziehen. Zwei wichtige Punkte waren die Einrichtung des Quartiersmanagement und die Förderung des Vereins Rheinische Straße – unerlässliche Schnittstellen, die eine Zusammenarbeit von Bürgern und Stadt erst möglich machen. Wichtige Bausteine sind aber auch Fassadenförderprogramme oder der Aktionsfond, der jährlich mit rund 25.000 Euro Projekte unterstützt, die von den Anwohnern meist selbst vorgeschlagen und von einer Jury abgenickt werden. Über das Quartiersmanagement bekommen Hauseigentümer aber auch kostenlose Beratung, wenn es um Energiefragen oder Tipps zur Finanzierung geht. Die Modernisierung von Spielplätzen und das Schaffen von Freiräumen für Kinder ist allerdings auch ein wichtiger Punkt, den wir verfolgen.
Klingt nach einem großen Topf, der für den Umbau aufgemacht werden muss. Wo kommt das Geld her?
Susanne Linnebach:
Der Großteil des Geldes kommt aus dem „Förderprogramm Stadtumbau West“ – eine Initiative zur Umgestaltung von Stadtteilen, die durch Bundes- und Landesmittel finanziert wird. Insgesamt steht für den Umbau des Quartiers eine Gesamtsumme von 16 Millionen Euro zur Verfügung, die im Zeitraum 2008 bis 2016 entsprechend investiert werden.
Hat das Viertel seine Verschönerungskur dem neuen U zu verdanken?

Susanne Linnebach
Der neu gestaltete U-Turm ist sicherlich ein Flaggschiff, das seinesgleichen sucht. Mit solch einem Projekt im Hintergrund lässt es sich auf jeden Fall weitaus besser argumentieren, wenn es um die Beantragung von Geldern geht. Das hat erfreulicherweise ja auch geklappt. So gesehen profitiert das gesamt Viertel Rheinische Straße natürlich vom U. Wir verzeichnen aber auch eine deutlich erhöhte Bereitschaft von Unternehmen und Hauseigentümern zu investieren. Der Impuls, der vom U ausgeht, ist also deutlich zu spüren.
Dann wird das Viertel entlang der Rheinischen Straße also doch das neue Kreativquartier?
Susanne Linnebach:
Der Titel „Kreativquartier“ stand ursprünglich eigentlich gar nicht auf unserem Zettel. Erst in der jüngeren Vergangenheit zeigten sich Tendenzen in die Richtung. Impulse, auf die wir natürlich auch reagieren und uns gemeinsam mit Akteuren aus dem Umbaugebiet überlegen, an welcher Stelle man die Idee sinnvoll unterstützen kann – zum Beispiel mit der Zwischennutzung von leer stehenden Gebäuden oder deren Umgestaltung. Solche Entwicklungen unterliegen jedoch erfahrungsgemäß einer eigenen Dynamik, die meist aus sich selbst heraus wachsen.
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Di, 14.12.2010
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