Dangerboy singen deutsch, weil sie keine englische Phrasendreschmaschine sein wollen. Ihr zweites Album soll demnächst erscheinen - auf einem neuen Label. Ein Gespräch mit der Band im Essener Panic Room.
Jens Kobler: Zu eurem live Line-Up gehört doch noch ein Tastenmann, der heute leider nicht dabei ist, den wir aber zumindest erwähnen sollten...
Zyklopenmann (Stimme, Saiten; Foto: Mitte): Lenny Vegas. Auch bekannt wegen seiner anderen Band Die Reeperboys.
JK: Und damit zur ersten Frage. Ich kannte die meisten von Euch schon vor Dangerboy, war dann aber doch überrascht, was Dangerboy letztlich ist und macht, so etwas wie deutschsprachigen New Wave Rock vielleicht. Erzählt doch bitte kurz, wie die Band entstanden ist.
Zyklopenmann: Alles begann, als Philomena und ich einmal begonnen haben, zusammen zu spielen, ganz ohne die Idee, jetzt eine Band auf die Beine zu stellen. Dann kam aber bald Harpo dazu und dann Dirk, der jetzt nicht mehr dabei ist. Zwischendurch hatten wir auch die Idee, noch einen Sänger zu suchen, das haben wir dann aber doch unter uns aufgeteilt. Und deutsch singen wir, weil wir halt keine englische Phrasendreschmaschine sein wollen. Am Anfang waren wir wohl sogar selbst überrascht, was dabei herausgekommen ist.
Harpo Calypso (Saiten, Stimme): Wir sind ein Zufallsprodukt, das als Sessionband begonnen hat.
Philomena (Schlagzeug): Aus dem ursprünglichen Raum sind wir dann bald in einen Proberaum nach Gladbeck umgezogen, wo es dann auch Aufnahmemöglichkeiten gab.
Harpo Calypso: Das eigentliche Bandkonzept ist dann eher durch die Aufnahmen entstanden. Wir haben uns überlegt, dass wir da nun immer weiter so hocken können oder raus gehen. Und da haben wir entschieden, erst einmal eine virtuelle Platte zu machen. Also zunächst einmal aufnehmen, auch wenn wir ein Stück vielleicht noch gar nicht als Ganzes spielen können.
JK: Daher kommt dann wahrscheinlich auch so ein „Erkennungslied“ wie „Dangerboy“, aus der Idee, zwar kein Konzeptalbum zu machen, aber doch erst einmal im Rahmen eines Albums zu denken und dabei die Band-Identität zu entwickeln?
Harpo Calypso: Ja, da sind auch erst die ersten richtigen Songs entstanden, zunächst einmal sogar nur auf Tape, quasi.
Zyklopenmann: Die Platte war gerade erst fast fertig, als dann schon die erste Konzertanfrage für ein
Temple Bar Open Air kam.
JK: Stimmt, da wusste ich auch noch gar nicht, dass Ihr vorher nie live gespielt hattet.
Harpo Calypso: Und da mussten wir das dann auch von heute auf morgen live spielen können. Die Chemie bei uns als Band hat gestimmt, aber wir mussten halt tatsächlich lernen, in Songstrukturen zu spielen. Wir waren selber verblüfft.
JK: Hat sich denn etwas geändert am Songwriting, seitdem Ihr dann eine Rockband wart?
Zyklopenmann: Eigentlich nicht,…
Harpo Calypso: ,… außer dass wir jetzt schon beim Schreiben wissen, dass wir das dann hinterher auch spielen können. Sagen wir mal so: Das neue Album wird anders klingen. Das grundsätzliche Prinzip, dass die Songs beim Aufnehmen entstehen, das wollen wir aber beibehalten.
JK: Ist das dann schwierig, plötzlich so einen Live-Gig durchzuziehen, wenn all die Stücke vor allem noch das erste Mal am Stück gespielt werden müssen?
Philomena: Gar nicht, denn die Stücke sind ja auch etwas anders als auf Platte. Das macht eher einfach nur Spaß. Ich hatte auch kurz zuvor erst mit dem Schlagzeug angefangen, und das ist meine erste Band.
Zyklopenmann: Harpo hat vorher in einigen Bands gespielt, bei mir gab es da nur einmal eine Schülerband vor einigen Jahren.
JK: Das erste Album ist dann über Ritchie Records herausgekommen. Was ist nun mit dem zweiten?
Harpo Calypso: Das wird nicht mehr darüber erscheinen. Wir sind also auf der Suche, bzw. wir machen es wie beim ersten Mal: Ein Album fertig stellen und dann gucken. Im Notfall machen wir es vielleicht selber.
JK: Physikalische Tonträger sorgen ja nach wie vor dafür, dass es überhaupt Kritiken gibt und dass eine Band nicht ganz untergeht im unübersichtlichen Web-Business – gerade wenn es ohne die Marketingmechanismen von Großkonzernen gehen muss oder soll. Aber um permanent präsent zu sein, gehören natürlich auch Touren dazu, und dass man aus der eigenen Stadt heraus kommt. Das klappt ja bei Euch ja schon ganz gut, aber fehlt es nicht auch im Ruhrgebiet an gut funktionierenden Mechanismen, die Bands ständig im Bewusstsein der Leute zu halten, und wenn es über Fanzines oder unkommerzielle Radios wäre? Wo ist die funktionierende Szene in dieser sechs-Millionen-Anballung?
Zyklopenmann: Ich habe schon den Eindruck, dass die Bereitschaft dafür eher gering ist. Dass im Grunde eher woanders hin geschaut wird und hier alle eher in kleinen Kreisen mit ihren eigenen Sachen beschäftigt sind.
Harpo Calypso: Natürlich treffen wir auch andere Musiker, aber die bedienen ganz einfach auch oft ganz andere Sparten als wir, selbst Lenny mit seiner Band. Das ist für uns als Band dann einfach uninteressant, uns damit im Sinne einer „Szene“ zu beschäftigen. Andererseits nennen wir unsere Musik selbst ganz einfach „Pop“ – wir sind also keine Band, die sich nicht gerne einfach mal so in irgendeine Sparte einsortieren lassen würde. (lacht) Wir wollen die Leute ja schon auch einfach unterhalten, aber keinesfalls nur eine spezielle Szene bedienen.
JK: Na, ganz so leicht kommt Ihr jetzt aber nicht davon. In Euren Texten allein gibt es ja ganz klar typische Punk-Themen. Außerdem habt Ihr nicht wirklich eine klassische Bandstruktur (und covert Depeche Mode auf Deutsch).
Harpo Calypso: Das ist aber alles nicht bewusst oder kalkuliert, sondern vielleicht eher Ausfluss einer gewissen Lebenseinstellung oder so. Wir probieren auch bei den Songs einfach aus und finden schnell heraus, wenn etwas nicht geht.
Zyklopenmann: Was nicht bedeutet, dass sich nichts ändert. Ich denke, die neuen Songs sind zum Beispiel noch mehr auf den Punkt, kürzer.
Harpo Calypso: Bis Ende Februar wird jetzt noch der letzte aufgenommen, dann ist das neue Album fertig. Und: Wir spielen immer überall für Freibier, da ist sie dann, die alte Punk-Attitüde!!
(Lachen in der Runde)
dangerboy rocks!!!!!
das Debütalbum von dangerboy war schon ein echtes Sahnestück, besonders erfreut war ich darüber, dass ich das Album auch als Vinyl erwerben konnte...ich freue mich riesig auf das 2. Album und hoffe, das die Band wieder ein geeignetes Label finden wird, damit ich auch das neue Album meiner Vinylsammlung hinzufügen kann...wer dangerboy noch nicht kennt, dem ist auf jeden Fall zu empfehlen die Band live zu erleben!!!!
Dangerboy rocks!!!!
Das erste Album war schon echt ein Sahnestückchen, vor allen Dingen war es echt geil das Album auch als Vinyl in den Händen halten zu dürfen. Ich freue mich riesig auf das 2. Album und hoffe, dass die Band wieder eine gute Plattenfirma finden wird, damit ich auch dieses Album in meiner Vinylsammlung unterbringen kann...Jeder der Dangerboy nicht kennt sollte sie auf jeden Fall mal live gesehen haben!!!! Thank You for the music...ihr seid echt geil!!!!!!!!!!!!!!!